Stellenabbau bei Vahle: „Von Namen sind wir noch ganz weit weg“

dzWirtschaft in Kamen

Erste Gesprächsrunde bei der Firma Vahle, die bis zu 100 Stellen abbauen will. Ziel: ein sozialverträglicher Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen. „Ob das gelingen wird, steht noch nicht fest.“

Kamen

, 04.06.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Erste Runde zwischen Arbeitnehmervertretern und Arbeitgebern zum geplanten Stellenabbau beim Technologie-Unternehmen Vahle, das mit rund 630 Beschäftigten Kamens größer Arbeitgeber ist und weltweit als Spezialist für Stromzuführungen aller Art gilt.

„Es sind noch keine Namen genannt worden – davon sind wir noch weit weg“, berichtet Betriebsratsvorsitzender Dietmar Hupe, der für den Start der Verhandlungen seinen Urlaub abbrach.

Genau wie IG-Metall-Bevollmächtigter Michael Lux, der in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Michael Niggemann die Verhandlungen führt. Lux: „Vahle ist ein Vorzeigeunternehmen in unserem Gebiet und ist in der Kommunikation gegenüber der Belegschaft immer transparent gewesen. Jetzt müssen wir gucken, wie wir das regeln, damit hier vernünftig weiter gearbeitet werden kann.“ Das Ziel: ein Arbeitsplatzabbau möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen.

„Von Namen sind wir noch weit weg.“ Vahle-Betriebsratsvorsitzender Dietmar Hupe geht mit dem Ziel in die Verhandlungen, dass möglichst keine oder wenige betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden müssen.

„Von Namen sind wir noch weit weg.“ Vahle-Betriebsratsvorsitzender Dietmar Hupe geht mit dem Ziel in die Verhandlungen, dass möglichst keine oder wenige betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden müssen. © Stefan Milk

Bisher zwei weitere Verhandlungstermine vereinbart

Beim ersten Treffen setzten sich die drei Arbeitnehmervertreter mit Vahle-Geschäftsführer Achim Dries und Prof. Dr. Volker Verch, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Westfalen-Mitte, an einen Tisch.

Thema: die aktuellen Wirtschaftsdaten, die Lohnsumme, die eingespart werden soll, und Prognosen fürs laufende und kommende Jahr: „Mit rückwirkenden Auftragseingängen durch die Corona-Krise und auch durch den Strukturwandel beispielsweise in der Autoindustrie, der lange absehbar war“, wie Lux erläutert. Datenlage und Zahlenwerk werden nun von IG Metall-Vertretern und Betriebsrat bis zum nächsten Treffen in der kommenden Woche sorgfältig analysiert. „Wir haben bisher zwei weitere Termine vereinbart“, so Lux. „Wir hoffen, dass es ein Arbeitsplatzabbau ohne soziale Härten wird. Ob das gelingt, das wissen wir nicht.“

Achim Dries hat vorige Woche den geplanten Abbau von bis zu 100 Stellen beim Kamener Technologie-Unternehmen Vahle angekündigt. Die Corona-Krise hätte geplante Umstrukturierungen „brandbeschleunigt“.

Achim Dries hat vorige Woche den geplanten Abbau von bis zu 100 Stellen beim Kamener Technologie-Unternehmen Vahle angekündigt. Die Corona-Krise hätte geplante Umstrukturierungen „brandbeschleunigt“. © Stefan Milk

Vom Freiwilligenprogramm bis zum rentennahen Aussteig

Die Stimmung im Betrieb, so Hupe, sei zurzeit nicht einfach zu beschreiben. Nach wie vor befinden sich zahlreiche Mitarbeiter, 280 an der Zahl, im Home-Office. „Da trifft man sich nicht auf dem Flur, um mal eben zu quatschen.“

Freilich sei festzustellen, dass der drohende Arbeitsplatzverlust den einen oder anderen belaste. „Klar, da versucht man jetzt alles, dass man nicht groß auffällt.“

Wie sich das Unternehmen für die Zukunft aufstellen wird, sei bei dem Treffen mit einem Organigramm beschrieben worden. „Man konnte die straffere Struktur erkennen“, so Hupe.

Erst in der nächsten Woche aber soll konkretisiert werden, in welchen Bereichen der Stellenabbau vollzogen werden soll. Möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen über ein Freiwilligenprogramm (sprich: Abfindung), eine mögliche Transfergesellschaft oder den rentennahen Ausstieg.

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Betriebsrat: Die Firma muss handlungsfähig bleiben

Nicht nur den Arbeitsplatzabau sozialverträglich organisieren, sondern auch den Betrieb handlungsfähig erhalten. Auch das ist ein Aspekt, der den Betriebsratsvorsitzenden umtreibt. Egal ob Lagerist, Facharbeiter, Sachbearbeiter und Kräfte in Entwicklung und Forschung. „Wir haben alles hier im Hause und nichts ausgesourct.“ Weil es so viele Arbeitsbereiche betreffe, sei ein Stellenabbau schwieriger, als wenn es um 500 Arbeiter ginge, die alle das gleiche machen.

Ein Freiwilligenprogramm nütze nichts, wenn dann eine Abteilung nicht mehr arbeitsfähig sei. „So liegt noch viel im Nebel, jetzt müssen wir gucken, dass wir Fleisch dran kriegen.“

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Ein „bitterer Schritt, der nicht mehr aufzuschieben ist“

Vahle-Geschäftsführer Achim Dries hatte den Stellenabbau gegenüber unserer Redaktion als „bitteren Schritt“ bezeichnet, der jetzt nicht mehr aufzuschieben sei. Die Corona-Krise habe eine geplante Umstrukturierung deutlich beschleunigt. Betroffen von den Plänen sind jene 630 Mitarbeiter, die hauptsächlich in Kamen, dazu in der Betriebsstätte Dortmund-Brackel und in Vertriebsbüros beispielsweise in München und Berlin arbeiten.

Der Standort in Dortmund-Brackel soll in den nächsten zwei Jahren aufgegeben werden. Die 140 Mitarbeiter, die in den Vertriebsniederlassungen im Ausland wie USA und Brasilien arbeiten, sind von dem Arbeitsplatzabbau ausgeschlossen.

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Gespräch in vernünftigem und sachlichem Klima

Das erste Gespräch sei in einem vernünftigen und sachlichen Klima verlaufen. „Für uns ist das eine völlig neue Situation. Auch für den Arbeitgeber ist es Neuland, weil wir das hier noch nie hatten. Deswegen müssen wir uns gut beraten lassen, sonst kann man viel Blödsinn machen“, mahnt Hupe.

Es sei für alle wichtig, dass die Firma nicht in Schieflage gerate. „Es sollen so wenig wie möglich Leute gehen. Aber es ist auch wichtig, wenn am Ende möglichst viele einen sicheren Arbeitsplatz haben.“

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