So entspannt Dennis Kräh nach Feierabend: Schafe hüten mit Border Collies

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Raus aus dem Büro, rauf auf die Schafswiese: Dennis Kräh verbringt fast jede freie Minute mit seinen Hütehunden Pippa und Una. Jetzt in der Lämmerzeit heißt es: Kein Stress für Mutterschafe.

Kamen, Holzwickede

, 20.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Dennis Kräh, 32, durfte als Kind keinen Hund haben. Doch der Wunsch verflog nie, bis er sich vor rund zehn Jahren einen Border-Collie-Mischling zulegte. „Das war noch ein Hund ohne Hüte-Ambitionen“, sagt der 32-Jährige. Jetzt besitzt er Pippa und Una, zwei reinrassige Border Collies, mit denen er in seiner Freizeit Schafe hütet.

Border Collies sind britische Arbeits- und Hütehunde, die allein im Zusammenspiel mit dem Schäfer Herden mit Hunderten Tieren auseinandertreiben und zusammenführen können. Schon John Caius, Leibarzt von Königin Elisabeth I., soll im 16. Jahrhundert notiert haben: „Sobald dieser Hund die Stimme seines Herrn oder das Schütteln seiner Faust wahrnimmt, bringt er die umher irrenden Schafe an eben jenen Ort, den sein Meister wünscht.“

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Dennis Kräh hütet Schafe mit Border Collies

Stichwort

Border Collie

Der Border Collie ist nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland (ABCD) ein anspruchsvoller Hund, da er von seinem menschlichen Partner sowohl praktische als auch geistige Aufgaben erwartet und eine konsequente Führung beansprucht. Die Arbeitsgemeinschaft macht sich zur Aufgabe, diesen speziell für die Hütearbeit gezüchteten Hund als Gebrauchshund zu erhalten und dessen Ausbildung und Einsatz bei der Hütearbeit zu fördern. Mehr unter www.abcdev.de.

Monate auf britischen Schaf-Farmen verbracht

Der Industriekaufmann, der in Kamen-Methler wohnt, einem Bürojob in Hagen nachgeht und in seiner Freizeit in Holzwickede auf Schafweiden mit seinen tierischen Gefährten trainiert, ist fasziniert von der traditionsreichen Hunderasse und ihren erstaunlichen Fähigkeiten als schlauer Helfer des Menschen. „Collie“ ist das englische Wort für einen nützlichen Gegenstand. „Ein Border Collie sollte nie ohne Schafe gehalten werden“, ist Kräh überzeugt.

Angetrieben von dem unbedingten Willen, sein Hobby perfekt zu machen, verbrachte Kräh zwei Mal je einen Monat auf britischen Schaf-Farmen. Im Jahresurlaub ging er sozusagen in die Schäferlehre. 2018 half er während der Lämmerzeit beim Entwurmen und Impfen von Schafen in Northumberland – jener englisch-schottischen Grenzregion, die Border Collies den ersten Teil ihres Namen verleiht. Ein Jahr zuvor hatte Kräh auf der Isle of Bute erlebt, wie rund 2000 Mutterschafe rund 1500 Lämmer großzogen.

Mutterschaf lässt Lamm nicht trinken

Da spielen sich herzzerreißende Szenen ab, in denen die Schäferhunde zu ihrer Höchstform auflaufen. Kräh schildert, wie ein Mutterschaf immer wieder eines seiner Lämmer vertreibt, das trinken will. Der Hütehund trennt das Schaf von der Herde. Wenn der Hund es förmlich vor Angst erstarren lässt, kommt das Lamm endlich an die Zitzen heran und stillt seinen Durst.

FOTOSTRECKE
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Schafe auf einer Weide am Schloss Opherdicke: Die Tiere im Besitz von Burkhard Krause werden von Dennis Kräh aus Methler gehütet.© Marcel Drawe
Schäfer Dennis Kräh mit seinen Border-Collies Pippa (l). und Una auf der Schafwiese in respektvoller Distanz zu den Mutterschafen und ihren Lämmern.© Marcel Drawe
Während der Lämmerzeit wird nicht mit den Hütehunden an Schafen mit Lämmern trainiert, weil dies die Muttertiere unnötig in Stress versetzt.© Marcel Drawe
Szene von einem früheren Einsatz: Hütehund Pippa in „Action“ unter dem Kommando von Schäfer Dennis Kräh aus Kamen-Methler.© Claudia De Angelis
Hütehund Una in „Action“: Der Border Collie hört auf Kommandos wie „Lie down“ oder „That’ll do“.© Claudia De Angelis
Die Border-Collies Pippa (l.) und Una von Schäfer Dennis Kräh aus Kamen-Methler haben einen britischen Stammbaumm.© Marcel Drawe
Border-Collie-Hündin Pippa gehorcht Schäfer Dennis Kräh aus Kamen-Methler aufs Wort. © Marcel Drawe
Border-Collie-Hündin Una von Schäfer Dennis Kräh aus Kamen-Methler. Die Rasse verfügt über außerordentliche Hütefähigkeiten.© Marcel Drawe
Schäfer Dennis Kräh mit den Border-Collies Pippa (l.) und Una.© Marcel Drawe
Schäfer Dennis Kräh mit den Border-Collies Pippa (l.) und Una.© Marcel Drawe
Hütehund Una in „Action“ außerhalb der Lämmerzeit.© Claudia De Angelis

Kräh ist selbst Mitbesitzer von acht Skudden, die auf einer Wiese in der Nähe des Emscherquellhofs in Holzwickede weiden. Auch die Scottish-Blackface-Schafe, die derzeit am Schloss Opherdicke grasen, wurden schon von Krähs Hunden zum Ziel gebracht. Derzeit hält Kräh seine Sheep Dogs dort aber mit Kommandos wie „Lie down“ oder „That’ll do“ zurück. Sie zittern vor Aufregung, wenn sie die Schafe zwar sehen, aber nicht hinlaufen dürfen. „An Schafen mit Lämmern trainiert man keine Hunde. Das Schaf würde sonst unter Stress leiden“, sagt Kräh. Anders bei den Skudden am Emscherquellhof, wo Pippa und Una zeigen, was sie können. Pippa ist sechs Jahre alt, Una mit drei Jahren noch etwas weniger erfahren.

Die Tür zum Stall noch selbst zumachen

Sobald die Lämmerzeit vergangen ist und wenn die beiden Hunde nach Pfotenverletzungen wieder komplett fit sind, wird wieder intensiver trainiert – auch für Schafhüter-Wettbewerbe. Pippa kann zum Beispiel eine Schafherde von einer Wiese zur anderen bringen. Beim Emscherquellhoffest im vorigen Jahr waren ihre Qualitäten bei öffentlichen Vorführungen zu bewundern. Sie flitzt um die Herde herum und lenkt sie auf Kommando des gegenüber stehenden Schäfers in die gewünschte Richtung. „Der Instinkt, das Vieh zum Besitzer zu bringen, ist angeboren“, erklärt Kräh. Alles andere ist Training. „Ein Border Collie kann viel“, sagt der Schäfer, „aber nicht die Tür zum Stall aufmachen. Das mache ich noch selbst.“

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