Ernst Schnübbe hat sich einen Namen unter den Hundetrainern gemacht. Warum, das zeigt sich beim Stadtspaziergang für den Hundeführerschein. Und so geht es ganz gesittet durch die Bummelzone.

Kamen

, 27.06.2019, 15:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Der mit den Hunden geht“, steht in Großschrift auf der neongelben Warnweste, die Ernst Schnübbe trägt, verspielt darunter abgebildet sind Pfoten- und Fußabdrücke. Der 59-jährige Leiter der Hundeschule „Freude fürs Leben“, der vor 17 Jahren seinen Beruf als Bankkaufmann aufgegeben hat und dann im besten Sinne ganz auf den Hund gekommen ist, gilt als Hundepapst unter den Tiertrainern. Jetzt steht er am Parkdeck vor dem Koepeplatz, wo Mensch und Hund eine vielbeinige Reihe bilden. Es sind etwa 20, die gerade mit den Hunden gehen. Ohne, dass ein Vierbeiner an der Leine zerrt oder ein Zweibeiner die Ruhe verliert. Gekläffe von Mensch oder Hund? Kein Mucks ist zu hören. „Es ist erkennbar, dass die Besitzer ihre Hunde unter Kontrolle haben“, sagt Schnübbe zufrieden. „Die Tiere merken, hier gibt´s keine Party, jetzt geht hier gerade nichts.“

Sitz, platz und bleib! Unterwegs mit dem Hundepapst

„Der mit den Hunden geht“, steht in Großschrift auf der neongelben Warnweste, die Ernst Schnübbe trägt. Der 59-jährige Leiter der Hundeschule „Freude fürs Leben“ gilt als Hundepapst unter den Tiertrainern. © Stefan Milk

Auf sechs Beinen hinauf aufs Parkdeck, gar nicht so einfach

Eigentlich sollte das immer so sein, wenn man mit seinem vierbeinigen Gefährten unterwegs ist. Doch der tierische Alltag hat seine ganz eigenen Herausforderungen. Zum Beispiel die Treppe hinauf zum Koepeplatz-Parkdeck. Schnübbe erläutert, was wichtig ist. „Nicht den Hund vorschießen lassen und ihm signalisieren, dass er die Führung übernehmen kann. Und kein Gehabbel“, mahnt er. Dazu die Leine relativ kurz halten, den Körper etwas davor stellen, so dass der samtfellige Kopf maximal auf Beinhöhe ist. „Ich trag meinen Hund immer die Treppe rauf“, ruft ein Teilnehmer plötzlich scherzhaft. Doch auch er meistert die Aufgabe, indem er Schnübbes Hinweis folgt, stärker in die Leine zu greifen und den Auslaufplatz für seinen Begleiter zu verkleinern.

Sitz, platz und bleib! Unterwegs mit dem Hundepapst

Labradore, Langhaarcollies, Neufundländer, Jack-Russel-Terrier, Entlebucher-Sennenhunde, Französische Bulldoggen, Golden Retriever und Cairn-Terrier. Beim Gassigehen mit Hundepapst Ernst Schnübbe gibt es ein friedliches Miteinander. © Stefan Milk

Mit der Hundeschule einen Lebenstraum erfüllt

Ernst Schnübbe, der sich im Jahr 2002 seinen Lebenstraum mit einer eigenen Hundeschule erfüllt hat, bietet regelmäßig Hundespaziergänge durch die Kamener Innenstadt an. Sie sind Teil des sogenannten Hundeführerscheins, für den durchschnittlich etwa sechs Trainingsstunden angesetzt sind. Wie bewegt man sich durch die Fußgängerzone, wie kommt man sicher über die Straße, wie verhalten sich die Hunde, wenn sie vor dem Drogeriemarkt angeleint werden oder an der Caféterrasse vorbeikommen? „Das Eis muss auf dem Tisch bleiben“, sagt Schnübbe augenzwinkernd. Es gibt viele Reize, auf die die Hunde reagieren können - Kinder, Rollatoren, Fahrräder. „Einen Meter Abstand halten! Nicht alle Menschen mögen Hunde!“ Schnübbe verfolgt dabei seine eigene Philosophie, wenn es um die Erziehung der Vierbeiner geht. „Hunde werden oftmals nicht mehr als Hunde behandelt, sondern werden viel zu oft vermenschlicht.“ Er zitiert deswegen gern den amerikanischen Schriftsteller Edward Hoagland mit den Sätzen: „Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen. Ziehen Sie statt dessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden.“

