Karola Kellner ist nach dem ersten Lockdown wieder gern ins Red Fitness gekommen, um sich fit zu halten. Wie sie, trauen sich immer noch viele ins Fitnessstudio. © Stefan Milk
Fitness in Kamen

Sportler fürchten Lockdown: Schließen jetzt auch Fitnessstudios?

Müssen Fitnessstudios wieder schließen? Diese Frage stellen sich Kunden wie Betreiber angesichts der steigenden Corona-Zahlen. Der Inhaber eines Kamener Fitnessstudios ist besorgt und wütend zugleich.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen schießt weiter in die Höhe und mit ihr wächst die Angst vor einem möglichen zweiten Lockdown. Am Dienstag diskutierte die Landesregierung über weitere Maßnahmen, am Mittwoch wollen sich die Ministerpräsidenten der Länder noch einmal beraten.

Vor dem Gespräch am Dienstag wurde bereits gemunkelt, dass über eine Schließung von Sport- und Freizeitangeboten in geschlossenen Räumen diskutiert werden wird. Eine Ankündigung, die den Inhaber der Fitnesskette „Red Fitness“, die auch einen Standort in Kamen hat, in Sorge versetzt – aber auch wütend macht.

Jan Rozanka stört es, dass in der Öffentlichkeit, in den (Sozialen) Medien und vonseiten der Politik vor allem Angst geschürt werde. Rozanka betont, dass er weder ein Verschwörungstheoretiker sei noch die Existenz des Virus in Frage stelle. Er selbst hält sich streng an die Corona-Auflagen und auch im Red Fitness wird genau darauf geachtet, dass Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.

Dass es Maßnahmen geben müsse, sei klar. Rozanka stört sich jedoch daran, dass das Problem dramatisiert werde und die Menschen dadurch in Angst versetzt und gestresst würden. „Das ist ein Faktor, der auch die Gesundheit beeinflusst. Ein Mensch, der in Angst und Panik lebt, ist grundsätzlich gefährdeter, zu erkranken. Denn durch Stresshormone wird das Immunsystem angreifbar.“

Eine gesunde Lebensweise als Schutz vor Corona-Symptomen

Auch psychisch gehe es an die Substanz, wenn Menschen über einen längeren Zeitraum in Angst leben, die innerlich für Stress sorgt, erklärt Rozanka und betont, dass gerade jetzt mehr auf die eigene Gesundheit geachtet werden müsse. „Die Politik müsste sagen: ,Geht raus!‘ und nicht ,Versteckt euch zu Hause!‘“, sagt der Fitness-Experte. Freilich solle man nicht auf belebte Plätze gehen.

Jan Rozanka ist Inhaber des Red Fitness in Kamen. Er ist besorgt um die Zukunft der Branche. © privat © privat

Aber statt sich mit Dosen-Ravioli zu Hause zu verschanzen, appelliert Rozanka, an die frische Luft zu gehen und das auch mal ohne Maske, um die Lungen zu lüften. „Esst gesund und macht Sport – egal in welcher Form“, so Rozanka. Eine gesunde Lebensweise biete zwar keinen 100-prozentigen Schutz, „aber es wird auf jeden Fall den Verlauf der Erkrankung mildern“, ist sich Rozanka sicher.

Das ist auch der Grund dafür, warum er hofft, dass die Fitnessstudios nicht von einem möglichen Lockdown betroffen sein werden. „Ich bin guter Dinge und großer Hoffnung, dass uns die Systemrelevanz zwar nicht zu 100 Prozent zugesprochen wird, aber dass Fitnessstudios zumindest nicht mit Freizeitanlagen gleichgestellt werden“, so Rozanka.

Auch ältere Menschen trauen sich noch ins Fitnessstudio

Dass es einige Menschen gibt, die sich dieser Tage auf ihre Gesundheit konzentrieren, zeigen die Besucherzahlen im Red Fitness. „Bis heute sind die Studios gut besucht, auch in den Vormittagsstunden, wo eher die ältere Generation trainiert. Sie nutzt das Sportangebot sehr intensiv“, so Rozanka.

Nur die Zahl der Neuanmeldungen sei deutlich zurückgegangen, weil offensichtlich doch viele Menschen Angst davor hätten, dass die Studios wieder schließen müssen.

Das Red Fitness ist nach dem ersten Lockdown wieder gut besucht . © Stefan Milk © Stefan Milk

Doch Rozanka hofft das Beste. Auch, weil das Engagement und die Lobbyarbeit der Fitnessbranche während des ersten Lockdowns die Kommunikation mit der Politik verbessert habe. „Außerdem sprechen die Zahlen für uns“, so Rozanka mit Blick auf eine Studie des europäischen Branchenverbands „EuropeActive“. Demnach liegt das Infektionsrisiko in Studios unter 1 pro 100.000 Trainierenden. Grundsätzlich werde in seriösen Fitnessstudios sehr auf Hygiene geachtet – seit der Pandemie noch mehr, so Rozanka. „Sie sind einer der sichersten Orte überhaupt“, betont er– und hofft, dass die Politik das auch so sieht.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott

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