Alte Fotos haben ihren eigenen Reiz. Der direkte Vergleich von „früher“ und „heute“ auch. Wir haben ihn angestellt – mit alten und neuen Stadtansichten aus Kamen. Hier Teil II unserer Serie.

von Kevin Kohues, Stefan Milk

Kamen

, 30.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein alter Kamener „Poahlbürger“ hat unserer Redaktion eine große Sammlung älterer Stadtansichten überlassen – für unseren Fotoredakteur Stefan Milk im wahrsten Sinne des Wortes ein Geschenk. Mit wachsender Freude und auch Sammelwut streifte er durch die Stadt, um den alten Bildern jeweils ein aktuelles Pendant gegenüberstellen zu können. In der Serie „Das Kamener Fotoalbum“ zeigen wir die Ergebnisse.

Gästeführer Klaus Holzer erklärt die Geschichte der Bilder

Gästeführer Klaus Holzer hat uns dabei unterstützt. Der Gründer des Kamener Kultur Kreises erläutert in seinen Texten sowohl die Geschichte der abgebildeten Gebäude als auch ihre Bedeutung früher und heute.

Und hier sind die nächsten Fotos, die wir wieder mit einem Schiebe-Effekt versehen haben. Mit dem Finger auf dem Smartphone oder dem Mauszeiger am Desktop können Sie die Fotos von rechts nach links und umgekehrt „schieben“ – und so den Vergleich von „früher“ und „heute“ interaktiv erleben.

Alter Markt: Wohl um 1910 aufgenommen. Das Colonialwarengeschäft Wilhem Mertin (1. Hs. rechts) erhielt erst 1928 seine heutige Gestalt. Nebenan, mit der hübschen Laube davor, war die Conditorei CarlHillmann (später Gonnermann). Leider stört heute die stil- und geschmacklose Leuchtreklame des Dönerlokals die Gesamterscheinung, und die Außensitze machen das Erscheinungsbild nicht besser. Zwei Häuser weiter betrieb Leonhard Rieder seit 1910 sein Hotel mit Gaststätte. Dieses Haus wurde 2006 abgerissen. Leider erschlägt der Nachfolgebau seine alten Nachbarhäuser. Zwischen Haus 5 (das „Braune Haus“, abgebrochen für die Verbreiterung der Durchfahrt) und 6 (heute Koepeplatz) waren früher die Lämmergasse und der Gänsemarkt. An der Stelle der nach dem Krieg abgebrochenen Scheune (hinten Mitte) steht heute ein Ärztehaus.

Bahnhofstraße: Das erste Haus links ist das 1895/96 erbaute damalige Amtsgericht, heute das Museum. Alle weiteren Häuser stehen dort immer noch, der Krieg hat sie verschont. Allein in der Bahnhofstraße sind 10 Häuser denkmalgeschützt. In der Villa rechts befindet sich heute die Familienbande, und das folgende rote Haus (heute Dr. Nüsken) wurde 1901 als kaiserliche Reichspost eröffnet. Seit 1909 fährt die Straßenbahn (Kleinbahn UKW) durch die Bahnhofstraße, vom ersten Tag an mit Strom, im Zeitalter der Dampfmaschine! Zwischen den Schienen sehen wir die damals normalen „Pferdeäppel“, die der Ritzenschieber Straube entfernte.

Bohde: Das älteste Geschäft in Kamen. Im Mai 1877 trennte sich Julius (Jülle) Bohde von seinem Compagnon Wilhelm Wienpahl und eröffnete an der heutigen Stelle sein Warenhaus (Wienpahl produzierte an der Hammer Straße). Später spezialisierte er sich auf Eisenwaren und betrieb eine Schlosserei, baute auch Waagen und Öfen (ihm verdanken Teile der Stadtmauer ihren „Putz“). Vom Dach (oben rechts) ist das Türmchen verschwunden, und die Geschäftsebene wurde der schmucklosen neuen Zeit angepaßt. Gibt es eigentlich einen Kamener, für den Bohde nicht ein Begriff ist? Hier gibt es alles, auch in kleinsten Stückzahlen. Nachdem die Metzgerei Ebbinghaus geschlossen ist, ist Bohde das älteste Kamener Geschäft.

Galenhof: Der letzte der einstmals 10 Kamener Burgmannshöfe, dessen Original aus dem Anfang des 14. Jh. stammte. Der Galenhof sicherte die Südwestseite Kamens ab. Das Gebäude, das 1982/83 abgebrochen wurde, stammte aus dem 18. Jh.. Es wurde an gleicher Stelle neu aufgebaut und der Städtischen Musikschule übergeben. So ist es zwar nicht echt, vermittelt aber einen Eindruck davon, wie ein Kamener Burgmannshof einmal ausgesehen hat. 1897 erwarb die Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft das ganze Gelände und bebaute es mit sehr einfachen Häusern für die Arbeiter der Zeche Monopol. Die Häuser wurden in den 1960er Jahren abgebrochen und machten zeitgemäßer Bebauung Platz.

Mitmachen

Schicken Sie uns Ihre historischen Fotos!

  • Menschen, die noch alte Stadtansichten besitzen, die wir auf diese Weise neu fotografieren könnten, sind herzlich aufgefordert, uns die Fotos zur Verfügung zu stellen.
  • Wir freuen uns auch auf Bilder aus den Kamener Ortsteilen.
  • Sie können Ihre Fotos mit einer kurzen Beschreibung und dem Jahr der Aufnahme per E-Mail an kamen@hellwegeranzeiger.de schicken oder direkt auf hellwegeranzeiger.de hochladen. Bitte das Stichwort „Kamener Fotoalbum“ nicht vergessen.
  • Jeder, der Originale auf Papier einreicht, bekommt selbstverständlich seine Fotos umgehend zurück. Weitere Infos zur Aktion gibt es auch unter Tel. (02307) 260000.

Ostring: Das Südostende der heutigen Münsterstraße wurde von Stadtbaurat Gustav Reich als Teil einer Umgehungsstraße angelegt, die ihre Fortsetzung im heutigen Unkeler Weg finden sollte, heute ein kleiner Grünzug. Der systematische Hausbau fällt auf: sechs Häuser, drei traufenständig an der Straße, drei giebelständige zurückgesetzt. Der Haustyp bleibt gleich, mit Kreis und Halbkreis, Pilastern und Gesimsen als gestalterischen Elementen. Ganz modern: der Fußgängerbereich ist durch eine Hecke von der Straße getrennt. Im Feb. 1945 wurden in Kamen 221 Menschen getötet, 80 Häuser zerstört, etwa 400 weitere z.t. schwer beschädigt. Trotz schwerer Kriegsbeschädigung haben die Häuser ihren Charakter bewahrt.

Jetzt lesen

Wir haben einen Zahlendreher in einer früheren Version des Texts zum Galenhof korrigiert. Der Erwerb durch die Bergwerksgesellschaft datiert auf das Jahr 1897.

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