30-Jähriger beschmiert einen Streifenwagen mit Kot – und landet im Knast

dzGerichtsprozess

Ein ganz und gar unappetitliches Thema war jetzt Gegenstand eines Prozesses am Kamener Amtsgericht: Im Mai hatte ein Kamener einen Polizeiwagen mit Kot beschmiert. Und das war noch nicht alles.

von Jana Peuckert

Kamen

, 25.08.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein mit Kot verschmierter Streifenwagen, wüste Beleidigungen, wilde Tritte und Schläge – der Polizeieinsatz am Morgen des 10. Mai hielt einige unangenehme Überraschungen für die Einsatzkräfte bereit.

Einsatz wegen Ruhestörung als Auslöser

Gerufen worden waren diese wegen Ruhestörung in einem Kamener Mehrfamilienhaus. Der Störer ließ die Beamten zunächst länger vor der Tür stehen. Als er schließlich doch noch öffnete, begrüßte er die Polizisten mit ausgestrecktem Mittelfinger und der Ansage, er würde die Musik nicht leiser machen.

Daraufhin verschaffte sich ein Polizist Zutritt in die Wohnung, worauf der 30-Jährige mit Faustschlägen in Richtung des „Eindringlings“ reagierte. Alle Versuche, den Mann zu beruhigen, scheiterten. Stattdessen kam es auf dem Fußboden des Badezimmers zu einem handfesten Gerangel zwischen dem 30-Jährigen und den beiden Beamten.

Angeklagter spricht von Polizeigewalt

Im Gericht stellte sich der Ruhestörer jetzt als Opfer dar. Er sei von dem Polizisten grün und blau geschlagen worden. Den Stinkefinger habe er nicht gezeigt, dafür räumte er aber Beleidigungen wie „Wixer“ und „Hurensohn“ ein. Ein Polizist gab im Zeugenstand an, der Angeklagte habe ihnen sehr wohl den Mittelfinger gezeigt und später „wie ein Verrückter um sich geschlagen und getreten“. Er übe seinen Beruf seit 26 Jahren aus, so der Beamte, aber so etwas habe er noch nie erlebt. „Ich hasse es, Gewalt gegen einen Menschen auszuüben“, erklärte der 46-Jährige, dass Schläge nur im Notfall erfolgten.

Kot im Wageninneren verteilt

Während sich der 46-Jährige bemühte, den Fausthieben des Angeklagten auszuweichen, versuchte seine Kollegin damals, die Beine des Mannes zu fixieren. Ohne Erfolg – Verstärkung musste her. Binnen weniger Minuten trafen weitere Polizisten ein. Gemeinsam gelang es, den Kamener in den Streifenwagen zu bugsieren. Aber auch dort gab er keine Ruhe. Er habe herumgeschrien, die Beamten weiter beleidigt und dann seinen Kot im Wageninneren verteilt, erinnerte sich eine Polizistin.

Richter vermisst Reue und Respekt

Der Richter hatte genug gehört. Er sah in dem Angeklagten einen respektlosen und nicht reuigen Angeklagten. Entsprechend erfolgte die Strafe gegen den dreifach wegen Urkundenfälschung, Sachbeschädigung und Beihilfe zum Handel mit Drogen vorbestraften Mann: elf Monate Haft. „Ich krieg das nervlich nicht hin. Das geht nicht“, flehte der plötzlich gar nicht mehr so vorlaute 30-Jährige den Richter an, ihn nicht ins Gefängnis zu schicken. „Sie müssen aus dem Verkehr gezogen werden“, blieb der Vorsitzende bei seiner Entscheidung.

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