Südkamener Spange: Noch kein grünes Licht

dzDauerverkehrsprojekt

Es wird weiter am Dauerprojekt getüftelt, um eine nicht eingeplante Kostensteigerung plausibel darzustellen. Das Verkehrsministerium hat den ersten Entwurf als „nicht prüffähig“ eingestuft.

Kamen

, 22.11.2018, 15:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach jahrelangen Rückschlägen rund um die „Südkamener Spange“ unternehmen der Kreis Unna und die Deutsche Bahn einen weiteren Anlauf, um das Dauerverkehrsprojekt aufs Gleis zu setzen. Hinter den Kulissen werden die Unterlagen vorbereitet, die das Bundesverkehrsministerium in Bonn durchwinken soll. Voriges Jahr war das nicht gelungen. Die Dokumente erhielten den Stempel „nicht ausreichend prüffähig“. Bis zum Ende dieses Jahres sollen nun neue – zwischen dem Kreis Unna und der Deutschen Bahn abgestimmte – Dokumente in Bonn vorgelegt werden. „Das ist unser Ziel“, sagt Jürgen Busch, Sachgebietsleiter Tiefbau des Kreises Unna, auf Anfrage unserer Redaktion.

Südkamener Spange: Noch kein grünes Licht

So verläuft die Südkamener Spange (grün) von der Westicker Straße bis zur Dortmunder Allee.

Planung seit den 80ern

Zur Erinnerung: Eigentlich sollte die Südkamener Spange schon längst den Verkehr zwischen der Westicker Straße und der Dortmunder Allee führen. Bereits seit den 80er-Jahren gibt es die Planung, die seit etwa zehn Jahren so konkret ist, dass mit der Umsetzung begonnen werden könnte.

Doch aus unterschiedlichen Gründen wurden die Bautrupps bisher nicht bestellt, um ein Gleisbrückenbauwerk zu errichten – und auch die Straße, die durch das neue Trogbauwerk unter den Schienen durchführt. „Es gab die Klage der Anwohner, Schwierigkeiten beim Grunderwerb und durch nicht vorhandene Baustellenflächen. Ein langwieriger Prozess“, erinnert Busch (siehe auch Chronik).

Eigentlich standen die Signalanlagen für das umstrittene Projekt, gegen das sich Anwohner vergeblich juristisch zur Wehr setzten, im vorigen Jahr auf Grün. Sowohl das Eisenbahnbundesamt (Januar 2017), die Bezirksregierung Arnsberg (März 2017) als auch das Verkehrsministerium des Landes (April 2017) genehmigten die Anpassungsunterlagen für die Kostenerhöhung auf insgesamt 20 Millionen Euro – Kostensteigerungen vor allem wegen des hohen Grundwasserstandes: Das Trogbauwerk, durch das der Verkehr geführt werden soll, muss mit größerer Auftriebssicherheit geplant werden, sprich: Es muss durch eine Bohrpfahltechnik besser verankert werden.

Statt 13 jetzt 30 Mio. Euro?

Die Gesamtkosten werden nun statt zuvor kalkulierter 13 Mio. Euro auf 20 Mio. Euro geschätzt. Die Kreisverwaltung, die sich die Kosten mit der Deutschen Bahn, dem Bund und dem Land NRW teilt, sieht sich statt mit geplanten 2,5 Mio. Euro mit einer Summe von vier Mio. Euro, also 1,5 Mio Euro mehr, konfrontiert. Diese Summe könnte schon Makulatur sein, wenn man gängige Rechenformeln der Haushaltsarithmetik, die beispielsweise bei der Kamener Planung zum Kombibad zum Tragen kommen, heranzieht: Durch Inflation und den Boom auf dem Bausektor rechnet man mit Steigerungen pro Jahr um ca zehn Prozent. Die jetzige Kostenkalkulation stammt aus dem Jahr 2015. Rechnet man die zehnprozentige Jahressteigerung dazu, könnte die Spange am Ende auch ca. 30. Millionen Euro kosten. Das allerdings ist bisher nur ein Rechenspiel unserer Redaktion.

Mehr als ein DINA4-Ordner

Dass das Bundesverkehrsministerium dem Projekt voriges Jahr eine vorläufige Absage erteilt hat, habe vermutlich auch daran gelegen, dass das Projekt unglaublich kompliziert sei, so Busch. „Es gibt kreuzungsbedingte Kosten und nicht kreuzungsbedingte Kosten. Wer nicht in dem Projekt steckt, der kann nur schwer abschätzen, wie die prognostizierten Kosten zu bewerten sind.“ Das soll das neue Planwerk leisten, das nun in Vorbereitung ist – ein umfangreiches Arbeitspapier, stärker als ein DINA4-Ordner. Eine Kostenzusage könnte dann, so die Hoffnung beim Kreis Unna, im Sommer nächsten Jahres erfolgen. Baustart könnte dann im Jahr 2020 sein. Für die Bauarbeiten wird eine achtwöchige Sperrung, wie sie in diesem Jahr in den Bahnfahrplan eingetaktet war, wohl aber nicht notwendig sein. Dann sollen mehrere kurze Sperrungen ausreichend sein, um das Brückenbauwerk unter die Gleise zu schieben. Ziel bleibt es, die Südkamener Spange im Jahr 2023 fertigzustellen. „Wir sind mit dem Projekt zu weit, als dass es gar nicht mehr klappen könnte“, sagt Jürgen Busch zuversichtlich.

  • Etwa 7000 Fahrzeuge pro Tag werden über die neue Straße, die K40n, rollen.
  • Auf der Westicker Straße sind zurzeit täglich rund 9000 Fahrzeuge unterwegs, auf der Dortmunder Allee rund 7000 und auf der Südkamener Straße etwa 4500.
  • Ermöglicht werden soll mit dem Projekt eine südwestliche Umfahrung der Innenstadt.
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