Stellenabbau bei Vahle: Angebote und Zeitplan auf dem Tisch – „Ab jetzt wird verhandelt“

dzWirtschaft in Kamen

Erste Angebote und ein Zeitplan, bis wann der Stellenabbau vollzogen sein soll. Nach der vierten Gesprächsrunde um den Jobabbau bei Vahle geht es nun in eine wichtige Phase.

Kamen

, 03.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Bisher war es eher ein Informationsaustausch. Ab jetzt wird verhandelt.“ Nach den ersten vier Treffen mit Vahle-Chef Achim Dries gehen die Gespräche über den Arbeitsplatzabbau um bis zu 100 Stellen in eine wichtige Phase. Neu: Bis zum 31. Dezember 2021 soll die Umstrukturierung des Unternehmens abgeschlossen sein. Dann will der weltweit agierende Spezialist für Stromzuführungen statt mit zurzeit ca. 770 Mitarbeitern nur noch mit ca. 670 Kräften auf dem hart umkämpften Technologie-Markt agieren.

Der Kamener Vahle-Standort hat in den vergangenen Jahren viele positive Schlagzeilen geliefert, wie bei der Eröffnung des hochmodernen Kleinteilelagers. Jetzt geht es um den Abbau von Arbeitsplätzen, weil die Corona-Krise schon zuvor entwickelte Umstruktierungspläne beschleunigt hat.

Der Kamener Vahle-Standort hat in den vergangenen Jahren viele positive Schlagzeilen geliefert, wie bei der Eröffnung des hochmodernen Kleinteilelagers. Jetzt geht es um den Abbau von Arbeitsplätzen, weil die Corona-Krise schon zuvor entwickelte Umstruktierungspläne beschleunigt hat. © Marcel Drawe

Erstangebote liegen auf dem Verhandlungstisch

Betriebsratsvorsitzender Dietmar Hupe hat die ersten Angebote, was an jene gezahlt wird, die das Unternehmen freiwillig verlassen, auf dem Tisch liegen. „Man kann nicht sagen, dass diese Angebote sittenwidrig sind. Aber wir haben das Gefühl, da geht noch was.“ Bei der vierten Verhandlungsrunde zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern bei dem Spezialisten für Stromzuführungen ist nun deutlich geworden, welche Bereiche betroffen sind und wie viele Stellen wo gestrichen werden sollen. Details dazu werden vertraulich behandelt und sollen solange hinter den Türen des Besprechungszimmers bleiben, bis Vollzug gemeldet wird. Nächste Woche könnte das schon sein.

Ziel weiterhin: Keine betriebsbedingten Kündigungen

Das sogenannte Freiwilligenprogramm ist einer von vier Bausteinen, um betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. „Das ist nach wie vor unser aller Ziel“, so Hupe. Die drei weiteren Bausteine bilden eine Transfergesellschaft, rentennahes Ausscheiden und mögliche Qualifizierungsmaßnahmen, mit denen Mitarbeiter für das Unternehmen wertvoller und unverzichtbarer werden. „Es gibt in allen Bereichen noch Stellschrauben, die gezogen werden können“, so Hupe. „Jetzt beginnen die Verhandlungen erst richtig.“

Bei der Eröffnung des Vahle-Ausbildungszentrums hatte sich jüngst auch Bürgermeisterin Elke Kappen von der modernen Betriebsstätte ein Bild verschafft. Die Ausbildung ist vom geplanten Stellenabbau nicht betroffen. Zum neuen Ausbildungsjahr werden über ein Dutzend neue Azubis bei Vahle anfangen.

Bei der Eröffnung des Vahle-Ausbildungszentrums hatte sich jüngst auch Bürgermeisterin Elke Kappen von der modernen Betriebsstätte ein Bild verschafft. Die Ausbildung ist vom geplanten Stellenabbau nicht betroffen. Zum neuen Ausbildungsjahr werden über ein Dutzend neue Azubis bei Vahle anfangen. © Marcel Drawe

Name der Transfergesellschafts-Trägers ist auf dem Tisch

Der Namen des Trägers einer möglichen Transfergesellschaft ist ebenso auf dem Tisch. „Ein nicht unbekanntes Unternehmen, das auch unter Gewerkschaften als seriös, zumindest nicht als unseriös gilt“, so Hupe, ohne einen Namen zu nennen. Beim Transfergesellschafts-Modell würden betroffene Kollegen den Arbeitgeber wechseln. Nach Kündigung bei Vahle würden sie in einer neuen Gesellschaft, deren Name dann festgelegt wird, zwölf Monate lang Transfer-Kurzarbeitergeld erhalten, das von der Firma auf etwa 85 Prozent des bisherigen Gehalts aufgestockt werden kann. Die Gesellschaft würde über Qualifizierungsmaßnahmen versuchen, in neue Jobs zu vermitteln. Nach zwölf Monaten setzt dann die Arbeitslosigkeit ein.

Auf der Suche nach einem Besprechungsraum

Der Kampf um die Stellen bei Vahle zieht bereits weitere Kreise. So hat sich die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (Afa) im SPD-Unterbezirk Unna eingeschaltet und Unterstützung angeboten. Kontakte gibt es auch zu Bürgermeisterin Elke Kappen und zur Arbeiterwohlfahrt, um einen Raum zu organisieren, in dem sich der Betriebsrat in Zeiten von Corona besprechen kann, ohne auf digitale Plattformen zurückgreifen zu müssen. „Man muss sich auch mal in Ruhe zusammensetzen können“, so Hupe.

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Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt prognostiziert

Letztlich, so Hupe, müsse bei dem geplanten Stellenabbau für jeden Einzelnen, der gehen soll, stichhaltige Begründungen geliefert werden, warum das notwendig ist. Auch wenn in Zeiten von Corona der vielzitierte Fachkräftemangel nicht so stark ausgeprägt ist wie zu wirtschaftlichen Boom-Zeiten: Hupe ist überzeugt, dass viele Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben. „Wir reden hier nicht über 100 Hilfsarbeiter. Es geht um Facharbeiter, Sachbearbeiter und Techniker, die sofort einen Job finden könnten. Für den Arbeitsmarkt wären das einige Interessante.“

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