Landtagswahl 2022

Statt Rüdiger Weiß (SPD): Diese Kandidaten wollen in den Landtag

Wer kandidiert statt des zurückgetretenen Rüdiger Weiß für den Landtag? Die SPD in Bönen schickt eine Hochschuldozentin ins parteiinterne Rennen, die SPD in Hamm-Herringen einen Ex-Umweltamtsleiter.
Aus Hamm und Bönen kommen die ersten Kandidatenvorschläge für die Landtagskandidatur im sogenannten Mittelkreis. © picture alliance/dpa

Der Wettbewerb der Sozialdemokraten für ihre Wahl des Landtagskandidaten im Mittelkreis ist eröffnet. Zwei Bewerber für die Unterbezirksdelegiertenkonferenz am 10. November in Kamen sind gesetzt: Silvia Gosewinkel (35) hat der Gemeindeverband Bönen am Mittwochabend zu seiner Favoritin gekürt, zeitgleich hat der Vorstand der Genossen in Hamm-Herringen Dr. Oliver Schmidt-Formann (52) ins Rennen geschickt.

Nur Bergkamen sucht noch Bewerber

Damit haben zwei der vier Ortsverbände im Wahlkreis 117 (Bönen, Bergkamen, Kamen und Herringen) vorgelegt. Tritt noch wer an? Aus Kamen kam bereits eine Absage durch den Stadtverbandsvorsitzenden Denis Aschhoff.

Die Bergkamener Parteifreunde suchen nach den Worten des Stadtverbandsvorsitzenden André Rocholl noch Bewerber. Hinter vorgehaltener Hand werden zwei oder drei Namen genannt, man tourt gerade durch die Ortsvereine. Das lässt wen Drittes im Tableau erwarten.

Alle Bewerber sollen sich den Delegierten einmal gemeinsam präsentieren, bevor im November die Wahl erfolgt. Teile der SPD hätten es lieber gesehen, wenn die vier eine interne Bewerberrunde organisiert hätten, um dann mit einem gemeinsamen Vorschlag raus zu gehen. So hat es die CDU bei der Nominierung von Torsten Goetz aus Bönen gemacht.

Nun bietet sich das Bild vom Aufstand der Kleinen an. Nicht zuletzt genährt dadurch, dass der neue Bönener Gemeindeverbandsvorsitzende Thomas Semmelmann bis neulich noch Bergkamener Genosse war – und mit den alten Parteifreunden im Argen.

Entscheidung liegt bei 39 Delegierten

39 SPD-Vertreter werden entscheiden, wer in dem rot-dominierten Wahlkreis aufs Plakat kommt. Die Herringer haben vier Delegierte, die Bönener sechs. Bergkamen kommt auf 16 Delegierte, die Kamener auf 13. Ohne Allianzen ist da nichts zu holen, falls die Bergkamener in ihrem Selbstverständnis als größter Verband aus ihren Reihen die Nachfolge ihres im Briefkopf-Eklat zurückgetretenen Mitglieds Rüdiger Weiß gestalten wollen.

Silvia Gosewinkel (Mitte) wurde vom SPD-Gemeindeverband Bönen am Mittwochabend für eine Landtagskandidatur vorgeschlagen. © Bernd Kröger © Bernd Kröger

Gosewinkel ist Hochschulmitarbeiterin

Auf eine mitreißende Rede von Silvia Gosewinkel können die Entscheider sich schon einmal einstellen. Wenn sie jedenfalls wiederholt, was die eigene Familie am Mittwochabend im Förderturm zu stehendem Applaus hingerissen hat. „Ich bin die Silvia, und komme aus Bönen“, war ihr rhetorisches Leitmotiv für ihre muntere Vorstellung als Kind der Region, das in der Republik herum gekommen ist, dem Ruf der Heimat folgte und diese mitgestalten will.

„Sprechen ist meine Profession“, schlug die 35-Jährige den Bogen von ihrem Beruf als Logopädin zu den kommunikativen Anforderungen der Politik. „Sprechen können heißt auch zuhören und Sorgen ernst nehmen“, so Gosewinkel. Sie sprach ihre Rolle als Vorsitzende des Bönener Schulausschusses an, erklärte so die Bildungspolitik zu einem Schwerpunkt und will sich, da sie mittlerweile Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule für Gesundheit in Essen ist, in der Gesundheitspolitik umtun.

Bönener SPD-Chef: Transparente Entscheidung

Dafür gab’s von den 21 Delegierten der Ortsvereine Applaus, 20 Ja-Stimmen, eine Enthaltung und Blumen vom strahlenden Vorsitzenden. „Wir sind selbstbewusst genug, um in unseren Gemeindeverband hineinzuhorchen und zu fragen, wer bereit ist, sich auf die Arbeit Landtag einzulassen“, hatte er die Bönener eingangs auf die Eröffnung des Wettbewerbs eingestimmt. „Ich finde, das ist der bessere Weg“, sagte Semmelmann abschließend auf die Frage nach den Bedenken im Unterbezirk ob der Gefahr der persönlichen Beschädigung unterlegener Bewerber im eigenen Lager. „So ist die Entscheidung doch offen transparent.“

Dr. Oliver Schmidt-Formann wurde per Vorstandbeschluss der SPD Hamm-Herringen als Kandidat vorgeschlagen. © Archiv © Archiv

Schmidt-Formann leitete Umweltamt in Hamm

Oliver Schmidt-Formann wird sich ebenfalls bewerben, wie die SPD Herringen nach der Nominierung durch den Vorstand bekannt gab. Der Diplom-Landschaftsökologe arbeitet laut einer Mitteilung seit 20 Jahren in der Verwaltung der Stadt Hamm und leitet dort seit 2018 das Umweltamt. Mit den von der EU geförderten Großprojekten Life und Life+ in der Lippeaue habe er sich überregional einen Namen gemacht. Aktuell werde das von seiner Handschrift gezeichnete Projekt „Erlebensraum Lippeaue“ im Herzen der Stadt umgesetzt. Mit den Klimaschutzbemühungen der Stadt Hamm sei der Umweltamtschef zum Geschäftsführer der „Klimaschutz und Energie Hamm gGmbH“ berufen worden.

Der 52-Jährige ist in Hamm geboren und lebt in Bockum-Hövel. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach dem Abitur am Freiherr-vom-Stein Gymnasium studierte er an der Universität in Münster. 2014 schloss er seine naturwissenschaftliche Promotion ab.

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