Neue Serie: So sah Kamen früher aus – und so hat sich die Stadt verändert

Das Kamener Fotoalbum

Alte Fotos haben ihren eigenen Reiz. Der direkte Vergleich von „früher“ und „heute“ auch. Wir haben ihn angestellt – mit alten und neuen Stadtansichten aus Kamen.

von Kevin Kohues, Stefan Milk

Kamen

, 23.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min
Neue Serie: So sah Kamen früher aus – und so hat sich die Stadt verändert

Die Weststraße in Kamen in den 1910er Jahren: was für eine Dichte! Ein Geschäft neben dem anderen, auf jeder Seite ein Fußweg, doch kein Kunde zu sehen. Dabei hat die Straßenbahn sie bis vor die Ladentür gefahren. Wie haben die Läden überlebt? Das links hinter der Straßenbahn vorstehende Haus steht auf der Ecke zur Schulstraße. Die Enge der Weststraße ist geblieben, immer noch ist sie Kamens Hauptgeschäftsstraße. Aller Verkehr ist verbannt worden, aufdringliche Werbung auf der Straße behindert die Fußgänger, die an den Häusern quält das Auge. © Stefan Milk

Ein alter Kamener „Poahlbürger“ hat unserer Redaktion eine große Sammlung älterer Stadtansichten überlassen – für unseren Fotoredakteur Stefan Milk im wahrsten Sinne des Wortes ein Geschenk. Mit wachsender Freude und auch Sammelwut streifte er durch die Stadt, um den alten Bildern jeweils ein aktuelles Pendant gegenüberstellen zu können. In der Serie „Das Kamener Fotoalbum“ zeigen wir die Ergebnisse.

Gästeführer Klaus Holzer erklärt die Geschichte der Bilder

Gästeführer Klaus Holzer hat uns dabei unterstützt. Der Gründer des Kamener Kultur Kreises erläutert in seinen Texten sowohl die Geschichte der abgebildeten Gebäude als auch ihre Bedeutung früher und heute.

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Dabei konzentriert er sich auf die alten Bilder, lässt aber an verschiedenen Stellen auch durchblicken, dass er nicht mit allen Entwicklungen „seiner“ Stadt Kamen glücklich ist. Dass viele alte Gebäude im Laufe der Zeit dekorative Elemente wie Türmchen und Erker verloren, bedauert er.

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Und hier sind die ersten Fotos, die wir mit einem Schiebe-Effekt versehen haben. Mit dem Finger auf dem Smartphone oder dem Mauszeiger am Desktop können Sie die Fotos von rechts nach links und umgekehrt „schieben“ – und so den Vergleich von „früher“ und „heute“ interaktiv erleben.

Der Blick in die Weststraße in östlicher Richtung von der Kreuzung Kämer-/Schulstraße, aufgenommen in den 1910er Jahren. Interessant ist hier vor allem der Name Heymann (links oben im Bild). Dieser Familie entstammt der damals weltbekannte Chemiker Bernhard Heymann (1861 - 1933), der als Leiter des Forschungslabors bei Bayer Leverkusen für eine Vielzahl neuer Erzeugnisse und Verfahren verantwortlich zeichnete, darunter ein Mittel gegen die Schlafkrankheit. Wie auf anderen Bildern fällt auf, wieviele dekorative Türmchen der Modernisierungswut der Kamener zum Opfer gefallen sind. Ganz rechts auf der Ecke war früher der Ziegenmarkt.

Ein Blick in die Oststraße, vom Ausgang der Weststraße auf das Haus Kajak (Oststraße 6). Das Bild wurde Ende der 1950er Jahre, vielleicht Anfang der 1960er Jahre aufgenommmen. Das ehemals schöne Fachwerkhaus steht unter Denkmalschutz, ist aber leider in schlechtem Zustand. Rechts am Bildrand das Haus der Konditorenfamilie Humberg.

Das Kamener Gymnasium geht mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Mitte des 14. Jh. gegründete, der Kirche zugeordnete „schola latina camensis“ zurück. Eine bürgerliche Stiftung von 1486 erhielt sie am Leben, doch war ihr Status - kirchlich oder städtisch – ein ständiger Streitfall. Erst 1858 wird sie städtische Rektoratschule. 1862 zog sie in den Galenhof, 1874 in einen Neubau an der Kämerstraße, 1906 schließlich an die Hammer Straße. Sie durchläuft viele Systemwechsel: 1908 Realprogymnasium, 1928 Gymnasium, 1931 erstes Abitur, 1934 mit der Städtischen Höheren Mädchenschule zusammengelegt, 1937 „Rückstufung“ zur Oberschule für Jungen, 1946 Städtisches Neusprachliches Gymnasium, 1949 wieder koedukativ. 1956 bekommt das Gymnasium seinen Erweiterungsbau. Heute residiert die Diesterwegschule in dem alten Gebäude.

Die Maibrücke, 1695 erstmals erwähnt, Kamens erste und bis 1923 einzige Straßenbrücke, hat ihren Namen von der mittelalterlichen hameide (in Kamen Homéy gesprochen), einem Schlagbaum, an dem die Akzise, eine Art Steuer, kassiert wurde. Das prächtige Gebäude dahinter halten viele Kamener immer noch für das Stammhaus der früheren Städt. Sparkasse Kamen. In Wirklichkeit wurde es 1872 von dem Schuhfabrikanten Gottfried Betzler gebaut. Die Sparkasse war von 1921 bis 1962 darin. Die Fensterzahl ist von 6 auf 4 geschrumpft. An deren Stelle gab es bis in die 1950er Jahre ein Wandgemälde von Hans Güldenhaupt, das ein bäuerliches Paar vor der Kamener Stadtkulisse zeigte.

Mitmachen

Schicken Sie uns Ihre historischen Fotos!

  • Menschen, die noch alte Stadtansichten besitzen, die wir auf diese Weise neu fotografieren könnten, sind herzlich aufgefordert, uns die Fotos zur Verfügung zu stellen.
  • Wir freuen uns auch auf Bilder aus den Kamener Ortsteilen.
  • Sie können Ihre Fotos mit einer kurzen Beschreibung und dem Jahr der Aufnahme per E-Mail an kamen@hellwegeranzeiger.de schicken oder direkt auf hellwegeranzeiger.de hochladen. Bitte das Stichwort „Kamener Fotoalbum“ nicht vergessen.
  • Jeder, der Originale auf Papier einreicht, bekommt selbstverständlich seine Fotos umgehend zurück. Weitere Infos zur Aktion gibt es auch unter Tel. (02307) 260000.

Der Blick auf diesem Foto aus den 1920er Jahren geht stadtauswärts, Richtung Bahnhof, der 1847 Kamens Anschluss an die moderne Zeit herstellte. Und deshalb baute jeder, der dabei sein wollte, hier ein prächtiges Haus hin, von denen heute 10 unter Denkmalschutz stehen. Das Haus rechts mit dem hohen Giebel war das 1895/96 erbaute Amtsgericht, heute Haus der Stadtgeschichte. Die Straßenbahn erfüllte von 1909 bis 1950 die ersten Ansprüche an den ÖPNV.

Statt der damaligen Kugelakazien stehen heute Eichen auf dieser Straßenseite seit dem Umbau 2012. Links (auf dem Foto rechts) zu erkennen: zwei schwarze Streifen, die an die Straßenbahn erinnern sollen, aber oft fälschlich für einen Fahrradweg gehalten werden.

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