Sicherheitskonzept für den Heiligen Martin: So handeln Kamener Kindergärten

dzLaternenumzüge

Die Auflagen für öffentliche Veranstaltungen scheinen immer schärfer zu werden. Davon betroffen sind auch Martinsumzüge. Nun berichten Kindergärten, wie sie den Ansprüchen gerecht werden.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 03.11.2018, 17:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hoch zu Ross kennt man ihn, gekleidet in einen roten Mantel. Der Sankt-Martins-Umzug ist ein Brauch mit langer Tradition, auch in diesem Jahr wollen wieder zahlreiche Kindergärten in Kamen mit bunten Laternen durch die Gemeinde ziehen. Doch die Brauchtumspflege hat ihre Tücken, die Veranstalter müssen strenge Auflagen beachten.

„Natürlich werden wir auch in diesem Jahr den Martinsumzug veranstalten“, berichtet Heike Radtke, Einrichtungsleiterin des katholischen Familienzentrums „Heilige Familie“. „Die strengen Auflagen haben aber schon zu Veränderungen im Ablauf geführt.“ Los geht es am Freitag, 9. November, ab 17 Uhr mit einem Gottesdienst. Im Anschluss startet dann der Laternenumzug, auch am Koppelteich führt die Route vorbei. Früher konnten sie hier noch über die Straße marschieren, seit dem vergangenen Jahr beschränkt sich der Kindergarten auf den Bürgersteig. „So müssen keine Polizeibeamten vor Ort sein“, so Radtke, „die Auflagen sind dann weniger streng.“ Rund 120 Teilnehmer erwartet sie, insgesamt 70 Kinder bevölkern den Kindergarten. Die Rolle der Ordner wollen die Mitarbeiter des Familienzentrums übernehmen. Auch eine Kapelle soll den Umzug begleiten. Einen Sankt Martin zu Pferd werde es in diesem Jahr allerdings nicht geben, verrät Radtke. „Dafür sind die Auflagen zu streng, wir konnten unter diesen Umständen leider niemanden für die Aufgabe begeistern.“

Eine lange Tradition

Die Tradition der Martinsumzüge geht auf Martin von Tours zurück, um 334 als Gardeoffizier der römischen Armee in Armien stationiert. In einem besonders kalten Winter traf von Tours der Sage nach vor den Toren der Stadt einen armen und unbekleideten Mann. Alles was von Tours bei sich trug, waren seine Waffen und sein Militärmantel. Kurzerhand teilte er den Mantel mit seinem Schwert und überreichte eine Hälfte dem verarmten Mann. Neben dem Spott wegen des halben Mantels musste Martin auch eine kurze Haftstrafe in Kauf nehmen. Laut der Überlieferung kam er für drei Tage in Haft, weil er Militäreigentum beschädigt hatte. In der Nacht der Mantelteilung sei ihm zudem Jesus Christus erschienen, eine Begegnung, die ihn zur Aufgabe seines militärischen Amtes brachte. Die Martinsfeier ist Teil des katholischen Kirchenjahres, das Datum des elften Novembers leitet sich aus der Grabniederlegung von Tours ab.

Auch im evangelischen Familienzentrum wird die Geschichte aufgegriffen. Hier beginnt das Laternenfest bereits am Dienstag, 6. November, um 16 Uhr. Die Feier beginnt mit einem Puppentheater, der Titel des Stücks lautet „Das Kamel Karamell und die Wunderlampe“. Kamel Karamell und seine Freundin Naima sind auf der Suche nach der sagenhaften Wunderlampe, die ihren Besitzern jeden Wunsch erfüllen kann. Obwohl im passenden Zeitraum, habe die Feier eigentlich nichts mit Sankt Martin zu tun, erklärt Leiterin Almut Böckmann: „Da es den Martinstag im evangelischen Kirchenkalender nicht gibt, werden wir die Geschichte des guten Samariters näher beleuchten.“ Die Geschichte ähnelt der Martinsgeschichte, hier kümmert sich der gute Samariter um einen Verletzten am Wegesrand, bringt ihn in eine Herberge und zahlt für seine Verpflegung. Auch einen kleinen Laternenzug haben Böckmann und ihre Kollegen geplant. Ordner bräuchten sie für die kleine Gruppe nicht, die Eltern würden selbstständig auf die Kinder achten.

Verständnis für Auflagen

Sankt Martin wird hier natürlich nicht mitreiten, eine andere Tradition hat es aber auf das Laternenfest geschafft. „Wir haben unsere eigenen Martinsbrezeln, die haben deutlich weniger Zucker als andere Varianten.

Die Kita „Monopoli“ wartet derweil noch auf die Genehmigung des geplanten Umzuges am 9. November. Um 17 Uhr soll es dort losgehen, derzeit würden die eingereichten Unterlagen noch überprüft, erklärt Einrichtungsleiterin Antje Schnepper. Dass sich die Auflagen im Vergleich zum vergangenen Jahr verschärft hätten, kann sie nicht bestätigen. „Es mag subjektiv gefühlt der Fall sein. Ich habe aber keine Unterschiede feststellen können.“ Streng seien sie schon, die Vorgaben. „Mit Blick auf die vergangenen Jahre kann ich die gestiegenen Sicherheitsansprüche aber durchaus verstehen.“ Ross und Reiter soll es auch bei dem Umzug der Monopoli-Kinder nicht geben, auch hier gehe die Sicherheit vor, sagt Schnepper. Spielende Kinder könnten die Pferde durchaus nervös machen, ein durch einen Tritt verletztes Kind wollen Schnepper und ihre Mitarbeiter nicht riskieren. „Wir machen das schon lange so.“

Es scheint, als müssten die Kindergarten-Kinder in Kamen in diesem Jahr auf berittene Heilige verzichten. Trotz der Vorschriften gibt es auch Kindergäten wie die Kita „Pusteblume“, die einen Reiter gefunden haben. Der Martinszug dort startet ebenfalls am 9. November um 17 Uhr, sollte er bis dahin genehmigt werden.

Berittener Martin ist selten

„Die Genehmigung fehlt uns nämlich bisher auch noch“, berichtet Integrationskraft Christiane Wohlgemuth. Auf das Pferd wollten Wohlgemuth und ihre Kollegen nicht verzichten, trotz besonderer Auflagen durch das Ordnungsamt. Die Eltern unterstützen die Mitarbeiter der Kita und werden auch als Ordner aktiv sein.

Aufgrund der strengen Auflagen hatten einige Kindergärten schon überlegt, einen großen Umzug für alle Kindergärten im Kamener Stadtgebiet gemeinsam abzuhalten. Auf viel Gegenliebe stieß dieser Plan allerdings nicht, wie Antje Schnepper berichtet: „Zu den kleinen Feiern kommen oft auch ehemalige Kindergartenkinder. Bei einer riesigen Feier mit Hunderten Gästen würde dies vermutlich ausbleiben oder einfach in der schieren Masse untergehen.“ Außerdem denkt Schnepper auch an die Fördervereine. Die würden durch den Verkauf von Würstchen und anderen Leckerein Geld für ihre geplanten Projekte einnehmen können. „Das ist für die Fördervereine immens wichtig.“

Auch in diesem Jahr werden die Martins- beziehungsweise Laternenumzüge also wieder stattfinden. Mit den gestiegenen Sicherheitsansprüchen scheinen die Kindergärten sich gut arrangiert zu haben, vom Aussterben ist der Brauch dadurch jedenfalls nicht bedroht.

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