Stellplätze aus dem Fördertopf: Die Allgemeinheit zahlt für die vermeintliche Lücke im System

dzKommentar

Ein neuer Fördertopf, aus dem Lkw-Stellplätze finanziert werden sollen, ist ein Zeichen, dass Verbesserungen gewollt sind. Doch eine Frage sei erlaubt: Warum zahlt dafür die Allgemeinheit?

Kamen

, 23.07.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während die Logistik auch in Corona-Zeiten ordentlich brummt, weil der Online-Markt in Zeiten des Lockdowns noch einmal zugelegt hat, ist das Bewusstsein dafür gewachsen, dass auch die Lkw-Fahrer Beifall verdienen. Nicht nur, weil durch sie leer gefegte Regale mit Klopapier wieder aufgefüllt wurden.

Indes: Nur durch Beifall verbessert sich nichts an der teilweise miesen Situation. Permanenter Zeitdruck, überfüllte Lkw-Stellplätze, ständig im Suchmodus, falls eine Pause ansteht, auf die manche sogar ganz verzichten, wie eine jüngste Polizeikontrolle an der A2 ergab. Mit 1660 Kilometern von Spanien aus ohne Pause in die Kontrolle? Der aufgedeckte Fall, wohl nur die Spitze des rollenden Eisbergs.

Verbesserungen sind in Sicht

Verbesserungen sind in Sicht. Durch das jetzt beschlossene Mobilitätspaket der Europäischen Union, das sogenannte „Mobility-Package“. Transportdienstleistungen innerhalb eines Landes durch ein ausländisches Verkehrsunternehmen sind darin strenger geregelt. Rückkehrpflicht, Kabinenschlafverbot am Wochenende sind weitere Stichpunkte, die Verbesserungen bringen sollen, durchaus aber auch kontrovers diskutiert werden. Denn manch eine Fahrerkabine, so sagte ein Lkw-Fahrer im Gespräch mit unserer Redaktion, sei ordentlicher als manch ein versifftes Billig-Hotel.

Naturfreunde sind hartnäckig am Ball geblieben

Das Kamener Kreuz ist zwar eine tragende Achse des Warenflusses durch die EU. Die EU ist aber weit weg. Nah sind aber die Probleme. Probleme, die die Naturfreunde aus Heeren sichtbarer gemacht haben, weil sie hartnäckig am Ball geblieben sind.

Sie konfrontieren die örtlichen Logistiker mit unangenehmen Fragen. Handeln sie verantwortungsvoll genug, wenn sie die Fahrer aus allen Herren Länder, besser: alle Länder in Heeren, vor den Firmentoren lagern lassen?

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Rechtzeitig Auflagen für Lkw-Stellplätze festzurren

Die WFG setzt sich ein, unbestritten. Doch die Macht der Wirtschaftsförderer ist begrenzt, wenn Grundstücke erst einmal vermarktet sind. Dann sind auch sie Bittsteller, die nicht mehr als auf das Prinzip Hoffnung setzen können. Deswegen wichtig: bei künftiger Vermarktung, wie jetzt im Interkommunalen Gewerbegebiet Unna-Kamen, rechtzeitig Auflagen für Lkw-Stellplätze festzurren. Denn nur Gewinne herauszuziehen und Probleme auf die Allgemeinheit abzuwälzen mit einem Discount-Geschäftsmodell mit Billig-Fahrern, die Billig-Produkte durch die Welt kutschieren, ist nicht tolerabel.

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Gesellschaftliches Zeichen, dass Verbesserungen gewollt sind

Dass jetzt ein Fördertopf gefüllt wird, damit Firmen ermuntert werden, Stellplätze für ihre Fahrer zu bauen, ist durchaus ein Fortschritt und ein gesellschaftliches Zeichen, dass Verbesserungen gewollt sind. Die Allgemeinheit zahlt für eine vermeintliche Lücke im System. Eine berechtigte Frage könnte aber auch sein: Warum finanzieren das die Firmen nicht selbst?

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