Kamen früher und heute: Wilhelmschule und Weerenstraße

dzDas Kamener Fotoalbum

Alte Fotos haben ihren eigenen Reiz. Der direkte Vergleich von „früher“ und „heute“ auch. Wir haben ihn angestellt – mit alten und neuen Stadtansichten aus Kamen. Hier Teil 5 unserer Serie.

von Stefan Milk

Kamen

, 20.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein alter Kamener „Poahlbürger“ hat unserer Redaktion eine große Sammlung älterer Stadtansichten überlassen – für unseren Fotoredakteur Stefan Milk im wahrsten Sinne des Wortes ein Geschenk. Mit wachsender Freude und Sammelwut streifte er durch die Stadt, um den alten Bildern jeweils ihr aktuelles Pendant gegenüberzustellen. In unserer Serie „Das Kamener Fotoalbum“ zeigen wir die Ergebnisse.

Gästeführer Klaus Holzer erklärt die Geschichte der Bilder

Gästeführer Klaus Holzer hat uns dabei unterstützt. Der Gründer des Kamener Kultur Kreises erläutert in seinen Texten sowohl die Geschichte der abgebildeten Gebäude als auch ihre Bedeutung früher und heute.

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Und hier sind die nächsten Fotos, die wir wieder mit einem Schiebe-Effekt versehen haben. Mit dem Finger auf dem Smartphone oder dem Mauszeiger am Desktop können Sie die Fotos von rechts nach links und umgekehrt „schieben“ – und so den Vergleich von „früher“ und „heute“ interaktiv erleben. Das Laden der Schiebebilder kann aufgrund der Datenmenge etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen als gewohnt.

Alter Markt II: Das Foto wurde um 1930 aufgenommen: Wilhelm Mertin hat schon den Umbau seines Ladens beendet, die Arkaden sind gerade noch am rechten Bildrand zu erkennen; das erste voll abgebildete Haus links, Markt 18 (Müller-Weitz) hat noch seine Außentreppe, die wenig später nach innen verlegt werden wird. Die nächsten zwei Häuser, noch im Vorkriegszustand, zeigen, dass Kamen damals seine eleganten Seiten hatte. Hinter dem Schaukasten (rechts) ahnt der Betrachter gerade noch das Sedandenkmal, 1872 aus Spenden der Kamener errichtet, 1956 abgerissen. Die Moderne hat mit der Straßenbahn (Kleinbahn UKW) Einzug gehalten: diagonal fährt sie über den Markt.

Heilige Familie II: Die Kamener Bevölkerung wuchs mit dem Einzug des Bergbaus rapide an, das kleine Klosterkirchlein reichte für die rasant zunehmende Zahl an Katholiken nicht mehr aus. Daher wurde 1901/02 die Kirche Hl. Familie im neugotischen Stil erbaut. Der Turm ist mit seiner Gesamthöhe von knapp unter 80 m das höchste Gebäude der Stadt. Im Febr. 1945 wurde das östliche Querschiff von zwei Bomben getroffen und schwer beschädigt. Erst im Sept. 1953 war alles wieder restauriert. Die Mulde mit dem bepflanzten Kreuz in der Mitte ist Markenzeichen des früheren Kamener Stadtbaurats Gustav Reich. Sie wurde Ende der 1950er Jahre verfüllt: die Kamener nutzten freudig die Gelegenheit, ihren Sperrmüll loszuwerden.

Weerenstraße: Größer könnte der Kontrast zwischen alt und neu kaum sein, und doch sind die beiden Häuser dieselben wie vor mehr als 100 Jahren. Damals standen sie für Arbeit, typisch das Deelentor, heute für Freizeit. Der Name der Gasse (Weerenstraße) und das Weiße Rössl sind miteinander verbunden. Im 19. Jahrhundert kam ein von Weeren ( = von Werne) in den Besitz des ehemals Pröbstingschen Anwesens, eine Tochter heiratete später Alexander Koepe. Diese Familie betrieb hier bis 1919 eine Brauerei und eine Schnapsbrennerei und seit 1928 eine Gaststätte, zuletzt von „Kneipenkönig“ Willy Neff geführt.

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Weststraße IV: Ein Blick vom westlichen Ende, nahe der Lüner Straße, in die Weststraße, wohl auch um 1910. Imersten Haus links befand sich um 1910 die Bäckerei Rumpf, die nach dem Krieg auch eine Eisdiele betrieb. Vor dem ersten Haus rechts ging es zum Galenhofgelände, das seit 1897 von der Zeche Monopol mit 12-Familienhäusern für Bergleute bebaut war. Dafür wurde alles, was den Galenhofausmachte, geschleift: Gräben, Wälle, Palisaden, nur das eigentliche Burgmannshaus blieb bis 1983 stehen. Dann wurde es abgebrochen und, neu aufgebaut, der Musikschule übergeben.

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Wilhelmschule: Das alte Gebäude entstand als Wilhelmschule im Jahre 1908. Zu Beginn der 2000er Jahre wurde es zu einem großen Wohnhaus umgebaut, behielt jedoch im Wesentlichen sein ursprüngliches Aussehen, auch in der Substanz wurde wenig verändert. Dort wo die Schule eine Turnhalle hatte, befindet sich heute die große Garage für die Bewohner des Hauses. Diese Stelle war seit Jahrhunderten Ort für Kamens Schule. Die erste urkundlich belegte Schule hier geht auf das Jahr 1486 zurück, als unsere Stadt die „schola latina camensis“ zierte, der Vorläufer des heutigen Städtischen Gymnasiums. Der erste Rektor war der später als furchtloser Bekämpfer des Hexenunwesens bekannte Antonius Praetorius. Und zwischenzeitlich war in diesem Gebäude die Kamener VHS untergebracht.

Mitmachen

Schicken Sie uns Ihre historischen Fotos!

  • Menschen, die noch alte Stadtansichten besitzen, die wir auf diese Weise neu fotografieren könnten, sind herzlich aufgefordert, uns die Fotos zur Verfügung zu stellen.
  • Wir freuen uns auch auf Bilder aus den Kamener Ortsteilen.
  • Sie können Ihre Fotos mit einer kurzen Beschreibung und dem Jahr der Aufnahme per E-Mail an kamen@hellwegeranzeiger.de schicken oder direkt auf hellwegeranzeiger.de hochladen. Bitte das Stichwort „Kamener Fotoalbum“ nicht vergessen.
  • Jeder, der Originale auf Papier einreicht, bekommt selbstverständlich seine Fotos umgehend zurück. Weitere Infos zur Aktion gibt es auch unter Tel. (02307) 260000.

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