Wenn die Ehrenamtlerin Elke Meschede Sterbende besucht, bringt sie Zeit mit. Damit hilft sie den Schwerstkranken und den Angehörigen. Das Kamener Hospiz sucht nun nach Verstärkung.

Kamen

, 05.08.2019, 12:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Leben bis zuletzt - das ist das Motto des ambulanten Hospizdienstes in Kamen. Die Ehrenamtler, die in dem Verein organisiert sind, begleiten schwerstkranke sterbende Menschen. Bald steht ein neuer Befähigungskurs an, der Ehrenamtler auf diese Aufgabe vorbereiten soll - und der Verein sucht weiterhin nach überzeugten Mitstreitern.

„Das ist überhaupt nicht unangenehm. Ich finde es gut, sich damit auseinanderzusetzen. Man geht danach viel ruhiger an diese Dinge heran.“
Elke Meschede, Ehrenamtlerin, über die Beschäftigung mit dem Tod

Susanne Marschewski unterstützt den Verein gemeinsam mit Barbara Divis als hauptamtliche Kraft. „Unsere Bandbreite ist riesig“, sagt sie. Die Kernaufgabe der Ehrenamtler bleibt aber immer gleich: „Sie verbringen Zeit mit den Menschen“, so Marschewski. „Was viele gerne hätten, Zeit, stellt unser Team zur Verfügung“, ergänzt ihre Kollegin Divis.

Kaffee trinken, zuhören, da sein

Das kann ganz unterschiedliche Formen annehmen. Manche Ehrenamtler treffen sich zum Kaffeetrinken mit den Sterbenden, sie hören zu oder sind manchmal auch einfach nur da. Das Zeitpensum kann pro Woche sehr unterschiedlich sein und hängt von den Ehrenamtlern und den Sterbenden ab - manchmal ist es nur ein kurzer Besuch von einer halben Stunde, manchmal ein längerer Aufenthalt von zwei Stunden. „Was wir aber nicht machen ist Pflege“, betont Divis.

Elke Meschede ist seit dem Jahr 2016 Ehrenamtlerin beim Kamener Hospiz. Sie hat die Schulung bereits absolviert. „Da wird besprochen, was auf einen zukommt“, sagt die 62-Jährige. „Man muss sich mit sich selbst auseinandersetzen, mit dem Sterben und mit dem Tod.“

Für manche mag das abschreckend klingen, doch Meschede beruhigt: „Das ist überhaupt nicht unangenehm. Ich finde es gut, sich damit auseinanderzusetzen. Man geht danach viel ruhiger an diese Dinge heran.“

Sterbebegleitung in Kamen: Gefährten für die letzte Reise gesucht

Elke Meschede (l.) ist seit 2016 ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Hospiz. Ihr bereitet die Arbeit Freude. Unterstützt wird sie dabei von den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen Barbara Divis (M.) und Susanne Marschewski (r.). © Marcel Drawe

Infos, Begleitung, Beratung

Die Aufgaben des Hospizdienstes

  • Das Kamener Hospiz, das ebenso für die Städte Bergkamen und Bönen zuständig ist, bietet Interessierten und Ratsuchenden verschiedene Angebote. Dafür stehen Haupt- und Ehrenamtler zur Verfügung.
  • Zu den Angeboten gehören: Informationen zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung; Trauerbegleitung; Informationsmaterial und Vorträge zu den Themen Sterben, Tod und Trauer; Palliative Beratung; Vorbereitung, Fortbildung und Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter.
  • Das Kamener Hospiz, Kämerstraße 35, ist dienstags von 16 bis 18 Uhr und freitags von 10 bis 12 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Telefonisch sind die Mitarbeiter auch außerhalb der Sprechzeiten erreichbar, Tel. (02307) 234612.
  • Hospizgruppen finanzieren sich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Wer spenden möchte, kann Beträge auf folgendes Konto überweisen: Sparkasse UnnaKamen; IBAN: DE 87 443 500 600 005 049 333; BIC: WELADED1UNN.
  • Weitere Infos gibt es im Internet unter www.kamener-hospiz.de.

Das Ehrenamt macht Freude

Meschede geht hauptsächlich in die Altenpflegeheime und Krankenhäuser. „Bisher habe ich dort viel mit dementen Menschen zutun gehabt“, sagt sie. „Die erzählen oft von früher.“ Viele erfüllende Erlebnisse habe sie dabei gemacht und den dementen Menschen ein paar schöne Stunden bereitet.

