Statiker klopfen Schule ab: Damit schwere Platten nicht fallen

dzGutachter an der Konzertaula

Nicht auf Holz geklopft, sondern auf Waschbeton: Gutachter überprüfen die Fassade des Gymnasiums auf Schäden. Bei der Schwere der Platten mit dem 70er-Jahre-Charme ist Genauigkeit gefragt.

Kamen

, 29.07.2019, 11:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis auf die Bühne der Konzertaula dringen die Klopfgeräusche. Dort ist glücklicherweise gerade Sommerpause, sodass weder Schüler noch Konzertbesucher gestört werden. Gutachter klopfen im Auftrag der Stadt Kamen die Fassade des Schulgebäudes des Gymnasiums Kamen ab, zu dem die Konzertaula gehört. Mit einem Hubsteiger arbeiten sie in ca. 15 Metern Höhe, um die schweren Waschbetonplatten zu überprüfen. Die Optik stammt aus den 60er-Jahren, als die akustisch als vorbildlich geltende Veranstaltungsbühne gebaut wurde. „Die Untersuchung erfolgt turnusmäßig im Abstand von jeweils zwei Jahren“, erläutert Stadtsprecher Peter Büttner auf Anfrage der Redaktion. „Da die Fassade schon ein ordentliches Alter erreicht hat, gilt es auszuschließen, dass von ihr Gefahr ausgeht.“ Das Ergebnis der Untersuchung liegt noch nicht vor.

Statiker klopfen Schule ab: Damit schwere Platten nicht fallen

Mit einer Arbeitsbühne geht es hoch hinauf. Waschbeton galt in den 60er- und 70er-Jahren als schick. © Stefan Milk

Hoch oben auf der Arbeitsbühne

Der Sachverständige mit dem Spezialgebiet „Gebäudesicherheit“ geht auf der Arbeitsbühne, die sich ca. 30 Meter hoch ausfahren lässt, fast Quadratzentimeter für Quadratzentimeter vor. Während er klopft, kann er über den Klang feststellen, ob sich die Platten gelockert haben oder nicht. Die Waschbeton-Optik galt vor 50 Jahren als schick. Fast war sie außen so oft zu sehen, wie Raufasertapeten auf den Innenwänden der Ruhrpott-Wohnungen. Aus dem Stadtbild auch anderer Städte ist der Kieselwandteppich, der ganze Fassaden verhangen hat, nunmehr weitgehend verschwunden. Beim Waschbeton ist die markante Gesteinskörnung durch eine spezielle Oberflächenbehandlung freigelegt worden. Unmittelbar nach dem Pressen wird die Oberfläche mit einem Hochdruckwasserstrahl bearbeitet.

Statiker klopfen Schule ab: Damit schwere Platten nicht fallen

Auf der Arbeitsbühne haben die Gutachter die Möglichkeit, alle Stellen der Waschbetonfassade zu erreichen. © Stefan Milk

Waschbeton ein Relikt aus den 60ern und 70ern

Waschbeton wurde überwiegend in den 1960er und 1970er Jahren in der Architektur eingesetzt, zum Beispiel bei Fassaden im Fertigteilbau, Außentreppen, Gehwegplatten oder großen Pflanzkübeln. Bei Treppen und Gehwegen wurden durch Waschbeton auch Verbesserungen der Rutschsicherheit erreicht. An der Konzertaula und Teilen der Schulfassade sind die Platten mehrere Quadratmeter groß. Leiden können sie beispielsweise durch Witterung und Schadstoffe in der Luft. Durch sogenannte Chlorideinwirkung (Salze), unter denen Betonbauwerke wie Tiefgaragen und Parkhäuser durch Streusalz geschädigt werden, sind derlei Fassaden in der Regel naturgemäß nicht betroffen, dafür kann es Schäden an der tragenden Stahlbewehrung geben, weil sie durch Abplatzungen an der Kieseloberfläche freigelegt und der Witterung ausgesetzt werden kann. Derlei Mängel sind bei bisherigen Untersuchungen an der Konzertaula nicht festgestellt worden.

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