Der rote Riese namens Grillo 1 fordert hohen Aufwand: Die Sanierung des Kamener Bergbau-Wahrzeichens auf dem Gelände der früheren Zeche Monopol wird auf fast vier Millionen Euro beziffert.

Kamen

, 21.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Industriedenkmal-Stiftung NRW in Dortmund hat für die denkmalgerechte Sanierung des Ensembles aus Förderturm und Maschinenhaus eine Millionensumme beim NRW-Bauministerium beantragt. 3,8 Millionen Euro sind nach Einschätzung der Denkmal-Experten nötig, um das fast 60 Jahre alte Bergbau-Relikt aufzuarbeiten. Davon sind 2,6 Millionen Euro für das stadtbildprägende Einstreben-Fördergerüst und 1,2 Millionen Euro für das dazugehörige Maschinenhaus bestimmt. Diese Summen gehen aus dem eingereichten Förderantrag hervor, der unserer Redaktion auszugsweise vorliegt.

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Zeche Westhausen: Malakow-Turm (1872) in Dortmund-Bodelschwingh© Stephan Schuetze
Zeche Erin Schacht 7 (1953) in Castrop-Rauxel© Halten
Zeche Gneisenau Schacht 4: Doppelbock-Fördergerüst (1933) in Dortmund-Derne© Oliver Schaper
Zeche Monopol, Schacht Grimberg 1/2 (frühe 1980er) in Bergkamen© Stefan Milk
Zeche Zollern (1902) in Dortmund-Bövinghausen© Gerd P. Müller und Rüdiger
Zeche Gneisenau Schacht 2: Englischer Bock (1890) in Derne© Dieter Menne
Hammerkopfturm Zeche Erin Schacht 3 (1937) in Castrop-Rauxel-Schwerin© Benjamin Hahn
Zeche Minister Achenbach Schacht 4 (1924) in Lünen mit Colani-Ei (1995)© Frank Bock
Hammerkopfturm Zeche Minister Stein in Dortmund-Eving (1925)
Zeche Haus Aden Schacht 2, Stahlkasten-Doppelbock (1979) in Bergkamen© Stefan Milk
Zeche Germania Schacht 5 in Dortmund-Marten (1944), seit 1973 ist der verkleidete Doppelbock Wahrzeichen des Bergbaumuseums in Bochum
Zeche Königsborn 3/4: ummantelter Förderturm (1925) in Bönen© Stefan Milk

Erstmals konkrete Maßnahmen benannt

Die Stiftung benennt die Kosten die konkreten Sanierungsmaßnahmen nun erstmals. Am Förderturm, wo 1981 die Kohleförderung eingestellt wurde, ist eine „umfangreiche Sanierung aller Bauteile“ erforderlich, heißt es. Dazu kommt beispielsweise der Einbau einer Wendeltreppe, die den Aufgang bis zur Seilscheiben-Ebene ermöglicht. Das Maschinenhaus, ein Würfel aus Ziegeln und Beton, wird vom Keller bis zum Dach ertüchtigt - hinzu kommt beispielsweise der Einbau einer Fluchttreppe und einer WC-Anlage. Eine von zwei Umformer-Anlagen des Seilscheiben-Antriebs wird ausgebaut, mit den Bauteilen wird der andere vervollständigt.

Die verbliebenen Tagesanlagen des ehemaligen Bergwerks sind seit 2002 denkmalgeschützt und befinden sich seit 2016 im Eigentum der Stiftung, die dem Erhalt der Anlagen verpflichtet ist und sich auch um die Finanzierung kümmert. „Wichtig für unser Handeln vor Ort ist, dass sich der Rat der Stadt Kamen einstimmig für den Erhalt des Denkmals ausgesprochen hat und die Umsetzung des Projekts durch die Stiftung ausdrücklich begrüßt“, erklärte Stiftungssprecherin Marita Pfeiffer.

Voraussichtlich Mitte des Jahres wird es Klarheit geben, ob und in welchem Umfang das Kamener Projekt bei den beantragten Städtebau-Fördermitteln zum Zuge kommt. Die Konkurrenz ist üblicherweise groß. „Mitte des Jahres ist klar, was gefördert wird“, sagte Robert Vornholt, Sprecher des Bauministeriums NRW. Wann die Handwerker anrücken und den roten Riesen für die Sanierung in Schutzplanen hüllen, ist offen. „Die weitere Vorgehensweise und der Zeitplan ist davon abhängig, ob und wann Mittel bewilligt werden“, erklärte Stiftungssprecherin Pfeiffer. Höchste Priorität hat die Sanierung der Fördermaschinenhalle.