„Für mich ist das eine innere Überzeugung“, sagt die Ehrenamtlerin - und steht damit nicht alleine. Denn die Erfahrung, dass ehrenamtliches Arbeiten Freude bereitet, auch wenn es um den Tod geht, haben bereits viele vor ihr gemacht.

Der Kurs im Überblick

Der kostenlose Vorbereitungskurs dauert etwa ein dreiviertel Jahr von Oktober bis Juni und beginnt mit zwei Terminen am Freitag, 4. Oktober, 17 bis 20 Uhr, und am Samstag, 5. Oktober, 10 bis 14 Uhr. Danach finden die Termine jeweils donnerstagabends statt von 19 bis 21.30 Uhr. Bis auf wenige Ausnahmen findet der hiesige Kurs in Kamen beim ambulanten Hospizdienst, Kämerstraße 35, statt.

Zusätzlich wird es drei weitere Samstage geben, an denen Fortbildungen stattfinden. Die Schulferien sind ausgenommen. Der letzte Termin des Kurses ist schließlich am Donnerstag, 4. Juni 2020.

Religiosität ist keine Voraussetzung

Der Kurs besteht aus zwei Teilen - einem Grund- und einem Vertiefungsteil - mit jeweils acht Einheiten. Beiden Teilen liegt eine Bibelgeschichte zugrunde. „Für diesen Kurs ist es nicht zwingend, einen Zugang zum Glauben zu haben“, heißt es in der Ankündigung.

Zu den Inhalten des Kurses gehören unter anderem:

  • Kommunikationstraining,
  • Selbst- und Konfliktmanagement,
  • Umgang mit Krisen,
  • Herausfinden der eigenen Ressourcen und Kraftquellen,
  • Erkennen der eigener Grenzen,
  • die Sprache der Sterbenden

Verschiedene Ansprechpartner

Hier kann man sich für den Kurs anmelden

  • Wer Interesse hat, an dem Kurs teilzunehmen, kann sich beim ambulanten Hospizdienst Kamen melden: Barbara Divis und Susanne Marschewski, Tel. (02307) 234612; Mail: kamener-hospiz@gmx.de
  • Auch Einrichtungen in Unna bieten entsprechende Kurse an. Weitere Infos gibt es bei folgenden Stellen:
  • Ambulanter Paritätischer Hospizdienst Unna: Klaus Koppenberg, Tel. (02303) 255147; Uta Marx, Tel. (0174) 9365660; Mail: hospizdienst.unna@web.de
  • Palliativstation am Katharinen-Hospital: Bernadette Stock, Tel. (02303) 1003800 (Palliativstation); Mail: b.stock@katharinen-hospital.de
  • Stationäres Hospiz Unna: Marion Eichhorn (Leitung Hospiz), Tel. (02303) 986600; Mail: m.eichhorn@heilig-geist-hospiz.de

Wer Interesse hat und den Vorbereitungskurs besuchen möchte, wird vorher zu einem persönlichem Gespräch gebeten. Dabei wird es um bisherige Erfahrungen mit den Themen Sterben, Tod und Trauer gehen, die eigenen Beweggründe sowie um Erwartungen und Befürchtungen.

Das Gespräch ist auch eine gute Möglichkeit, Fragen zu stellen und weitere Infos über den Bereich, in dem man tätig sein möchte, zu bekommen. Denn der Kurs befähigt zur ehrenamtlichen Arbeit beim stationären Hospiz in Unna, auf der Palliativstation des Katharinen-Hospitals oder eben beim ambulanten Hospizdienst in Kamen oder in Unna.

Der Kurs verpflichtet nicht zum Ehrenamt

An den Kurs sind keine Verpflichtungen gebunden, das anschließende Ehrenamt in einer der genannten Institutionen ist komplett freiwillig.

Besonders interessierte Männer sind willkommen, da erfahrungsgemäß mehr Frauen den Kurs besuchen. Junge und ältere Menschen können gleichermaßen teilnehmen.

„Man hat sich immer gefreut, dahinzugehen. Wir waren auch eine nette Truppe“, sagt die Ehrenamtlerin Meschede, die damals über die Zeitung von dieser Arbeit erfahren hat. „Wir haben da viel gelacht, es sind aber auch Tränen geflossen.“

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