Der 3M-Standort Kamen sorgt seit einigen Jahren für Furore, weil er sich mit hohen Millionen-Investitionen für die Zukunft gerüstet hat. Die Produkte, die in Kamen gefertigt werden, gehen nach Jüchen.

Kamen

, 11.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Millionen von Spezialpflastern und Wärmedecken für den Operationssaal verlassen das Kamener Werk täglich. Doch sie gehen von dort aus nicht direkt in Krankenhäuser, Apotheken oder zu medizinischen Dienstleistern. Sie werden zunächst nach Jüchen transportiert.

Die kreisangehörige Stadt im Rhein-Kreis Neuss liegt verkehrsgünstig zwischen dem nordwestlich gelegenen Mönchengladbach und dem südöstlich gelegenen Grevenbroich. Der Tagebau Garzweiler liegt südlich von Jüchen in unmittelbarer Nähe. Kamen liegt 114 Kilometer entfernt - oder wie die Amerikaner rechnen würden: 71 Meilen. Fahrtzeit über die Autobahn: Etwa anderthalb Stunden.

Täglich 400 Tonnen Ware in alle Welt: Wo Kamens 3M-Produkte gelagert werden

Zur Ausstattung des Neubaus gehören ein hoch produktiver Kommissionierbereich, eine vollautomatische Sortieranlage und hochmoderne Fördertechnik. © Jochen Rolfes

Lagerfläche von 72.000 Quadratmetern und 100.000 Palettenplätzen

Mit einer Lagerfläche von 72.000 Quadratmetern und 100.000 Palettenplätzen ist das Verteilzentrum des Multikonzerns 3M in Jüchen der größte Logistik-Standort des Unternehmens in Europa. In dem hochmodernen Zentrum sind rund 500 Mitarbeiter beschäftigt.

Das sind noch 60 Mitarbeiter mehr als in Kamen, wo zurzeit 440 Mitarbeiter beschäftigt sind. Bezeichnet wird der Logistik-Standort in Jüchen als „3M European Distribution Center“ (EDC).

Dort werden die medizinischen Produkte und Schleifmittel, die im Kamener Werk produziert werden, zwischengelagert. Erst von dort aus gehen die Kamener Produkte in 35 Länder.

Täglich 400 Tonnen Ware in alle Welt: Wo Kamens 3M-Produkte gelagert werden

Eine 150 Meter lange Förderbrücke über die Bundesstraße 59 verbindet die beiden Lagerhallen des Logistikzentrums. © Wolfgang Wiest

Durch eine Förderbrücke über der Bundesstraße 59 verbunden

Das Verteilzentrum für 3M-Produkte aller Art ging 1994 in Betrieb und wurde 2002 durch einen Anbau mit einem automatischen Hochregallager ergänzt.

Der 2012 fertiggestellte Neubau ist mit dem ursprünglichen Gebäudekomplex durch eine Förderbrücke über der Bundesstraße 59 verbunden. Er erweiterte die Lagerfläche auf 72.000 Quadratmeter mit einer Kapazität für 100.000 Paletten. Damit wurde das EDC zum größten Logistik-Standort des Unternehmens in Europa.

Täglich 400 Tonnen Ware in alle Welt: Wo Kamens 3M-Produkte gelagert werden

Das 3M European Distribution Center in Jüchen ist der größte Logistik-Standort des Unternehmens in Europa. © 3M

Täglich 400 Tonnen zur Auslieferung

„Zur Ausstattung des Neubaus gehören ein hoch produktiver Kommissionierbereich, eine vollautomatische Sortieranlage und hochmoderne Fördertechnik“, heißt es von Unternehmensseite.

Durch 45 zusätzliche Anfahrrampen können im EDC gleichzeitig 82 Lastwagen bzw. Sattelauflieger beladen werden.

Täglich verlassen Waren mit einem Gewicht von durchschnittlich 400 Tonnen das Logistikzentrum. Sie haben rund die Hälfte aller westeuropäischen Endkunden zum Ziel.

Daneben fungiert das EDC als Zentrallager für Nachschub-Lieferungen an die weiteren fünf europäischen Logistikzentren des Unternehmens. Insgesamt werden 75 Länder mit mehr als 20.000 verschiedenen Produkten beliefert.

Täglich 400 Tonnen Ware in alle Welt: Wo Kamens 3M-Produkte gelagert werden

Jens Milde ist der neue Leiter des 3M-Werks in Kamen. © Stefan Milk

3M beteuert: Nachhaltigkeit jederzeit im Fokus

Schon in der Konzeptionsphase des Logistikzentrums wurde besonderer Wert auf Umweltschonung gelegt, heißt es bei 3M. „Alle 500 Mitarbeiter sind in kontinuierliche Nachhaltigkeits-Projekte einbezogen.“ Dabei ginge es etwa um Material- und Energie-Einsparungen, aber auch um die Gestaltung der Arbeitsplätze und Abläufe im Rahmen des unternehmenseigenen Ergonomie-Programms.

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Über Overhead-Projektoren bis zum leuchtenden Nummernschild

In das Zentrallager nach Jüchen sind auch schon zahlreiche andere Produkte aus Kamen transportiert worden.

Das Kamener Werk hat in den vergangenen Jahrzehnten viele unterschiedliche Produkte hergestellt. Beispielsweise Overhead-Projektoren und Videokassetten in den 70er-Jahren, sogar ein selbstleuchtendes Nummernschild war später im Programm, ebenso Kopiergeräte und Datenspeicherprodukte wie die längst ins Technikmuseum verbannte 3,5-Zoll-Diskette. Innenraumfilter für die Autoindustrie wurden solange gefertigt, bis die Sparte nicht mehr ausreichend nachgefragt war. Der Umstieg auf medizinische Produkte erfolgte im Jahr 2003.

Seit der Neuausrichtung 2003 ist der Anteil der Medizin-Sparte auf etwa 85 Prozent angestiegen.

Den restlichen Anteil bilden eine eine Vielzahl an Schleifmitteln für industrielle Anwendungen; ein Produkt, das aus den Ursprüngen der 1902 in Minnesota gegründeten Firma stammt. Dort begann alles mit der Herstellung von Sandpapier.

Die Geburtsstunde von 3M im Jahr 1902

Fünf Geschäftsleute gründen im Jahr 1902 in Two Harbors am Lake Superior in Minnesota, USA, die „Minnesota Mining & Manufacturing Company“, um ein Mineralvorkommen zur Herstellung von Schleifpapier zu nutzen – die Geburtsstunde von 3M.

1910 siedelt das Unternehmen nach St. Paul über. Seit den 40er-Jahren gilt 3M als Weltkonzern. Anfang der 1950er Jahre gründet der amerikanische Mutterkonzern auf den wichtigsten Märkten der Welt eigene Tochtergesellschaften. So entstand 1951 in Düsseldorf die „Minnesota Mining & Manufacturing GmbH“. Seit 1972 ist das Unternehmen als 3M Deutschland GmbH mit Hauptsitz in Neuss (seit 1973) tätig.

Schon vorher erfolgte der Aufbau von Fertigungsstätten in Nordrhein-Westfalen: In Hilden bei Düsseldorf und Kamen (seit 1969) wird für den deutschen und europäischen Markt – und für 3M-Gesellschaften in aller Welt – produziert.

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