Diese 81-jährige Frau kritisierte in einem Video-Interview eine aus ihrer Sicht überzogene Kontrolle der Maskenpflicht. Sie will anonym bleiben. Nun hat sich die Stadtverwaltung geäußert und die Kontrolle verteidigt. © Carsten Fischer

Seniorin (81) wegen Brötchen kontrolliert: Stadt kontert Schikane-Vorwurf

Eine 81-jährige Frau aß ein Brötchen in der Maskenpflicht-Zone, Ordnungshüter akzeptierten Unwohlsein als Erklärung nicht. Nun hat sich die Stadt Kamen zu einem Schikane-Vorwurf geäußert.

Wenn eine Seniorin (81) aus Unwohlsein ein Brötchen isst, sie dafür ihre Maske abnimmt und dann vom Ordnungsdienst wegen eines Verstoßes gegen die Maskenpflicht in der Fußgängerzone aufgeschrieben wird, sorgt das für Kritik. Nun hat sich die Stadt Kamen zu der mutmaßlich überzogenen Kontrolle geäußert, die die Seniorin in einem Video-Interview geschildert hat.

Stadt stellt Einstellung des Verfahrens in Aussicht

In einer aktuellen Stellungnahme verteidigt die Stadtverwaltung die Kontrolle als „angemessen“ und stellt in Aussicht, dass das Ordnungswidrigkeiten-Verfahren gegen die Frau eingestellt wird, sofern sie einen Nachweis über ihre Diabetes- Erkrankung einreicht. Dann muss sie keine 50 Euro Strafe zahlen.

Derweil wird in sozialen Netzwerken kontrovers über die Ordnungshüter diskutiert. Die Kommentare, die eine unangemessene Reaktion kritisieren, scheinen zu überwiegen. „Schön die Senioren ausnehmen, die schon eh wenig Rente bekommen!“, lautet eine Stimme in einer Kamener Facebook-Gruppe. Ein anderer Kommentar lautet: „Es ist nun mal in der gesamten Stadt Maskenpflicht, da muss sich auch die ältere Generation dran halten.“

Unstrittig ist, dass die Frau am 30. April auf der Weststraße ein Brötchen aß. „Auf die fehlende Maske angesprochen, erwiderte sie unserem Mitarbeiter, dass sie Diabetikerin sei und es ihr nicht gut ginge“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt. „In diesem Fall ist das Essen aus gesundheitlichen Gründen zulässig. Unser Mitarbeiter nahm die Personalien der Dame auf und bat sie, einen Nachweis über ihre Erkrankung einzureichen. Sobald dieser vorliegt, wird das Verfahren eingestellt. Das ist die übliche Vorgehensweise in solchen Fällen. Insofern halten wir das Verhalten unseres Ordnungsdienstes nach wie vor für angemessen.“

Diese Darstellung deckt sich weitgehend mit den Angaben der Seniorin. Unmittelbar nach der Kontrolle hatte sich die Frau verärgert an die Redaktion gewandt und in einem Video-Interview den Ablauf geschildert. Zu diesem Zeitpunkt ging sie davon aus, dass sie eine Strafe zahlen müsse. Die Möglichkeit, einen Nachweis für eine Erkrankung einzureichen, erwähnte sie nicht. Hatte sie den Hinweis nicht verstanden oder haben die Kontrolleure sich nicht klar ausgedrückt? Warum akzeptierten die Kontrolleure nicht einfach die Erklärung der Frau? Das bleibt unklar.

Stadt Kamen: Für alle gelten dieselben Regeln

Die Stadt Kamen betont in der Stellungnahme, es sei den Mitarbeitern wichtig, „dass die Bürgerinnen und Bürger sowohl freundlich als auch verbindlich angesprochen werden. Sie alle sollen sich darauf verlassen können, dass für sie dieselben Regeln gelten. Es sind ja nicht nur ältere Menschen betroffen, sondern auch Raucherinnen und Raucher, Jugendliche, die lieber ohne Masken plaudern, Menschen, die gerne etwas unterwegs verzehren.“

An der Maskenpflicht will die Stadt vorerst festhalten, sie schließt aber Lockerungen nicht aus, wenn die Infektionszahlen weiter sinken und mehr Menschen geimpft sind.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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