Senior begeht Fahrerflucht und gibt Hautkrebs als Entschuldigung an

dz2100 Euro Geldstrafe

Ein 86-Jähriger beging Fahrerflucht, doch eine Zeugin notierte sich das Kennzeichen. Vor Gericht gibt der Mann an, nichts bemerkt zu haben, und begründet dies mit seiner Hautkrebserkrankung.

von Jana Peuckert

Kamen

, 02.11.2018, 13:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir hätten schon längst fertig sein können“, begann der Strafrichter im Amtsgericht Kamen am Freitag den Prozess gegen einen 86-Jährigen. Der hatte bereits im Juni auf der Anklagebank gesessen und abgestritten, einen Unfall vom 21. September vergangenen Jahres auf einem Parkplatz an der Bahnhofstraße in Kamen bemerkt zu haben.

Eine Zeugin hatte damals angegeben, den Zusammenstoß beim Einparken des Angeklagten zwar nicht gesehen, aber gehört zu haben. Als sich der Rentner einfach entfernt habe, habe sie sich das Kennzeichen gemerkt und einen Zettel an der Frontscheibe der Geschädigten hinterlassen.

Ein Gutachter hatte im Juni erklärt, der Kamener hätte den Unfall nicht sehen oder hören, ihn jedoch spüren müssen. Die Sachlage schien damals klar und der Richter wollte gerade die Beweisaufnahme schließen, als der Verteidiger des 86-Jährigen den Antrag stellte, ein medizinisches Gutachten einzuholen. Der Grund: Sein Mandant habe Hautkrebs, was ein Bemerken des Zusammenstoßes beeinträchtigt habe. Der Richter gab dem Antrag statt und setzte für Freitag einen neuen Termin an.

Die Zeugin, die den Unfall bemerkt hatte, war dieses Mal verhindert. Der Gutachter vom ersten Prozess bestätigte erneut, dass der Angeklagte den Zusammenstoß hätte wahrnehmen, also spüren müssen.

Ein medizinisches Gutachten, wie vom Verteidiger gefordert, gab es am Freitag nicht. Darauf hatte der Richter verzichtet. Aus medizinischen Unterlagen des Rentners, so die Erklärung des Vorsitzenden, habe sich ergeben, dass zwar Hautkrebs bei dem Mann vorliege, allerdings nicht an Körperstellen, die für das Wahrnehmen des Zusammenstoßes relevant seien.

Und so lautete das Urteil gegen den Kamener schließlich 2100 Euro Geldstrafe wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Zudem sprach sich der Richter für eine Sperre zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis von sechs Monaten aus. Er sei überzeugt, dass der Angeklagte den Zusammenstoß bemerkt hatte und trotzdem einfach weggefahren sei. Der Schaden am Fahrzeug des Unfallgegners in Höhe von 1376,21 Euro ist inzwischen von der Versicherung des Rentners reguliert worden.

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