So groß ist der Millionenaufwand für die Sanierung der Kamener Zeche Monopol

Dreibock mit angehängtem Führungsgerüst: Der Förderturm wurde 1966/67 errichtet, das Maschinenhaus (r.) 1966 (Archivfoto). © Marcel Drawe

So wird der Förderturm saniert

Was am Förderturm zu sanieren ist, ist der Maßnahmenbeschreibung zu entnehmen. So sei die Standsicherheit zu prüfen und bei Bedarf seien konkrete Maßnahmen zur Stabilisierung der Gerüste vorzunehmen. „Störende und/oder defekte Holzkonstruktionen, Abdeckungen und Verkleidungen werden demontiert“, heißt es. Temporäre Abstützungen müssten gebaut und nicht mehr tragfähige Stahlkonstruktionen zurückgebaut und ersetzt werden. „Defekte Bühnen, Treppen und Geländeranlagen werden bei Bedarf ausgetauscht und nach historischem Vorbild wiederhergestellt.“ Die Handwerker werden Sandstrahler auf das Fördergerüst richten und ihm einen neuen Rostschutz-Anstrich verpassen. Auch mit dem vorhanden, im Schacht stehenden Förderkorb werde so verfahren. Die Fundamente des Turms und der schrägen Stützen („Schachtverlagerungsträger“) werden freigelegt und begutachtet, schadhafte Putz-, Mauerwerks- und Betonflächen bei Bedarf ausgebessert. Die Seitenwände des sogenannten Friktionswindengebäudes werden laut Maßnahmenbeschreibung zurückgebaut. Die vorhandene Maschine werde fachgerecht konserviert. „So kann den Besuchern ein anschaulicher Eindruck der Funktionsweise der Maschinen verdeutlicht werden.“ Nicht mehr instandzusetzen ist der für die Begehung und Wartung vorhandene Fahrstuhl. Ersatzweise wird eine Wendeltreppe in das Fördergerüst integriert, „um die weitere Zugänglichkeit für regelmäßige Sicherheitsbefahrungen zu gewährleisten“. Der Aufgang und die Seilscheiben-Ebene bekommen eine Grundbeleuchtung.

So groß ist der Millionenaufwand für die Sanierung der Kamener Zeche Monopol

Blick in die Maschinenhalle mit der Fördermaschine vom Typ BBC (Archivfoto). © Marcel Drawe

So wird das Fördermaschinenhaus saniert

Mauerwerk reinigen, Mauerwerksfugen herausschneiden, schadhaften Klinker und Glasbausteinen ersetzen, anschließend neue Fugen setzen: Das sind die geplanten Fassadenarbeiten am Maschinenhaus. Dazu kommt die Sanierung des undichten Dachs. „Im Inneren des Maschinenhauses werden die Putz- und Betonflächen überarbeitet“, heißt es in der Maßnahmenbeschreibung. Das heißt zum Beispiel: Maroden Putz abklopfen und ersetzen. Der Durchlass für das Förderseil wird abgedichtet, damit kein Regenwasser mehr eindringen kann. Daneben werden noch weitere Arbeiten genannt, zum Beispiel das Ersetzen von losen Bodenfliesen, das Überarbeiten von Tor-, Tür- und Fensterkonstruktionen. Gegebenenfalls werden sie gegen neue, nach historischem Vorbild gefertigte Elemente ausgetauscht. Die Treppenkonstruktionen werden stabilisiert und gesichert. Eine wichtige Voraussetzung für die künftige Nutzung wird ebenfalls geschaffen: „Der im Kellergeschoss vorhandene Sanitärbereich wird in eine WC-Anlage für Damen und Herren umgebaut. Die darin historischen Fliesen in diesem Bereich werden saniert und erhalten.“

Das Herzstück ist die Elektrofördermaschine, die die Seilscheibe antrieb. Dazu gehören Aggregate, die gereinigt und konserviert werden, sowie die beiden Strom-Umformer. Von diesen beiden Umformern wird einer ausgebaut, der sich in einem separaten Raum befindet. Dadurch entsteht Platz für einen Veranstaltungsraum.

Ein mutwillig gelegtes Feuer richtete vor einigen Jahren einige Schäden in diesem Raum an. Gegen ungebetene Besucher soll das Gebäude eine Alarmanlage bekommen - mit Signal-Weiterleitung an die Polizei.

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