Sieg erst nach Wahlkrimi: Karsten Schneider ist neuer Kirchenkreis-Chef

dzEvangelische Kirche

Zwei Männer und eine Frau standen zur Wahl, die Entscheidung fiel in einem Wahlkrimi: Karsten Schneider ist am Abend im siebten Wahlgang zum neuen Superintendenten des evangelischen Kirchenkreises Unna gewählt worden.

Kreis Unna

, 05.02.2020, 20:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die 73.000 evangelischen Kirchenmitglieder in Unna und Umgebung haben einen neuen Oberhirten: Karsten Schneider aus Dortmund ist neuer Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Unna. Der Pfarrer wurde am Mittwoch in einer Sondersitzung der Kreissynode in Kamen gewählt. Die 90 Pfarrer und Gemeindevertreter fällten die Entscheidung erst im siebten Wahlgang, weil in den ersten sechs Runden kein Bewerber die nötige absolute Mehrheit erzielt hatte.

Zur Person

Der neue „Sup“

  • Dr. Karsten Schneider, geboren 1965, aufgewachsen in Ostwestfalen, studierte in Marburg, Bonn, Bochum und in Rom Evangelische Theologie, Philosophie und Geschichte und promovierte in Theologie an der Ruhr-Universität Bochum. In der Ev. Kirchengemeinde Bochum-Eppendorf folgte das Vikariat, als Pfarrer war Schneider tätig in der Johannis-Kirchengemeinde Witten und seit 2001 ist er in der Ev. Philippus-Kirchengemeinde Dortmund. Bis zur Vereinigung der Dortmunder Kirchenkreise war er Vorsitzender des Strukturausschusses im Kirchenkreis Dortmund-Süd. Im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund ist er Vorsitzender des Fachausschusses Bildung (u.a. Begleitung des Ev. Bildungswerkes Dortmund) und hat die Synodalbeauftragungen für Männerarbeit, Gustav-Adolf-Werk und Ev. Bund inne. Schneider lebt in Dortmund, ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Karsten Schneider ging als Sieger aus einem dreieinhalbstündigen Wahlkrimi hervor. Er ist bislang Pfarrer der Ev. Philippus-Kirchengemeinde Dortmund und zudem auf Dortmunder Kirchenkreis-Ebene u.a. in den Bereichen Bildung und Männerarbeit tätig.

Hauchdünner Vorsprung reicht zunächst nicht

Mit ihm hatten sich noch Dorothea Goudefroy und Andreas Müller um das Leitungsamt beworben. Goudefroy, Gemeindepfarrerin in Menden sowie stellvertretende Synodalassessorin im Kirchenkreis Iserlohn, schied im ersten Wahlgang als Drittplatzierte mit nur 22 Stimmen sofort aus. Müller, Schulreferent des Kirchenkreises, der zeitweise auch Gemeindepfarrer in Holzwickede gewesen war, bekam in der ersten Runde 36 Stimmen vor Schneider mit 31 Stimmen.

Im zweiten Durchgang, jetzt ohne Goudefroy, lag dann Schneider mit 46:43 Stimmen vorn; nur drei fehlten ihm zur absoluten Mehrheit von 49 Stimmen der 97 regulären Synoden-Mitglieder. In der dritten Runde stand es 45:44 für Schneider, sein Vorsprung war geschrumpft. In der vierten Runde hatte Schneider mit 47:42 den Abstand vergrößert; aber es fehlten zwei Stimmen zur Entscheidung.

Personaldebatte hinter verschlossenen Türen

Wahlleiter Böcker schlug eine Pause vor, doch die Delegierten beschlossen auf Antrag des Bergkamener Pfarrers Christoph Maties eine Personaldebatte hinter verschlossenen Türen. Kandidaten und Gäste, darunter der frühere Unnaer Landesbischof Alfred Buß, mussten den Saal verlassen. Ursprünglich war keine Aussprache vorgesehen; es hatte vier Tage zuvor eine Vorstellungsrunde des Kandidatentrios im Lutherzentrum in Heeren-Werve gegeben.

Nach rund 40 Minuten öffneten sich die Saaltüren im evangelischen Gemeindehaus Kamen-Mitte wieder, nach weiteren 15 Minuten angeregter Gespräche startete Böcker die fünfte Abstimmung des Abends: Wieder kein Sieger, 45:43 für Schneider, keine entscheidende Bewegung in den Lagern. Nachdem auch im sechsten Wahlgang nur ein 45:43 für Schneider zustande kam, beantragte Christoph Maties die Beendigung der Kreissynode – mit der Konsequenz, dass das komplette Verfahren hätte neu aufgerollt werden müssen. Dagegen sprach sich unter anderem der Hemmerder Pfarrer Volker Jeck aus, dem die überwältigende Mehrheit folgte. Schließlich lieferte die Kreissynode: Im siebten Wahlgang gewann Schneider mit 49:40. „Ich freue mich, dass Sie mir hier, wenn auch mit einer winzigen Mehrheit, das Vertrauen ausgesprochen haben“, sagte der Gewinner des Abends, der für einen fairen Wettbewerb dankte.

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Zu Beginn des Wahlabends war noch alles offen: Dr. Karsten Schneider, Dorothea Goudefroy und Andreas Müller. © Stefan Milk


Amtseinführung am 30. April

Der neue Superintendent wird am 30. April bei einem Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche in Unna ins Amt eingeführt. Bis dahin bleibt der Kamener Hans-Martin Böcker im Amt. „Wir sind gespannt, ob es Überraschungen gibt“, hatte er zur Eröffnung der Sondersynode gesagt.

Mit Blick auf künftige Presbyteriumswahlen äußerte Böcker den Wunsch, dass viele Gemeindeglieder bei der Kirchenwahl 2020 antreten. Böcker ging auch auf den katholischen Kölner Erzbischof Rainer Maria Wölki ein, der kürzlich ein neues katholischen Kirchenparlament als „quasi protestantisch“ geschmäht hatte. „Geht‘s noch?“, sagte Böcker und lobte die presbyterial-synodale Verfassung der westfälischen Landeskirche, die dem Prinzip folgt: Kirche von unten. So haben sich auch die Synodalen den neuen „Sup“ selbst ausgesucht und es dabei sehr spannend gemacht.

13 Gemeinden im Kirchenkreis

Dem Superintendenten obliegt die Leitung des Kirchenkreises, dazu gehören 13 Kirchengemeinden in Unna, Fröndenberg, Holzwickede, Kamen und Bergkamen mit 28 Pfarrstellen und 25 Kirchen und Kapellen. Dazu kommen unter anderem 26 Kindertagesstätten und 20 Ganztagsbetreuungseinrichtungen an Schulen. Zu den besonderen Aufgaben des „Sup“ zählt beispielsweise die Einführung von Gemeindepfarrern und die Bestandsaufnahmen in Gemeinden.

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