Viele Verbraucher müssen ab Januar mehr für Strom bezahlen. Unser Preisvergleich zeigt, was auf eine Musterfamilie zukommt – in Unna, Kamen, Bergkamen, Bönen, Fröndenberg und Holzwickede.

Kreis Unna

, 26.11.2019, 16:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon jetzt gibt es erhebliche Preisunterschiede bei lokalen Stromanbietern im Kreis Unna. Rund 260 Euro beträgt der Unterschied zwischen dem teuersten und dem preisgünstigsten Tarif, bezogen auf eine vierköpfige Musterfamilie mit einem Jahresverbrauch von 4250 Kilowattstunden. Das geht aus einem Vergleich der Preislisten von vier örtlichen Versorgern in Unna, Kamen, Bergkamen, Bönen, Fröndenberg und Holzwickede hervor.

Die nächste Preiserhöhung steht im Januar ins Haus. Nach Angaben der Vergleichsportale Verivox und Check24 wollen bundesweit rund 170 Anbieter zum 1. Januar an der Preisschraube drehen. Die Tarife steigen durchschnittlich um 5,4 bzw. 5,3 Prozent. Aus dem Kreis Unna sind unter anderem die GSW Kamen-Bönen-Bergkamen und die Stadtwerke Fröndenberg (SWF) dabei. GSW-Kunde Gerd Burkhardt beklagt, dass durch eine Preiserhöhung von fast acht Prozent Mehrkosten von 70 Euro im Jahr auf ihn zukommen. In Fröndenberg beträgt die Erhöhung nach Angaben der örtlichen Stadtwerke knapp vier Prozent. Zwei weitere Anbieter im Kreis Unna warten noch ab: die Stadtwerke Unna (SWU) und Innogy als Grundversorger in Holzwickede. Sie lassen die Preise zum 1. Januar unverändert.

Ein Viertel der Haushalte in der teuren Grundversorgung

Nach Angaben der Bundesnetzagentur stecken rund 27 Prozent der Haushalte in Deutschland in der teuren Grundversorgung. Bei den örtlichen Anbietern tragen diese hochpreisigen Tarife Namen wie „Strom Privat Basis“ (GSW), „Klassik Watt“ (SWU), „Ruhrpur-Komfort“ (SWF) und „Strom Stabil“ (Innogy). Der Abstand zu den günstigeren Haustarifen kann mehr als 200 Euro betragen. Der vierköpfige Musterhaushalt in unserem Preisvergleich verbraucht ungefähr 4250 Kilowattstunden Strom im Jahr.

Spitzenreiter verlangt 1464 Euro im Jahr

Angenommen, die Musterfamilie wohnt in Unna, dann verlangen die Stadtwerke Unna (SWU) von ihr 1464 Euro für die Grundversorgung pro Jahr. Damit sind die Unnaer der teuerste Grundversorger in diesem kleinen regionalen Tarifvergleich. In Holzwickede bei Innogy werden 1337 Euro fällig und bei den Stadtwerken Fröndenberg 1306 Euro. Mit 1268 Euro ist GSW der preisgünstigste Grundversorger in dem Quartett – das ist fast 200 Euro weniger als bei den SWU.

Was sich im Januar ändert

Zum 1. Januar ergibt sich durch die Preiserhöhungen der GSW und der SWF ein leicht verändertes Bild. Die Musterfamilie in Kamen, Bönen und Bergkamen zahlt 88 Euro mehr im Grundversorgungstarif, in Fröndenberg 50 Euro mehr. Trotz der Tarifanhebung bleibt der Basistarif von SWF und GSW auch nach dem 1. Januar unter dem Preis, den die SWU verlangen. Die Jahreskosten betragen bei SWU und Innogy unverändert 1464 Euro bzw. 1337 Euro, bei den GSW unter Berücksichtigung des neuen Tarifs 1356 Euro und bei den SWF ebenfalls 1356 Euro.

Verbrauchertipp

Checkliste für den Anbieterwechsel

Die Verbraucherzentrale gibt folgende Tipps für den Strom oder Gasanbieterwechsel :
  • Daten vorbereiten und Vertragsbedingungen festlegen
  • Preise im Tarifportal vergleichen und neuen Anbieter auswählen
  • Vertrag kündigen und Zählerstand ermitteln
  • Nach Zusendung der Unterlagen vom neuen Anbieter die Preis- und Vertragsbedingungen noch einmal überprüfen
  • Widerrufsrecht gegebenfalls nutzen
  • Kündigungstermin oder Termin für einen erneuten Preisvergleich auf Wiedervorlage legen

Trotz Verzicht auf Preiserhöhung der teuerste Anbieter

Die Entwicklung ist kurios: Obwohl die SWU die Preiserhöhungsrunde im Januar auslassen, bleiben sie im neuen Jahr und für den Beispielfall der teuerste Anbieter im Feld. Mit den Tarifen aus ihrer sogenannten Watt-Familie können die SWU die anderen Anbieter im Beispielfall kaum schlagen. Mit 1321 Euro liegt der günstigste SWU-Tarif („Online Watt plus“) noch über den künftigen Tarifen von SWF („Ruhrpur-Online“, 1267 Euro), Innogy („Strom Smart“, 1284 Euro) und GSW („Fashion“, 1296 Euro). Eine Berechnung für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden wird ebenfalls von den SWU angeführt. Beispiele für Zwei- und Drei-Personen-Haushalte sind in diesem Preisvergleich nicht berücksichtigt.

Anbieterwechsel ist relativ einfach

Verbraucher können Preiserhöhungen oder hohen Tarifen entgehen, indem sie entweder beim bisherigen Stamm-Versorger nach einer günstigeren Einstufung fragen oder den Anbieter wechseln. Bei Preiserhöhungen greift ein Sonderkündigungsrecht. Doch viele Strombezieher sind ihrem örtlichen Versorger treu, obwohl Verbraucherschützer immer wieder betonen, wie einfach die Wechselformalitäten durch Online-Portale wie Verivox, Check24 oder Wechselpiraten sind. Rund 70 Prozent der Haushalte in Deutschland beziehen den Strom bei einem lokalen Vertragspartner, wie aus Angaben der Bundesnetzagentur hervorgeht. Als Gründe dürften sowohl Bequemlichkeit als auch lokale Verbundenheit zum Tragen kommen.

Verbraucherschützer melden vermehrte Anfragen

Die angekündigten Preiserhöhungen führen zu vermehrten Anfragen von Kunden in der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW in Kamen. „Es ist nicht so, dass uns die Kunden jetzt total erzürnt die Bude einrennen“, sagt Mitarbeiterin Jutta Eickelpasch. „Zwei bis drei Kunden am Tag sind es aber schon.“ Die Umwelt- und Energieberaterin informiert die Interessenten nicht nur über den Wechselprozess und mögliche Fallstricke dabei, sondern rät auch dazu, das Einsparpotenzial bei Elektrogeräten zu prüfen. Eickelpasch sagt: „Man kann schon durch kleine Tricks Strom sparen.“

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