Kamen früher und heute: Alter Markt nach dem Krieg und Heilige Familie

dzDas Kamener Fotoalbum

Alte Fotos haben ihren eigenen Reiz. Der direkte Vergleich von „früher“ und „heute“ auch. Wir haben ihn angestellt – mit alten und neuen Stadtansichten aus Kamen und dem praktischen Foto-Schieberegler. Hier Teil 4 unserer Serie.

von Stefan Milk

Kamen

, 13.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein alter Kamener „Poahlbürger“ hat unserer Redaktion eine große Sammlung älterer Stadtansichten überlassen – für unseren Fotoredakteur Stefan Milk im wahrsten Sinne des Wortes ein Geschenk. Mit wachsender Freude und Sammelwut streifte er durch die Stadt, um den alten Bildern jeweils ihr aktuelles Pendant gegenüberzustellen. In unserer Serie „Das Kamener Fotoalbum“ zeigen wir die Ergebnisse.

Gästeführer Klaus Holzer erklärt die Geschichte der Bilder

Gästeführer Klaus Holzer hat uns dabei unterstützt. Der Gründer des Kamener Kultur Kreises erläutert in seinen Texten sowohl die Geschichte der abgebildeten Gebäude als auch ihre Bedeutung früher und heute.

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Und hier sind die nächsten Fotos, die wir wieder mit einem Schiebe-Effekt versehen haben. Mit dem Finger auf dem Smartphone oder dem Mauszeiger am Desktop können Sie die Fotos von rechts nach links und umgekehrt „schieben“ – und so den Vergleich von „früher“ und „heute“ interaktiv erleben. Das Laden der Schiebebilder kann aufgrund der Datenmenge etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen als gewohnt.

Bahnhofstraße: Ein Foto aus den 1930er Jahren. Das Rathaus beherbergt (seit 1925) den Ratskeller, wie das Schild über dem Arkadeneingang ausweist. Im Haus Nr. 1 befinden sich die damals schon lange existierenden „Altdeutschen Bier- und Weinstuben“ Kümper. Die Straßenbeleuchtung ist mittig an einem Kabel über der Straße aufgehängt. Die Arkaden rechts sind noch nicht durchgängig, das mittlere Haus verschließt sich der Modernisierung, folgt erst 1952. Interessant ist das Schild ganz rechts oben: Verkehrs Verein Auskunftstelle. Hatte Kamen damals etwa schon eine Touristen-Information? Und heute brauchen wir keine?

Alter Markt: Noch sind die Kriegsschäden vom Februar 1945 vorhanden, die Straßenbahnschienen aber schon entfernt (am 14.12.1950 fuhr die letzte Bahn ins Depot an der Lünener Straße). Der noch sehr dünne Verkehr wird über die Straße auf der Nordseite geleitet. Das Denkmal altes Rathaus hat noch nicht den entstellenden Glasaufsatz für die Bücherei. Und die beiden schönen alten Fachwerkhäuser links neben Neff sind noch original erhalten: der Bäcker von der Heyde wurde für die Marktstraße abgerissen, das mittlere Haus Anfang des Jahrtausends durch eine schlechte Kopie ersetzt.

Heilige Familie: Offenbar ein Vorkriegsfoto, da der Turmhelm der Kirche Hl. Familie noch das originale Schieferdach hat. Erst 1962 kommt das erste Kupferdach, später einmal erneuert. Das Küsterhaus in der Mitte hinten steht nicht mehr, es wurde vermutlich in den 1950er Jahren abgebrochen. Die Gasse, die davor mündet, ist die Wimme. Dieser Straßenname deutet immer auf kirchliches Gelände hin. Die Stromleitungen werden noch an Holzmasten oberirdisch geführt. Rechts vorn ist die Mauer des Cappenberger Hofes, eines der ehemals 10 Kamener Burgmannshöfe, zu erkennen. Er musste einem Parkplatz weichen.

Kirchstraße: Vorn links erkennt man gerade noch ein Stückchen Gitter einer Außentreppe, wie sie für viele Kamener Häuser zwischen 1850 und 1935 typisch waren. Die Pauluskirche hieß z.Zt. dieser Aufnahme die „Größere Kirche“ und besaß noch die Turmuhr von 1839 (s. Ziffernblatt im Dreieck unten am Turmhelm). Der Kirchhof (Friedhof) ist von einer Mauer umgeben, beides wurde erst in den 1950er Jahren entfernt. Damals lagen dort menschliche Knochen offen herum. Auf dem neuen Photo fallen die vielen Verkehrsschilder und die furchtbar aufdringliche Reklame unangenehm auf.

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Weststraße: 1930er Jahre. Auch wenn manche diese Gasse für die Kördelgasse halten, sie gehört zur Weststraße. Der Hauseingang links trägt die Nr. 70 und gehört zu dem großen Gebäude links, dem ehemaligen Kaufhaus Wallach (dann Schulte, Aldi, Rewe, Vögele, heute Woolworth). Vor Kopf steht Gustav Ebbinghaus‘ Metzgerei von 1857 (2011 geschlossen, heute Depot). Ganz früher waren hier ein Graben und eine Hecke. Ganz rechts oben eine damals moderne Gaslaterne, das Fachwerkhaus dahinter wurde nach dem Krieg abgerissen und zu einem Privatparkplatz.

Mitmachen

Schicken Sie uns Ihre historischen Fotos!

  • Menschen, die noch alte Stadtansichten besitzen, die wir auf diese Weise neu fotografieren könnten, sind herzlich aufgefordert, uns die Fotos zur Verfügung zu stellen.
  • Wir freuen uns auch auf Bilder aus den Kamener Ortsteilen.
  • Sie können Ihre Fotos mit einer kurzen Beschreibung und dem Jahr der Aufnahme per E-Mail an kamen@hellwegeranzeiger.de schicken oder direkt auf hellwegeranzeiger.de hochladen. Bitte das Stichwort „Kamener Fotoalbum“ nicht vergessen.
  • Jeder, der Originale auf Papier einreicht, bekommt selbstverständlich seine Fotos umgehend zurück. Weitere Infos zur Aktion gibt es auch unter Tel. (02307) 260000.

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