Sehr süß! Störche im Anflug für den Abflug nach Afrika

dzWeißstorch-Mäusejagd auf Feldern

Die Weißstörche machen sich bereit für den Abflug. Die eindrucksvollen Vögel mit dem monochromatischen Gefieder brüten erst seit wenigen Jahren im Kreis Unna. Das aber immer erfolgreicher.

Kamen

, 21.08.2019, 15:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der Westicker Straße sorgten die sieben Weißstörche, die auf dem Feld zwischen Lindenallee und Germaniastraße rasteten, am Mittwoch für Aufsehen. Selten ist eine so große Zahl der eindrucksvollen Zugvögel an einem Standort zu sehen. Klaus Klinger, Leiter der Biologischen Station im Kreis Unna-Dortmund, weiß warum. „Sie sammeln sich jetzt für ihren Rückflug nach Afrika.“ Sie organisieren sozusagen ihre Rückreise, um in wärmeren Gefilden zu überwintern. Wie manch Mensch das auch gerne tun würde.

Sehr süß! Störche im Anflug für den Abflug nach Afrika

Fertigmachen für den Abflug nach Afrika: Fast 75 Prozent der deutschen Weißstörche wählen für ihren Zug in die Überwinterungsgebiete die östliche Route, die sie über den Bosporus in der Türkei in den Nahen Osten zunächst bis in den Sudan und dann weiter nach Tansania und sogar nach Südafrika führt. © Stefan Milk

Zwei brütende Paare im Kreis Unna

Während Bilder von brütenden Störchen auf ihren Hochsitzen vor allem aus dem Münsterland und dem Kreis Soest bekannt sind, gibt es derlei Ansichten seit einigen Jahren auch im Kreis Unna zu sehen. Zurzeit gibt es zwei brütende Paare in den Lippeauen - in Lünen auf einem Hochsitz und in Werne auf einem Strommasten. Besonderheit, so Klinger: „Die Störche nutzen nicht mehr die künstlich aufgestellten Räder, sondern entwickeln Eigeninitiative, um sich eigene Plätze zu suchen.“ Dass es mittlerweile so viele Störche auch im Kreis Unna gebe, bezeichnete er als sehr erfreulich.

Sehr süß! Störche im Anflug für den Abflug nach Afrika

Idyllisches Bild in Methler. Die Störche haben nun genug Kraft gesammelt, um bald auf den Rückflug zu gehen. Die gewaltigen Entfernungen, die Störche auf ihrem Weg nach Afrika und wieder zurück nach Europa zurücklegen, könnten sie niemals im aktiven und kräftezehrenden Ruderflug bewältigen. Ähnlich wie Segelflugzeuge nutzen sie daher warme Aufwinde, die ihnen einen energiesparenden Segelflug erlauben. © Stefan Milk

Die Dürre macht auch den Störchen zu schaffen

In diesen Spätsommertagen komme es immer wieder vor, so Klinger, dass sich Menschen in der Ökostation melden, weil sie gleich ein Dutzend Störche auf einmal gesehen haben und sich fragten, was das zu bedeuten habe. Dabei gehen die Tiere auf den Feldern noch einmal auf die Jagd, um sich für die Rückreise zu stärken. Dabei steht nicht nur der Frosch auf dem Speiseplan, der erst einmal gefunden werden muss. „Sie ernähren sich auch von Würmern, Insektenlarven und selbst Mäusen“, erläutert Klinger. Dabei erschwere die Dürre dieses und auch des vergangenen Jahres die Nahrungssuche. „Wenn die Böden schon so lange trocken sind, kommen die Vögel nicht an Würmer und Insekten. Wenn die Gewässer trocken sind, gibt es weniger Amphibien.“

Sehr süß! Störche im Anflug für den Abflug nach Afrika

Auch wenn die Störche fast an der Straße stehen - per Anhalter müssen sie nicht in den Süden reisen. © Stefan Milk

Störche erobern den Kreis Unna als Lebensraum

Und trotzdem haben die Jungtiere überlebt, was laut Klinger nicht selbstverständlich sei. Denn in den ersten Jahren sei die Brut nicht immer von Erfolg gekrönt gewesen. „Es müssen viele Faktoren zusammenkommen“, erläutert der Experte. Das Brutgebiet müsse ausreichend Nahrung hergeben, auch die Witterung müsse stimmen. „Die Tatsache, dass sich die Vögel jetzt diesen Lebensraum erobern, spricht aber dafür, dass die Rahmenbedingungen grundsätzlich stimmen.“ Wichtig dabei sei, dass die Jungtiere später auch wieder in ihren angestammten Bereich zurückkehren würden. „Sie sind sehr standorttreu“, so Klinger. In diesem Jahr seien etwa ein halbes Dutzend junger Störche geschlüpft.

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Rückreise auch, weil das Nahrungsangebot kleiner wird

Jetzt geht es zunächst auf die Rückreise: „Der Storchenzug entstand während vieler Jahrtausende als eine Verhaltensanpassung an die jahreszeitlich wechselnden klimatischen Bedingungen in Europa und Afrika“, schreibt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf seiner Website. Dabei sei es weniger die Kälte als vielmehr die winterliche Nahrungsknappheit, die den langen Zug nach Afrika erfordere. Bei ihren Langstreckenflügen sind Störche im Übrigen wahre Vielflieger: In den zwei bis vier Zugmonaten legen sie laut Nabu im Durchschnitt 150 bis 300 Kilometer pro Tag zurück. Im März bzw. April kehren sie dann wieder. Und wer weiß, vielleicht rücken sie dann noch näher an Kamen heran, um hier nicht nur auf den Feldern zu landen, sondern auch zu brüten.

In Bergkamen-Heil

Die Biologische Station

  • Die Biologische Station Kreis Unna-Dortmund ist Teil des Netzwerkes der Biologischen Stationen in NRW. Sie betreibt praktisch angewandten Naturschutz vor Ort und versteht sich als Mittler zwischen den Nutzungsinteressen in Natur und Landschaft und dem behördlichen Naturschutz. Bei der Arbeit kooperiert sie eng mit dem ehrenamtlichen Naturschutz.
  • Gemeinsam mit anderen Umwelteinrichtungen hat die Biologische Station den Sitz in der Ökologiestation des Kreises Unna, einem ehemaligen Schulzenhof, in der Lippeaue in Bergkamen-Heil. Die Biologische Station befindet sich in Trägerschaft der 1985 gegründeten Naturförderungsgesellschaft für den Kreis Unna.

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