Ein Nachbarschaftsstreit beschäftigte das Amtsgericht in Kamen. Eine Frau gab an, ihr sei eine geöffnete Autotür in den Rücken geschlagen worden. (Symbolfoto) © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Prozess in Kamen

Streit unter Nachbarn: Frau (71) wird angeblich Autotür in den Rücken geschlagen

Dass Nachbarn sich gegenseitig anzeigen, ist in einer Kamener Wohnsiedlung fast schon normal. Der Anlass für einen besonders rabiaten Streit: Geöffnete Autotüren ragten in die Einfahrt des Nachbarn.

Schon lange gibt es zwischen den Nachbarn in einer Kamener Wohnsiedlung Stress. Dieser schlägt sich in zahlreichen gegenseitigen Anzeigen nieder. Nun war es wieder einmal soweit, die Parteien trafen sich vor Gericht. Auf der Anklagebank eine 71- Jährige. Sie musste sich wegen falscher Versicherung an Eides statt und falscher Verdächtigung verantworten.

Die geöffnete Autotür angeblich in den Rücken geschlagen

Im Mittelpunkt stand ein Ereignis vom 20. Juni vergangenen Jahres. An dem Tag entschied die Angeklagte, ihr Auto vor die Garage zu stellen, um es auszusaugen. Die dafür geöffneten Türen ragten in die Garagenausfahrt der Nachbarn hinein. Diese wollten just in dem Moment die Garage mit dem Auto verlassen.

Laut Angeklagter kam der Nachbar zu ihr rüber und schlug ihr, die vornübergebeugt im Auto hing, die Tür von hinten in den Rücken.

Dabei sei sie nach vorne auf die Mittelkonsole gefallen, gab die 71-Jährige unter Tränen im Amtsgericht Kamen an: „Ich war verletzt, stand unter Schock. Sie haben mich einfach stehen gelassen.“

Nachbarn bestreiten den Vorfall und zeigen Seniorin an

Nach diesem Vorfall entschied sich die Frau, eine einstweilige Verfügung zu erwirken, um ihre Nachbarn auf Abstand zu halten. Bei Antragstellung dieser Verfügung am 24. August vergangenen Jahres, beteuerte sie an Eides statt, dass sich die Sache mit der Tür im Rücken genau so zugetragen hatte.

Die Nachbarn bestritten das jedoch und zeigten die Frau wegen falscher Versicherung an Eides statt und falscher Verdächtigung an. Es kam zum Prozess im Amtsgericht Kamen.

Aussage gegen Aussage: Freispruch für die Witwe

Dort erklärten die Nachbarn, sie hätten die Frau lediglich gebeten, die Tür zu schließen, damit sie herausfahren konnten. Aber erst, als die Frau des Nachbarn Fotos gemacht habe, um die Situation festzuhalten, sei die Angeklagte zur Seite gegangen. Am Ende stand also Aussage gegen Aussage.

„Ich meine, dass der Sachverhalt hier nicht aufklärbar ist“, erklärte der Vorsitzende. Beide Varianten könnten stimmen. Allerdings spreche ein Attest, aus dem sich Prellungen an Hüfte und Arm der Angeklagten ergaben, eher für die Angaben der Kamenerin. Und so gab es für den Richter nur ein Ergebnis: Freispruch für die Witwe.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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