Kamen früher und heute: Das älteste Haus und die Bahnhofstraße zur Zeit der Nazis

dzDas Kamener Fotoalbum

Alte Fotos haben ihren eigenen Reiz. Der direkte Vergleich von „früher“ und „heute“ auch. Wir haben ihn angestellt – mit alten und neuen Stadtansichten aus Kamen. Hier Teil 3 unserer Serie.

von Stefan Milk

Kamen

, 06.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein alter Kamener „Poahlbürger“ hat unserer Redaktion eine große Sammlung älterer Stadtansichten überlassen – für unseren Fotoredakteur Stefan Milk im wahrsten Sinne des Wortes ein Geschenk. Mit wachsender Freude und Sammelwut streifte er durch die Stadt, um den alten Bildern jeweils ihr aktuelles Pendant gegenüberzustellen. In unserer Serie „Das Kamener Fotoalbum“ zeigen wir die Ergebnisse.

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Gästeführer Klaus Holzer erklärt die Geschichte der Bilder

Gästeführer Klaus Holzer hat uns dabei unterstützt. Der Gründer des Kamener Kultur Kreises erläutert in seinen Texten sowohl die Geschichte der abgebildeten Gebäude als auch ihre Bedeutung früher und heute.

Und hier sind die nächsten Fotos, die wir wieder mit einem Schiebe-Effekt versehen haben. Mit dem Finger auf dem Smartphone oder dem Mauszeiger am Desktop können Sie die Fotos von rechts nach links und umgekehrt „schieben“ – und so den Vergleich von „früher“ und „heute“ interaktiv erleben. Das Laden der Schiebebilder kann aufgrund der Datenmenge etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen als gewohnt.

Oststraße: vom Ausgang der Königstraße her (heute Am Geist), vielleicht zur Erinnerung an den Besuch König Friedrich Wilhelms II. im Jahre 1788. In dem Geschäft links mit den Türmchen auf dem Dach war vor dem Krieg Betten Heinecke, weiter hinten eine Postpferde Wechselstation. Der hoch mit Heu oder Stroh beladene Wagen erinnert daran, dass Kamen Ackerbürgerstadt war. Das reich dekorierte Haus rechts war früher eine Scheune, die zu Haus Nr. 6 (Kajak, zwar denkmalgeschützt, jedoch in Gefahr) gehörte, danach war Kamens erster Konsum (ganz links) darin. Der Fotograf stand am ersten Kamener Kreuz, Ost-, Nord- und Weststraße, Am Geist.

Kämerstraße: Das Haus vorn links ist Kamens ältestes Haus, um 1550 erbaut. Es wurde einer Frau als Mitgift mitgegeben, die von der Weser nach Kamen heiratete, was sich noch an Elementen des Weserrenaissancestils, z.B. den farbigen Dekorationen des Fachwerks, erkennen lässt. Es bot alles, was der Ackerbürger als Kleinbauer brauchte. Was man aus einem alten und verfallen wirkenden Haus machen kann, zeigt der Vergleich mit dem Foto von 2019. Was für ein Schmuckstück haben seine Eigentümer aus ihm gemacht! Das Herz im Fenster zeigt ihre Einstellung zu ihrem Haus aufs Schönste.

Bahnhofstraße: Blick durch die Bahnhofstraße auf den Markt. Die Hakenkreuzfahnen lassen auf Mitte/zweite Hälfte der 1930er Jahre schließen. Da Wahlwerbung mit der Aufschrift „Sonntag 10. April – Dem Führer dein Ja!“ im Detail zu erkennen ist, stammt das Foto aus dem Jahr der letzten Reichtstagswahlen 1938 (Dank an Leser Hendrig Sangel für den Hinweis). Interessant ist das dritte Haus von rechts. Der damalige Bürgermeister Weber verkaufte Anfang der 1830er Jahre sein Grundstück am Markt (heute Nr. 10) an die jüdische Familie Markus und ließ sich 1836 das erste private Steinhaus in Kamen von extra herbeigeholten wallonischen Facharbeitern errichten. Damit war er „steinreich“. Der Grund: Er wollte näher am Bahnhof, an der Moderne, sein.

Postpark: Heute ist es die alte Post, 1931 war es die neue Post, die aus der Bahnhofstraße (heute Dr. Nüsken) hierher verlegt wurde, weil auch der Bahnhof hier neu gebaut werden sollte. Es war ein symmetrisches Gebäude mit Zentraleingang (heute nach links verlegt) und acht Gauben. Der Abgang von der Poststraße zum Teich (der unter Straßenniveau war) ist ein Halbbogen, zwei Entenhäuser gehörten auch dazu. Der Teich davor entstand unter Gustav Reichs Leitung im Zuge der Notstandsarbeiten bei der Sesekeregulierung zum Ausgleich des Grundwasserspiegels. Der Aushub wurde für die Dämme der Seseke verwendet. Für Kamen war der Postteich (und der Koppelteich, beide hießen auch Gondelteich) von großem Erholungs- und Freizeitwert, zu einer Zeit, da Urlaub nicht selbstverständlich war: im Sommer zum Spazierengehen, im Winter zum Schlittschuhlaufen.

Mitmachen

Schicken Sie uns Ihre historischen Fotos!

  • Menschen, die noch alte Stadtansichten besitzen, die wir auf diese Weise neu fotografieren könnten, sind herzlich aufgefordert, uns die Fotos zur Verfügung zu stellen.
  • Wir freuen uns auch auf Bilder aus den Kamener Ortsteilen.
  • Sie können Ihre Fotos mit einer kurzen Beschreibung und dem Jahr der Aufnahme per E-Mail an kamen@hellwegeranzeiger.de schicken oder direkt auf hellwegeranzeiger.de hochladen. Bitte das Stichwort „Kamener Fotoalbum“ nicht vergessen.
  • Jeder, der Originale auf Papier einreicht, bekommt selbstverständlich seine Fotos umgehend zurück. Weitere Infos zur Aktion gibt es auch unter Tel. (02307) 260000.

Weiße Straße: Die Weiße Straße hat ihren Namen wohl von den Leinewebern, die es hier in großer Zahl gab. Sie gibt am ehesten einen Eindruck vom alten Kamen, stehen doch die alten Häuser alle noch, schmuck zurechtgemacht. Verschwunden ist die Abwasserrinne (links), sind die oberirdischen Strommasten, leider aber auch die dekorative Gaslaterne, wie sie zwischen 1865 (Gasanstalt in Kamen, am Anfang der heutigen Westicker Straße) und 1921 (erste elektrische Straßenlampe in Kamen) üblich waren. Das Haus in der Mitte hinten steht in der Ostenmauer.

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