Mitarbeiterbeschwerden an der Sportschule Kaiserau richteten sich gegen Peter Wolf, der als Vize-Verbandspräsident vorübergehend die Leitung übernommen hatte. Nun äußern er und der Verband sich zu den Vorwürfen.

Kamen

, 14.06.2019 / Lesedauer: 4 min

„Die gegen mich erhobenen Vorwürfe sind falsch.“ So beginnt eine aktuelle persönliche Stellungnahme von Peter Wolf, frisch wiedergewählter Vize-Präsident des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen (FVLW).

Mit den Vorwürfen bezieht sich Wolf auf Mitarbeiterbeschwerden, die eine unabhängige FLVW-Beschwerdestelle im Jahr 2017 dokumentierte und die am vorigen Samstag kurz vor Wolfs Wiederwahl als Vize-Präsident öffentlich bekannt wurden.

Unter anderem war in dem internen Bericht der Beschwerdestelle von einem diktatorischen Führungsstil, zerstörtem Vertrauen und unangemessenem Verhalten am Arbeitsplatz die Rede. Die Beschwerden bezogen sich auf die Zeit, als Wolf vorübergehend die ehrenamtliche und kommissarische Leitung der Sportschule Kaiserau übernahm – infolge eines Sex- und Untreue-Skandals um den Vorgänger. Infolge der Mitarbeiterbeschwerden löste der Verband Wolf als kommissarischen Leiter der Sportschule ab.

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Persönliche Stellungnahme von Peter Wolf

In der persönlichen Stellungnahme erklärt Wolf nun: „Die gegen mich erhobenen Vorwürfe sind falsch. Ich habe zu keinem Zeitpunkt Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weder in grob willkürlicher Weise oder despektierlich behandelt. Ich habe höchsten Respekt und Wertschätzung gegenüber allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und verschließe mich nicht konstruktiver Kritik. Ich bin damals auch weder von ihnen noch vom Betriebsrat auf meine Führungsleistung angesprochen worden.“

Insgesamt 19 Beschwerden über Wolf gab es laut „Erstem Tätigkeitsbericht“ des vom Verband eingesetzten Ombudsmanns aus dem Jahr 2017. Dazu zählte auch die angebliche Äußerung Wolfs, vorgetragen von drei Hinweisgeberinnen und Hinweisgebern, dass „Frauen mit kurzen Röcken bei ihm gute Karrierechancen“ hätten. Dazu erklärt Wolf nun in der persönlichen Stellungnahme, dies habe er nie geäußert. „Diese Behauptung ist falsch.“

Sportschule Kaiserau: Vizepräsident weist Vorwürfe von Mitarbeitern zurück

Peter Wolf, Vizepräsident Finanzen des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen. © Flvw

Begrüßung per Handschlag

Der Ombudsmann dokumentierte zudem 13 bzw. 17 Beschwerden über zwei Mitarbeiterinnen, die als Wolfs Vertraute galten. Diese sind inzwischen nicht mehr beim FLVW beschäftigt. Eine der Frauen soll Wolf laut Ombudsmann-Bericht als „Schatzi“ begrüßt und umarmt haben, was Beschwerdeführer als distanzlos und deplatziert beschrieben. Wolf erklärt in der persönlichen Stellungnahme nun, er begrüße „alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf professioneller Ebene per Handschlag“.

Brisant sind die in dem Ombudsmann-Bericht dokumentierten Beschwerden deshalb, weil Wolfs Vorgänger als Leiter des Sportcentrums, Martin N. (Name geändert) wegen Mitarbeiterbeschwerden im Oktober 2016 das Haus verlassen musste. Von Wolf wurde erwartet, den Betriebsfrieden wiederherzustellen. N. war von drei Mitarbeiterinnen der sexuellen Belästigung bezichtigt worden, darunter die beiden Frauen, über die sich Kolleginnen und Kollegen im Jahr 2017 beim Ombudsmann beschwerten. Untreue-Ermittlungen gegen N. wurden inzwischen von der Staatsanwaltschaft eingestellt.


Diskriminierung jedweder Art anonym melden

Die persönliche Stellungnahme Wolfs ist Teil einer Stellungnahme des Fußball- und Leichtathletikverbands. Darin macht der Verband deutlich, dass er weiterhin auf die Finanzkompetenz von Peter Wolf in seinem Amt als Vize-Präsident Finanzen setzt. Zudem erklärt er den Umgang mit Beschwerden, die 2017 den Ombudsmann erreichten und in dem vertraulichen Bericht dokumentiert wurden.

Die Rechtsanwaltskanzlei Traut aus Wiesbaden wurde vom Verband im Juni 2017 als Ombudsmann eingesetzt, um allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu ermöglichen, Diskriminierung jedweder Art anonym melden zu können. „Dass gerade die Einrichtung einer neutralen Stelle eines Ombudsmannes durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angenommen wird, zeigte sich in diesem vertraulichen Bericht. So hat der Verband ein wichtiges Instrument, Missstände aufzuarbeiten und anonymen Hinweisen nachzugehen“, heißt es.

Sportschule Kaiserau: Vizepräsident weist Vorwürfe von Mitarbeitern zurück

Die Sportschule Kaiserau ist der Sitz des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen (FLVW), mit knapp einer Million Mitgliedern und mehr als 2000 Vereinen der zweitgrößte Landesverband des DFB. © Stefan Milk

FLVW sieht Vertrauensverhältnis nicht beeinträchtigt

Das Präsidium, der Verwaltungsrat und das Compliance-Gremium erhielten den ersten Ombudsmannbericht nach Darstellung des Verbands, um alle Sachverhalte zu prüfen und weiterzuverfolgen. Dies sei in der Präsidiumssitzung im Sommer 2017 geschehen. „Erst da hatte Herr Wolf, Vizepräsident Finanzen des FLVW, die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.“ Das Präsidium habe sich im Nachgang zu folgendem Vorgehen entschieden: „Herr Wolf – der nur kommissarisch und ehrenamtlich das SportCentrum geleitet hat – wurde im Zuge dessen von der Personalverantwortung entbunden. Das SportCentrum steht seit dem 1. Januar 2018 unter der Leitung eines externen Bewerbers. Das Vertrauensverhältnis zu Herrn Wolf in seiner Funktion als Vizepräsident Finanzen sah und sieht der FLVW nicht beeinträchtigt.“

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Verband will Ombudsmann beibehalten

Der Ombudsmannbericht mit den Beschwerden über Wolf und seine beiden damaligen Kolleginnen war im Verband zunächst nur wenigen Stellen intern bekannt. Erst kurz vor dem Verbandstag 2019, bei dem am vorigen Samstag (8. Juni) die Präsidiumsmitglieder einschließlich Wolf zur Wiederwahl standen, sickerte das brisante Papier nach außen durch. Wolf wurde zwar ungeachtet seines mutmaßlichen Fehlverhaltens wiedergewählt, erhielt aber im Gegensatz zur einstimmigen Wiederwahl seiner Präsidiumskollegen nur 72 Prozent der Stimmen – ein Denkzettel.

So viele Beschwerden wie über Wolf und seine damaligen Kolleginnen hat der Ombudsmann seitdem nicht mehr erhalten. „In den vergangenen drei Berichten seit 2017 hat es insgesamt nur eine Beschwerde über einen hauptamtlichen Mitarbeiter gegeben“, erklärt der FLVW. Dennoch werde die neutrale Stelle beibehalten.

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