Streit um Abrisshaus: Eigentümer gewinnt vor Gericht, Stadt kündigt weitere Schritte an

dzKirchstraße 10

Die Stadt will das Fachwerkhaus an der Kirchstraße 10 erhalten. Das Verwaltungsgericht stimmte jetzt jedoch dem Eigentümer zu, der es abreißen will. Er hat schon Pläne für das Grundstück.

Kamen

, 20.12.2019, 13:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das alte Fachwerkhaus an der Kirchstraße 10 sollte längst nicht mehr stehen – zumindest wenn es nach den Eigentümern geht. Die hatten bereits vor über drei Jahren einen Abrissantrag im Rathaus gestellt, nachdem sie das Haus erworben hatten. Doch die Genehmigung des Antrags haben sie bis heute nicht erhalten.

Stattdessen waren die Denkmalschützer auf das Vorhaben der Eigentümer aufmerksam geworden. Die Untere Denkmalbehörde leitete ein Verfahren ein, das Haus unter Denkmalschutz zu stellen. Der Abrissantrag liegt seitdem auf Eis. Nun könnte er doch näher rücken.

Die Stadt Kamen soll den Abbruch genehmigen

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat die Stadtverwaltung dazu verurteilt, den beantragten Abbruch des Hauses zu genehmigen. Es sei den Eigentümern aus wirtschaftlichen Gründen nicht zuzumuten, das Gebäude herzurichten und zu erhalten. Entsprechend habe die Stadt den Abbruch zu genehmigen.

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Doch die Stadt will das denkmalgeschützte Fachwerkhaus in der Kirchstraße 10 noch nicht aufgeben. Sie „prüft die nun ihrerseits rechtliche Schritte, um im Sinne des Denkmalschutzes gegen das Urteil anzugehen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Eigentümer sind froh über das Ende der Gerichtsverhandlung

Währenddessen ist man auf Seiten der Eigentümer erleichtert und froh. Die fast vier Jahre andauernde Gerichtsverfahren sei „fürchterlich“ gewesen, sagten sie auf Nachfrage. Davor, dass die Stadt gegen das Urteil angehen will, haben sie keine Angst. „Wie sehen einer möglichen Revision vor dem Oberlandesgericht gelassen entgegen.“

Wenn die Stadt meine, noch mehr Geld auszugeben als bisher schon, dann solle sie das tun. Die Eigentümer sehen sich im Recht und sind überzeugt, dass das Oberlandesgericht die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes nicht verändern wird. Angesichts der Tatsache, dass das Haus erst nach dem Abrissantrag unter Denkmalschutz gestellt wurde, sind die Eigentümer überzeugt, dass das Haus nicht schützenswert ist.

Eigentümer haben das Haus zum Verkauf angeboten

Die Stadt ist anderer Meinung. „Der Stadt Kamen liegt der Erhalt denkmalgeschützter Bausubstanz sehr am Herzen“, erklärt der Erste Beigeordnete Dr. Uwe Liedtke. Die Stadtverwaltung erwäge nun in Abstimmung mit dem LWL, das Urteil vom Oberverwaltungsgericht Münster überprüfen zu lassen.

Die Eigentümer zweifeln indes daran, dass der Stadt viel an dem Gebäude liegt. Denn vor Gericht habe man es der Stadt zum Erwerbspreis zum Kauf angeboten. Die Stadt habe abgelehnt, weil es zu teuer sei. „So sehr kann das Haus der Stadt also nicht am Herzen liegen.“

Stadt hofft auf Einsicht des Eigentümers

Ob die Stadt den Abriss noch verhindern kann, wird sich zeigen. Spätestens nach der angekündigten Prüfung durch das Oberverwaltungsgericht Münster. Vielleicht aber auch schon früher. „Wir hoffen in diesem Zusammenhang aber auch immer noch auf die Einsicht des Eigentümers, zugunsten des Denkmalschutzes vom Abbruch des Hauses abzusehen“, sagt Liedtke.

Allzu wahrscheinlich ist das allerdings nicht: „Wir werden in keinem Fall von dem Abriss absehen“, sagen die Eigentümer. Einen Plan für das Grundstück haben sie auch schon. Und der dürfte der Stadt vielleicht sogar gefallen. Die Eigentümer denken darüber nach, dort seniorengerechte Wohnungen zu errichten.

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