Sitz, platz und bleib! Unterwegs mit dem Hundepapst

Die Leine eng geführt und immer auf Distanz zu anderen Passanten. Das ist vorbildlich. „Nicht jeder Mensch mag Hunde“, so Hundelehrer Ernst Schnübbe. © Stefan Milk

Halbe Hunde? Mitnichten, eher ganze Kerle

Halbe Hunde sieht man freilich gerade nicht, aber große und kleine, eben ganze Kerle auf ihre eigene Weise. Die Kamener, die gekommen sind, führen an der Leine unter anderem Labradore, Langhaarcollies, Neufundländer, Jack-Russel-Terrier, Entlebucher-Sennenhunde, Französische Bulldoggen, Golden Retriever und Cairn-Terrier. Sie heißen, Rocky, Puma, Benji oder Motte. Beeindruckend ist der anderthalbjährige Neufundländer Johnny, 60 Kilogramm schwer, den Elisabeth Bückmann an der Leine führt. „Es ist schon der fünfte von der Sorte, den ich habe“, sagt sie lachend. „Die Hunde sind total gechillt und cool.“ Schon vor 15 Jahren, so berichtet sie, habe sie den ersten Kurs bei Schnübbe belegt. „Und das macht einfach Spaß“, sagt sie. Britta und Thorsten Hildebrandt sind zusammen mit Motte da, einem Goldendoodle. Das ist eine Kreuzung zwischen Golden Retriever und Pudel. „Wir wollten keinen Riesenhund, aber auch keine Fußpumpe“, sagt Thorsten Hildebrandt. Der zweijährige Familienhund sei ideal und schon durch Schnübbes Welpenschule gegangen. „Jetzt geht es darum, das Gelernte konsequent auch im Alltag umzusetzen. Aber das bringt was.“

Sitz, platz und bleib! Unterwegs mit dem Hundepapst

Mit dem Hund durch die Stadt Kamen. Beim Spaziergang zum Hundeführerschein gibt es Tipps, wie man sich idealerweise verhält, und auch einige Aufgaben, die es zu bewältigen gibt. © Stefan Milk

Von Kindesbeinen an mit Hunden - und auch mit „Altersbeinen“

Es geht über den Willy-Brandt-Platz, wo die Hunde vor der Drogerie angebunden werden und artig ausharren müssen. Es geht zum Wasserspiel, wo sich die Hunde kurz erfrischen dürfen. Birgit Manz führt Wasserhund Carlo aus Spanien, der sich dort wohlfühlen dürfte, kurz an der Leine und ist dabei auch ganz nah bei Ernst Schnübbes Ansicht, dass es viele verlernt haben, mit Tieren umzugehen. „Und so lernt man im Umgang mit den Hunden auch viel über sich selbst“, sagt sie. „Man lernt selbst dazu, aber auch andere Menschen kennen“, ergänzt Elke Adler, die mit dem Entlebucher-Sennenhund Jenny teilnimmt. Schnübbe, der von Kindesbeinen an mit Hunden zusammen lebte, kann da nur beipflichten. Und deswegen lässt er sich auch nicht vom Alter an die Leine nehmen. „Das macht so viel Spaß. Da ist kein Ende in Sicht. Auch nicht mit 85 am Krückstock. Ach nein, lieber ohne!“

Sitz, platz und bleib! Unterwegs mit dem Hundepapst

Menschen und Hunde in einer geordneten Reihe mit zwei und vier Beinen. © Stefan Milk

In der Hundeschule

Der Hundeführerschein

  • Zurzeit gibt es drei parallel laufende Kurse zum Hundeführerschein - und zwar mittwochs 18 Uhr, donnerstags 16.30 Uhr und samstags 9.45 Uhr. Anfragen und Anmeldungen dazu nach der Sommerpause ab 6. Juli unter Tel. (02307) 281568.
  • Die anderen Unterrichtsstunden finden an dem ganzjährigen Haupttrainingsstandort am Herrenweg 5 in Bönen statt. Es handelt sich um den Teil einer ehemaligen landwirtschaftlichen Hofanlage. Frühere Stallungen, ehemalige Wiesen als Freilaufflächen und der Hofraum als Parkplätze und Trainingsfläche werden genutzt.
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