Signal gegen Clankriminalität – Polizei und Zoll kontrollieren Shisha-Bars

Unna und Kamen

Plötzlich fahren Polizei und Zoll vor: Dutzende Beamte kontrollieren Shisha-Bars in Kamen, Unna und anderen Orten. Landrat Makiolla will damit ein Zeichen gegen Clankriminalität setzen.

Kamen, Unna

, 28.06.2019 / Lesedauer: 3 min
Signal gegen Clankriminalität – Polizei und Zoll kontrollieren Shisha-Bars

Einsatz im Rahmen des Kampfes gegen Clankriminalität in NRW: Zollbeamte transportieren sichergestellte Tabakdosen aus einer Shisha-Bar an der Weststraße in Kamen ab. © Marcel Drawe

Kai (19) und Luca (19) sitzen in der Abendsonne vor einer Shisha-Bar in der Kamener Fußgängerzone und rauchen Wasserpfeife. Plötzlich biegt eine Fahrzeugkolonne der Polizei und des Zolls um die Ecke und stoppt. Die verdutzten Gäste sehen, wie zwei Dutzend uniformierte Beamte aussteigen, einige gehen schnurstracks in die Bar hinein. In der Kamener Innenstadt hat soeben eine groß angelegte Kontrolle begonnen, die fast gleichzeitig auch in anderen Städten im Kreis stattfindet.

Kontrolle von Shisha-Bars: Landrat setzt Zeichen gegen Clankriminalität

Die Tatsache, dass Landrat Michael Makiolla (SPD) an der Einsatzstelle auftaucht, zeigt, dass es kein gewöhnlicher Einsatz ist. „Das ist eine große Aktion“, sagt der Chef der Kreispolizeibehörde Unna. „Das ist Teil der Strategie zur Bekämpfung der Clankriminalität.“ Innenminister Herbert Reul (CDU) hat kriminellen Clans in NRW den Kampf angesagt. Makiolla sagt, dass der Kreis Unna kein Schwerpunkt sei, dass es aber darum gehe, zu verhindern, dass sie sich kriminelle Clans aus Städten wie Dortmund in den Kreis verlagern.

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Polizei und Zoll kontrollieren Shisha-Bars

Shisha-Bars legal kaum wirtschaftlich zu betreiben

Die Ziele der Kontrollen in Kamen, Unna, Bönen und Selm sind insbesondere Wasserpfeifen-Cafés. Der Hintergrund: Gaststätten und Shisha-Bars spielen in NRW bei kriminellen Aktivitäten türkisch-arabischstämmiger Familienclans eine wichtige Rolle. Zudem gelten Sisha-Bars als anfällig für steuerrechtliche Verstöße. Sie sprießen landesweit aus dem Boden, obwohl der „wirtschaftlich erfolgreiche Betrieb einer Shisha-Lounge bei gleichzeitig enger Orientierung an der Steuergesetzgebung nicht möglich ist“, wie es im Lagebericht Clankriminalität 2018 des Landeskriminalamts heißt.

Großpackungen statt „Shots“ sparen Steuern

In der Shisha-Bar an der Weststraße in der Fußgängerzone hat der Zoll offenbar etwas zu beanstanden. Zwei Beamte verstauen Dutzende konfiszierte Tabakdosen in zwei Plastiktüten im Kofferraum. Steuerrechtlich ist das Befüllen einer Wasserpfeife mit einigen Tücken verbunden. Legal ist es, wenn das Shisha-Köpfchen portionsweise aus kleinen verschweißten Päckchen mit Steuerzeichen gefüllt wird. Wer den Tabak aus einer Großpackung nimmt (eine weitverbreitete Praxis), begeht formell schon einen Steuerverstoß, der als Ordnungswidrigkeit zu werten ist.

Während die Kollegen noch den Tabak verstauen, nehmen sich fast genauso viele Beamte eine Shisha-Bar an der Bahnhofstraße in Kamen vor. Auch dort wird Tabak abtransportiert. Am Hosenbein eines Zollbeamten baumelt ein roter Gasmelder. Weil in solchen Gaststätten oft aromageschwängerte dicke Luft herrscht, sichern sich die Einsatzkräfte so gegen eine Kohlenmonoxid-Vergiftung ab. „Hier gilt das Nichtraucherschutzgesetz“, sagt ein Beamter und tippt auf ein Schild am Eingang. Das werde aber oft nicht eingehalten.

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Polizei- und Zollkontrolle in Shisha-Bars

Im Rahmen der Bekämpfung der Clankriminalität in NRW haben Polizei und Zoll am Freitagabend (28. Juni) mehrere Shisha-Bars in Kamen, Unna, Bönen und Selm kontrolliert.
28.06.2019
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Polizei- und Zollfahrzeuge sind in der Kamener Fußgängerzone vorgefahren. Fast gleichzeitig laufen Einsätze auch in Unna und anderen Städten.© Marcel Drawe
Ein Beamter geht in die Shisha-Bar, um dort zu kontrollieren, ob der Betrieb ordnungsgemäß geführt wird. Ein Polizist einer Hundertschaft sichert die Einsatzstelle.© Carsten Fischer
Schaulustige verfolgen den Einsatz in der Kamener Fußgängerzone© Marcel Drawe
Zollbeamte sind offenbar fündig geworden. © Marcel Drawe
Sise verstauen zwei Säcke mit sichergestellten Tabakdosen in einem Kofferraum. © Carsten Fischer
Auch in einer Shisha-Bar an der Bahnhofstraße läuft eine Kontrolle.© Marcel Drawe
Mehrere Polizeiautos parken die Bahnhofstraße fast zu.© Marcel Drawe
Das Ergebnis der großangelegten Polizeikontrolle im Rahmen der Bekämpfung von Clankriminalität soll später bekannt gegeben werden.© Marcel Drawe

Gäste müssen Personalien angeben

Drinnen werden die Personalien von Mitarbeitern und Gästen kontrolliert. Weil Semih (21) seinen Ausweis im Auto gelassen hat, begleiten ihn zwei Beamte mit kugelsicherer Weste dorthin. „Das gibt auch kein tolles Bild ab, wenn ich hier in Begleitung von zwei Polizisten durch die Stadt gehen muss“, scherzt der unbescholtene Kunde.

Ortswechsel zurück zum Anfang der Kontrolle: Ein mulmiges Gefühl haben Kai (19) und Luca (19) aus der Shisha-Bar an der Weststraße, als plötzlich die Beamten aufgetaucht sind. „Ich dachte, da kommt gleich einer mit einer Waffe angelaufen“, sagt Kai. „Man fühlt sich umzingelt“, sagt Luca. Auch sie müssen den Beamten ihre Personalien nennen. „Ich finde es aber richtig, dass es die Kontrollen gegen Clankriminalität gibt“, sagt Luca, als er den Grund des Einsatzes erfährt. Dann ziehen beiden wieder an der Wasserpfeife, das Aroma heißt „Wildberry Chill“.

Ergebnis der Kontrollen in Shisha-Bars steht noch nicht fest

Das Ergebnis der Kontrolle, an der die städtischen Ordnungsbehörden beteiligt sind, soll später bekannt gegeben werden. Wenig begeistert über den Einsatz wirken die Wirte der beiden kontrollierten Kamener Bars. Beide wollen sich gegenüber der Presse nicht äußern.

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