Die 3M-Halle hat noch keinen Boden, weil auf diese Weise von unten der Dachausbau über schwere Hubsteiger geleistet werden kann. Die Stahlkonstruktion aus blauen Fachwerksträgern hat eine Stabilität wie eine Eisenbahnbrücke. © 3M
Wirtschaft in Kamen

Stabil wie eine Eisenbahnbrücke: 3M fertigt Medizinprodukte unter neuem Dach

Im Schatten der A1 entsteht auf dem Betriebsgelände von 3M eine gigantische Halle. Dort soll ab Mitte des Jahres eine neue Produktionsanlage für medizinische Produkte in Betrieb gehen.

Die neue 3M-Halle, in der künftig Verbände und Pflaster für die Wundversorgung in Krankenhäusern weltweit gefertigt werden, ist noch bodenlos, obwohl sich die Halle schon zehn Meter hoch streckt – mit einem wuchtigen Dach aus interessanter Stahlträger-Geometrie in blauem Fachwerk.

„Die Bodenplatte wird erst gelegt, wenn das Gebäude fertig ist“, erläutert Jens Milde, Leiter des Kamener 3M-Werks, das auf dem Betriebsgelände in Höhe der A1 eine weitere Produktionshalle baut. „Das liegt daran, dass der Beton des Bodens eine hohe Güte haben muss. Wenn es darauf regnet, könnte er Schaden nehmen.“

Der Instandhaltungsweg auf dem Dach der 3M-Halle ist durch das umgedreht „V“ zu betreten. Die Metallfußböden sind dort noch nicht gelegt.
Der Instandhaltungsweg auf dem Dach der 3M-Halle ist durch das umgedreht „V“ zu betreten. Die Metallfußböden sind dort noch nicht gelegt. © 3M © 3M

Wände aus Betonelementen und Sandwichpaneelen aus Stahl

Dass die Halle noch keinen Boden hat, fällt bei der Draufsicht überhaupt nicht auf. Die Halle mit Wänden aus Betonelementen und Sandwichpaneelen aus Stahl soll im Sommer fertig sein, damit die Maschinen aufgestellt werden können.

Der Multitechnologiekonzern investiert samt Produktionsanlagen 70 Millionen Euro in das Neubauprojekt, das auch neue Arbeitsplätze beschert. Die Stellenzahl soll bei sukzessiv steigernder Auslastung der Anlage von jetzt 440 auf 500 gesteigert werden.

Auf dem Dach, dem sogenannten Obergurt der Hallendachs, steht schon die Stahlkonstruktion für die Lüftungsanlage.
Auf dem Dach, dem sogenannten Obergurt der Hallendachs, steht schon die Stahlkonstruktion für die Lüftungsanlage. © 3M © 3M

Das Dach ist stabil wie eine Eisenbahnbrücke

Ausgeklügelt ist die Stahlkonstruktion aus blauen Fachwerksträgern, die in V-Form angeordnet sind. „Sie sind platzsparend und haben dazu eine Stabilität wie eine Eisenbahnbrücke“, berichtet Jörn Stute, Leiter der Medizinproduktfertigung. Das Dach selbst ist noch einmal in zwei Etagen unterteilt – um dort Instandhaltungswege für die Strom- und Wasserversorgung vorzuhalten und Zuwege zur Lüftungsanlage zu haben, die oben auf dem Dach aufgesattelt wird – ähnlich, wie das auf großen Verwaltungsgebäuden üblich ist. Das mit Riffelblech verschalte Dach ist mit 24 Zentimeter starken Styroporblöcken gedämmt und komplett begehbar.

Der Richtkranz, mannshoch, schwebt über die gigantischen Halle.
Der Richtkranz, mannshoch, schwebt über die gigantischen Halle. © 3M © 3M

Reguläres Richtfest war nicht möglich

Den Bau der neuen Halle meistern die Kräfte der Lingener Firma „Mainka Bau“ laut Aussage von Werksleiter Milde auf vorbildliche Weise. Er bedauert, dass unter den jetzigen Corona-Einschränkungen kein reguläres Richtfest gefeiert werden konnte.

„Wir haben dennoch versucht, der Tradition gerecht zu werden und haben Lunchpakete zum Frühstück geliefert und ein Präsent als Dankeschön.“ Man könne nachvollziehen, wie es ist, im Sommer bei mehr als 30 Grad unter Maske und Helm zu schwitzen und jetzt im Winter die Stahlträger, die eiseskalt seien, mit Schrauben zu verbinden. Trotz der Pandemie befinde sich, so Milde, das Projekt im Zeitplan.

Die Hallenwand des neuen 3M-Gebäudes besteht aus Brandschutzelementen aus Beton und Sandwichpaneelen aus Stahl, die davor gesetzt werden.
Die Hallenwand des neuen 3M-Gebäudes besteht aus Brandschutzelementen aus Beton und Sandwichpaneelen aus Stahl, die davor gesetzt werden. © 3M © 3M

85 Prozent der Kamener 3M-Produkte im Bereich Medizin

Das Projekt ist Teil einer langfristigen Expansionsstrategie: Mit der neuen Halle schafft das 3M-Werk auf einer Fläche von 3.000 Quadratmetern zusätzliche Produktionskapazitäten für die Herstellung von Transparentverbänden. Zurzeit entfallen gut 85 Prozent der Fertigung im Werk auf Medizinprodukte. Da dieser Markt stetig wächst und das vor allem in Corona-Zeiten, sei der Ausbau der Produktion am Standort Kamen, so Milde, „ein folgerichtiger Schritt“.

Die normal großen Fenster der 3M-Halle, die Licht ins Gebäude bringen, wirken im Angesicht der hohen Wände, winzig.
Die normal großen Fenster der 3M-Halle, die Licht ins Gebäude bringen, wirken im Angesicht der hohen Wände, winzig. © 3M © 3M

Einbau der ersten Maschinen im Sommer

Im Sommer kommenden Jahres soll der Bau der neuen Halle abgeschlossen sein. Dann folgt der Einbau der ersten Maschinen, die Qualifizierung sowie die Freigabe für die Medizinprodukte-Fertigung mit ihren besonderen Anforderungen. Das Wachstum von 3M war zuletzt auch an der 6.000 Quadratmeter großen Halle 4 abzulesen, ein Mega-Invest von 120 Millionen Euro.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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