Ein Zelt für die Pfadfinder, Defibrillatoren fürs DRK, Geld für Projekte von „Pro Mensch“ und des Schützenvereins. Viele Wünsche Kamener Bürger werden wahr. Der neue Geldtopf macht‘s möglich.

Kamen

, 22.01.2020, 11:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Sprechen wir über Geld.“ So steht es in großen Lettern auf der Leinwand, die im Ratssaal im Rathaus ausgerollt ist. In Summe sind es 21.000 Euro, die aus einem neuen Geldtopf für die Ideen der Bürger aus Kamen-Mitte zur Verfügung stehen. Schon in diesem Jahr.

Nachdem am Montag in Südkamen der Aufschlag für den sogenannten Bürgerhaushalt in Südkamen gemacht wurde, folgte am Dienstag eine Veranstaltung in der Stadthalle für die Bürger aus dem Zentrum - etwa 50 Bürger nahmen daran teil. Für ganz Kamen stehen 45.000 Euro für Projekte zur Verfügung, die aus den Reihen der Bürgerschaft angeregt werden.

Die Projekte sollen keine Folgekosten verursachen

„21.000 Euro. Es stimmt. Das ist nicht viel“, so Bürgermeisterin Elke Kappen, als sie am Abend die Veranstaltung einleitete. Nicht viel, aber doch etwas - im Angesicht dessen, dass sich die Stadt Kamen noch mindestens zwei Jahre lang in der Haushaltssicherung befindet.

Und so sollen Ideen verwirklicht werden, die in diesem Jahr umsetzbar sind, in die Zuständigkeit der Stadt Kamen fallen und keine Folgekosten verursachen. „Es gibt beispielsweise Straßen, wie Landes- und Bundesstraßen, die nicht in unsere Zuständigkeit fallen“, erläuterte Kämmerer Ralf Tost, der den Besuchern wie tags zuvor in Südkamen einen Überblick über die städtische Finanzlage gab.

„Sprechen wir über Geld“ – das sind die Wünsche der Kamener Bürger

Gegen die Trockenheit der Straßenbäume wirkte im vorigen Sommer die Kamener Feuerwehr. Bürger regten an, im Sommer mehr für die Stadtbäume zu tun. © Stefan Milk

Gießpatenschaften in Zeiten trockener Sommer

„Viele Ideen können sich gegenseitig inspirieren“, so Moderator Werner Wiggermann, der durch den Abend führte. Mit dieser Erkenntnis aus dem Vorabend in Südkamen ging es in Vorschlagsrunde. Dieter Dössereck startete mit dem Wunsch, bei großer Trockenheit im Sommer mehr an die Stadtbäume zu denken. „Ein Vorschlag, der auch nichts kostet.“ Zahlreiche Bäume in der Stadtmitte wären im trockenen Sommer voriges Jahr fast vertrocknet.

Außerdem sein Anliegen in Zeiten des Klimawandels: „Bäume pflanzen, Bäume pflanzen! Das würde das Stadtklima verbessern!“ Seine Vorschläge wurden aufgenommen: Die Stadt will künftig mehr für Gießpatenschaften werben, Kostenpunkt: 200 Euro.

„Sprechen wir über Geld“ – das sind die Wünsche der Kamener Bürger

Daniela Tietz war mehrmals einige Wochen vor Ort, um als Flüchtlingshelferin auf Lesbos zu helfen. Ihre Beobachtungen, die sie mit Videos aufzeichnete, soll zu einem Dokumentarfilm verarbeitet werden - in einem Ferienprojekt mit Kamener Schulen. © Stefan Milk

Ferienprojekt der Initiative „Pro Mensch“

Bilitis Naujoks von der Initiative „Pro Mensch“ regte ein Ferienprojekt an, das in Zusammenarbeit mit den örtlichen Schulen verwirklicht werden soll. Entstehen soll ein professionell gemachter Dokumentarfilm über die Situation auf der griechischen Insel Lesbos, auf der sich die Kamener Flüchtlingshelferin Daniela Tietz engagierte und das Leid miterlebte.

Etwa 3000 Euro benötigt der Verein, der mit dem Vorhaben die Medienkompetenz der Schüler fördern will - sie sollen unter Anleitung von Tietz aufgenommene Videosequenzen zusammenschneiden, Kostenpunkt: ca. 3000 Euro.

Schützenverein Kamen will seine Geschichte digitalisieren

Ebenso dokumentarisch, nur anders gelagert, will der Schützenverein Kamen im 200. Jahr seines Bestehens wirken. „Wir haben eine große Zahl an Dokumenten, die wir digitalisieren wollen, um sie den Kamenern zugänglich zu machen“, sagt Vorsitzender Christian Langhorst mit Blick auf die zwei Vereinsjahrhunderte. Für die Dokumentation, die auf der Homepage veröffentlicht werden soll, veranschlagt er 2500 bis 3000 Euro.

Mehr Licht vor der Musikschule

Gertraud Bungter-Striepens, die sich in der Musikschule engagiert, wünschte sich zusätzliche Beleuchtung auf dem Platz vor der Musikschule, weil es dort nachts sehr dunkel ist. „Es wäre wünschenswert, wenn es dort heller wird.“ Die Stadt wird prüfen, ob das möglich ist. Finanziert werden soll die neue Beleuchtung dann aus Mitteln des Stadthaushalts, um den Bürgerfonds nicht zu belasten. „Wir werden eine Rückmeldung geben, sobald der Prüfauftrag erledigt ist“, versprach Bürgermeisterin Elke Kappen.

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Fehlende Bänke, Schilder und Abfallbehälter

Weitere Vorschläge folgten zur Verbesserung der Situation im öffentlichen Raum. Da fehlt eine Bank am Eilater Weg zwischen Fritz-Erler-Straße und Werner Straße, am Galgenberg sind die Freizeitwege abends und nachts unbeleuchtet. An Ostenmauer, Weißer Straße und Güldentröge sind Abfallbehälter erwünscht, ebenso an der Seseke, wo Hundefreunde Kotbeutel kilometerweit tragen müssen, bevor sie sie loswerden können. An der Lenbachstraße, so eine Bürgerin, könnte eine Radwerkzeugstation nützlich sein, weil dort immer wieder zur Gesamtschule pendelnde Schüler mit platten Reifen Hilfe benötigten. Und Schilder, die zum Jahnstadion weisen, sind teilweise verblichen, so dass sie erneuert werden müssten, so eine Bürgerin.

Die Vorschläge müssen auf den Ortsteil bezogen sein

Moritz Bödefeld äußerte den Wunsch für ein neues Zelt, sechs Meter breit, für den Pfadfinderstamm Gralsritter. „Das benötigen wir beispielsweise für Veranstaltungen wie auf dem Weltkindertag.“ Mit etwa 2000 Euro schlägt das Zelt zu Buche. Achim Döring von der DRK-Ortsgruppe schlug vor, zusätzliche Defibrillatoren anzuschaffen und bat um Unterstützung, um die Jugendrotkreuzarbeit zu stärken.

Am Ende des Abends summierten sich die Vorschläge auf 22.400 Euro, etwas mehr als vorgesehen – es sieht aber dennoch so aus, dass alle Wünsche in Erfüllung gehen werden.

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