Der Erste Beigeordnete Dr. Uwe Liedtke (links) und der Chef der Stadtentwässerung, Bernd-Josef Neuhaus, zeigen, wo neue Hallen gebaut werden. Darin sollen Material und Fahrzeuge unterkommen. © Marcel Drawe
Kanalarbeiten in Kamen

Selber machen und für die Bürger Geld sparen: Die Stadtentwässerung vergrößert sich

Die Stadtentwässerung in Kamen hat sich in der Vergangenheit neue Fahrzeuge und moderne Technik angeschafft. Jetzt werden gleich mehrere neue Hallen zur Lagerung gebaut.

Ein neues Sinkkastenfahrzeug für die Reinigung von Gullys, ein Fahrzeug für die Kanalunterhaltung und ein hochmoderner TV-Inspektionswagen, der mit einer speziellen Kameratechnik das unterirdische Kanalnetz untersucht. Die Flotte der Stadtentwässerung Kamen wurde in den letzten Monaten ordentlich aufgestockt. Ende 2020 kam noch ein neues Spül- und Saugfahrzeug hinzu, das ein älteres Modell ersetzt hat und im August soll dann noch ein zweites, größeres Fahrzeug dieser Arzt angeschafft werden.

Diese Spül- und Saugfahrzeuge sind, sehr vereinfacht gesagt, Kläranlagen auf Rädern. Durch einen Schlauch leiten sie Frischwasser in den Kanal und reinigen ihn dadurch. Die Rückstände werden durch einen gesonderten Schlauch aufgesaugt. Das dreckige Wasser wird noch auf dem Fahrzeug von den Rückständen befreit. Das saubere Wasser wird weiterverwendet, während die Rückstände später entsorgt werden.

Ein komplexer Vorgang, der quasi nebenbei passiert. Dass ab August zwei solcher Wagen im Einsatz sein werden, ist nicht nur praktisch, weil es in Kamens Untergrund immerhin ein rund 200 Kilometer langes Kanalnetz gibt. Die Fahrzeuge sollen außerdem für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt werden: Eins wird künftig die Kanalrohre reinigen, während das zweite die Rohre im Zuge der Inspektion durchspült und eine freie Sicht für die Kameras gewährleistet.

Stadtentwässerung in Kamen wächst technisch und personell

Die Stadtentwässerer in Kamen sind mittlerweile bestens ausgestattet – und zwar nicht nur was Material und Fahrzeuge angeht. Auch personell hat sich die Truppe vergrößert – seit 2015 hat sich die Mannschaft um Leiter Bernd-Josef Neuhaus mehr als verdoppelt. Im August sind es Verwaltungsmitarbeiter und acht technische.

Zum Vergleich: Im Jahr 2015 beschäftigte die Stadtentwässerung insgesamt sieben Mitarbeiter. Während vorher viele Aufgaben abgegeben wurden, macht die Stadtentwässerung mittlerweile vieles selbst, wie der Erste Beigeordnete Uwe Liedtke erklärt. „Das ist wirtschaftlicher.“ Das kommt letztendlich den Kamener Bürger zugute, denn dadurch sollen die Gebühren stabil bleiben.

Die Halle auf dem Bauhof, die 2012 gebaut wurde, platzt aus allen Nähten, sodass die Stadtentwässerung auch Material draußen lagern muss. Mit den neuen Hallen hat das bald ein Ende. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Was vorher für viel Geld ausgeschrieben wurde, erledigen Neuhaus und sein Team mittlerweile kurzerhand selbst – wenn es sich nicht gerade um ein Mammutprojekt wie den Nordring handelt. „95 Prozent machen wir selber“, so Neuhaus. Einen kleinen Nachteil hat die super Ausstattung aber: Es wird ganz schön eng in der Halle am Bauhof.

In der Gerätehalle steht zurzeit das große Spül- und Saugfahrzeug neben dem Sinkkastenfahrzeug. Dazwischen allerhand Material wie zum Beispiel Zement, Trittstufen für die Schächte oder auch Rattenfallen. Andere Fahrzeuge müssen draußen stehen und auch Material wurde schon ausgelagert.

Neues Gebäude für die Schwarz-Weiß-Wäsche

Das ist nicht gerade optimal, gehört aber bald zum Glück der Vergangenheit an. Frische, bereits glattgezogene Kiesflächen deuten schon auf den Bau neuer Hallen hin. Sie werden dieses Jahr fertiggestellt und kosten insgesamt 400.000 Euro. Die Neubauten dienen teils als Stellplätze für die Fahrzeuge und als Materiallager. Ein zusätzliches Gebäude wird zum Sozialraum.

Dort wird sich das Team von Neuhaus nach dem Schwarz-Weiß-Prinzip reinigen können, so wie es damals schon die Bergarbeiter in den Waschkauen handhabten. Der „schmutzige“ Arbeitsbereich kommt durch die getrennten Räume nicht mit der sauberen Kleidung in Berührung und die Mitarbeiter lassen nach ihrer Schicht frisch geduscht die Arbeitskleidung, die auch mit Keimen behaftet sein kann, hinter sich.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott
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