So kompliziert ist es, die Biotonne abzulehnen: Anruf für Erteilung eines Antragsformulars

dzMit Formular-Download

Die Stadt Kamen versucht, die Biotonne durchzusetzen, indem sie es Gebührenzahlern schwer macht, sie abzulehnen. Ein Formular, das erforderlich ist, gibt es nur auf Verlangen. Hier ist das Formular zum Herunterladen.

Kamen

, 08.12.2019, 14:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Nageln sie sich ihr Scheißformular gefälligst selbst vors Knie!“ So lautet eine Zeile aus einem Lied von Reinhard Mey. Darin besingt der Liedermacher die Wirren der Bürokratie und den Versuch, in einer Behörde einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars zu bekommen.

An das Lied können sich auch Kamener erinnert fühlen, die ihren Haushalt vom sogenannten Anschlusszwang an die Biotone befreien lassen wollen. In Kamen ist nämlich ein Anruf auf Erteilung eines Antragsformulars erforderlich.

Weil zu viel Biomüll in Restmülltonnen landet und dann teuer mitverbrannt wird, zu Lasten aller Gebührenzahler, wollen Stadt und Entsorgungsfirma GWA mehr Biotonnen in Umlauf bringen. Wer bislang bloß einen Komposthaufen hat, muss den Nachweis erbringen, dass er als Eigenkompostierer die Voraussetzungen für die Befreiung von der Biotonnen-Pflicht erfüllt. Sonst bekommt er als mutmaßlicher Alibikompostierer nächstes Jahr eine Biotonne vors Haus gestellt.

Auch Jürgen S. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) aus Kamen hat bislang keine Biotonne. Seit vielen Jahren kompostiert er seine Garten- und Küchenabfälle, wie er sagt, und bringt das in einem Mehrkammersystem entstandene Substrat wieder in seinem Garten aus. Das würde er gerne weiter so handhaben.

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S. kritisiert, dass die Behörden zwar 2700 Haushalte angeschrieben haben, die bislang keine Biotonne haben, aber diesem Schreiben keinen Antrag auf Befreiung von der Biotonne beigefügt haben. Das fehlende Antragsformular erwecke den Eindruck, dass die Stadt und die GWA eine Ausnahme vom Benutzungszwang sehr hoch hängen würden und eine „Antragstellung des Kunden“ erschweren oder gar verhindern wollten. „Das erscheint zumindest für meine Situation wenig kundenfreundlich“, erklärt er.

Stadt und GWA haben nie behauptet, dass die Hürden niedrig sind. Wer die Befreiung beantragen will, soll sich erst telefonisch beraten lassen. Dann bekommen die potenziellen Antragstellers das Formular zugeschickt. Reinhard Mey müsste also in diesem Fall von einem „Anruf auf Erteilung eines Antragsformulars“ singen. Eine Stichprobe ergab, dass das Formular auch nicht auf der Stadt-Homepage heruntergeladen werden kann. Ein entsprechender Verweis führte noch am Sonntagnachmittag zu einer Fehlermeldung.

Die Biotonne gibt es in Kamen wahlweise als 80-Liter-Tonne für 59 Euro jährlich und als 140-Liter-Tonne für 104 Euro jährlich. Das bedeutet für die 80-Liter-Variante umgerechnet eine Gebühr von 2,27 Euro pro Leerung (bei 26 Leerungen im Jahr). Die Müllabfuhr kommt 14-täglich.

Das offizielle Formular zum Herunterladen

Hier gibt es das Formular zur Befreiung von der Biotonnen-Pflicht zum Herunterladen im pdf-Format. Darin sind auch die Voraussetzungen für eine Befreiung erläutert.

Antrag zur Befreiung von der Biotonnen-Pflicht (234 kB)

Die Literangabe für die kleine Biotonne war in einer früheren Version dieses Texts falsch angegeben. Wir haben dies korrigiert.

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