Zwei Wochen lang gab es wieder so etwas wie „Normalbetrieb“ an den Kamener Grundschulen. Die meisten Kinder haben es offenbar genossen – auch wenn wirkliche Normalität wohl anders aussieht.

von Werner Wiggermann

Kamen

, 25.06.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie wichtig die Schule in ihrem Leben ist, haben Kamens Grundschüler in den vergangenen Wochen vor allem anderen gelernt. Seit dem 15. Juni gingen wieder fast alle regelmäßig von Montag bis Freitag zur Schule. Dass dies der richtige Weg ist, davon sind Kamens Grundschulleiterinnen mehr oder weniger überzeugt.

Vor allem das regelmäßige Treffen mit den Freunden genießen die Kinder, aber natürlich auch das Wiedersehen mit den Lehrern. Unglaublich viel zu erzählen hatten sie nach der langen Zwangspause und den klein dosierten Schulzeiten des vorsichtigen Wiederbeginns. „Man mag sie gar nicht unterbrechen“, beschreibt Anja Bolz, Leiterin der Jahnschule in Methler, den Redeschwall der kleinen Zielpersonen aller pädagogischen Anstrengungen, „das ist einfach zauberhaft zu sehen“, schwärmt sie.

„Emotional war es sehr wichtig“

Damit ist fast schon die Frage beantwortet, ob die zwei Wochen „Normalbetrieb“ vor den Sommerferien überhaupt Sinn ergaben. Ob viel Stoff noch vermittelt werden kann, darüber mögen die Meinungen etwas auseinandergehen. „emotional war es jedenfalls sehr wichtig“, findet Bolz. Und es war wichtig besonders für die Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäuser, ergänzt Bernd Kleinschnitger, Leiter der Südschule. Die beiden Wochen hätten einen besseren Überblick über den jeweiligen Lernstand der Kinder gegeben, meint Petra Büscher, Leiterin der Diesterwegschule – und wird bestätigt durch ihre Kollegin Gisela Sons von der Heeren-Werver Astrid-Lindgren-Schule: Wichtige Rückmeldungen habe es gegeben zum Erfolg des „Lernens auf Distanz“. So sei nun der Unterricht nach den Sommerferien besser vorzubereiten.

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Nur wenig Unterricht musste gekürzt werden

Die Ferien selbst allerdings sollen nicht durch Aufgaben belastet werden, meinen die Schulleiterinnen fast übereinstimmend. Es sei denn, es ist in den beiden Wochen dann doch wegen Personalmangel einiger Unterricht ausgefallen, wie zum Beispiel an der Jahnschule. Hier haben zuletzt drei Lehrkräfte – wegen eines besonderen gesundheitlichen Risikos oder aus Krankheitsgründen – gefehlt. Der Unterricht musste daher auf vier Stunden täglich reduziert werden. Das war von der Landesregierung auch eigens so freigestellt worden; an den meisten Kamener Grundschulen musste aber nicht gekürzt werden.

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Spielzonen auf dem Schulhof

Es sei kein großes Problem gewesen, die einzelnen Lerngruppen auf dem gebotenen Abstand voneinander zu halten, berichten die Schulleitungen. Durchgehend wurden die Unterrichtszeiten so bemessen, dass die Klassen auch in den Pausen jeweils unter sich bleiben konnten. An der Astrid-Lindgren-Schule in Heeren-Werve wurde der Schulhof zusätzlich in verschiedene Spielzonen aufgeteilt, in denen sich die Kinder tageweise wechselnd aufhalten konnten.

Was kommt nach den Ferien?

Ob es nach den Ferien tatsächlich wieder „normal“ weitergehen kann und was diese „Normalität“ letztlich bedeuten wird, können die meisten Kamener Schulleiterinnen nur erahnen. Klar sei schließlich auch noch nicht, wie viele Lehrerstellen ausgeschrieben und dann auch besetzt werden können, betont etwa Anja Bolz. Sie selbst werde daher nur am Anfang der Ferien ein paar Tage Urlaub machen – und sich dann wieder auf jede Menge Verwaltungsarbeit einstellen, die dann auch wieder durch recht kurzfristig verordnete Vorgaben aus Düsseldorf beeinflusst werden könnten.

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Verschiedene Szenarien im Kopf

„Wir haben verschiedene Szenarien im Kopf und behalten die Ruhe“, sagt zum Beispiel Petra Wüster an der Diesterwegschule. Dass der „Distanzunterricht“ bei allgemein wieder zunehmenden Infektionszahlen wieder eine größere Rolle spielen könnte, ist sicher nicht auszuschließen; dass er auch an den Grundschulen aber jemals einen halbwegs akzeptablen Ersatz darstellen könne, wird aber eher skeptisch beurteilt. Man werde verschiedene Möglichkeiten abwägen, sagt etwa Bernd Kleinschnitger, seiner Einschätzung nach aber bleibe das „Augenwischerei“. Am Ende helfe vielleicht „beten“.

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