Mit dem Blinden-Langstock durch Kamen: Diese Hindernisse stehen blinden Menschen im Weg

dzMenschen mit Sehbehinderung

Frank Vehlow ist blind. Im Alltag begegnen ihm deshalb vermehrt Probleme und Hindernisse. Spezielle Bodenplatten können Menschen wie Vehlow helfen. Doch wie ist die Situation in Kamen?

Kamen

, 11.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frank Vehlow geht durch die Kamener Straßen und lässt vor sich seinen Blinden-Langstock pendeln. Die Kugel am Ende des Stocks rollt über den Boden, und der 50-Jährigen kann so ertasten, wie der Grund beschaffen ist und ob Hindernisse im Weg stehen.

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Vehlow ist stellvertretender Vorsitzender der Bezirksgruppe Kreis Unna des Blinden- und Sehbehindertenvereins Westfalen. Er sagt: „Sehbehinderte werden überall benachteiligt.“ Und tatsächlich: Nicht abgesicherte Bauschutt-Container und Baugerüste, Fahrräder mitten auf dem Gehweg und die sogenannten taktilen Bodenplatten, die immer wieder zugeparkt werden, lassen sich auch in der Sesekestadt finden.

Der Blinden- und Sehbehindertenverein

  • Der Blinden- und Sehbehindertenverein bietet Informationen, individuelle Beratungen und Treffen für Mitglieder, Angehörige und Ratsuchende.
  • Die Bezirksgruppe Kreis Unna kann unter Tel. (02307) 9 16 63 31 erreicht werden oder per Mail an kreis-unna@bsvw.de.
  • Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bsvw.de

Leitstreifen und Aufmerksamkeitsfelder

Besonders diese Bodenplatten können blinden Menschen das Leben einfacher machen. Grundsätzlich unterscheidet man dabei zwischen zwei Arten: Zum einen gibt es Platten mit einer Rillen- beziehungsweise Rippenstruktur. Diese dienen als Leitstreifen, sie führen die blinden Menschen zu bestimmten Punkten. Zum anderen werden diese Punkte durch Platten mit Noppenstruktur gekennzeichnet, die als Aufmerksamkeitsfelder dienen.

Beide Plattenarten findet man etwa vor Ampeln oder an Bushaltestellen und Bahnhöfen. Sie sollen blinden Menschen ein möglichst eigenständiges Leben ermöglichen. Diese „ertasten“ die Platten mit ihrem Blinden-Langstock, der vom Arzt verschrieben wird.

Mit dem Blinden-Langstock durch Kamen: Diese Hindernisse stehen blinden Menschen im Weg

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von taktilen Bodenplatten: Leitstreifen (Foto) führen blinde Menschen zu bestimmten Punkten. Diese werden häufig durch sogenannte Aufmerksamkeitsfelder (Noppenfelder) gekennzeichnet. © picture alliance/dpa

Taktile Leitsysteme in Kamen

Die taktilen Bodenplatten sollen auch in Kamen vermehrt zum Einsatz kommen: „In der Stadt Kamen werden seit Jahren immer dann, wenn Straßen grundhaft saniert werden (entsprechend den einschlägigen Richtlinien) taktile Leitsysteme miteingebaut“, sagt Stadtsprecher Rüdiger Büscher auf Anfrage.

Beispiele dafür gebe es im Bahnhofsumfeld, an der Germaniastraße sowie aktuell im Zuge der Baumaßnahmen am Nordring.

Mit dem Blinden-Langstock durch Kamen: Diese Hindernisse stehen blinden Menschen im Weg

Frank Vehlow (r.) ist blind. Mit seinem Blinden-Langstock kann er ertasten, wie der Boden vor ihm beschaffen ist und ob Hindernisse im Weg stehen. Dabei helfen auch die sogenannten taktilen Bodenplatten. Neben ihm steht Detlef Klafke, Leiter der Kamener Ortsgruppe des Blinden- und Sehbehindertenvereins. © Stefan Milk

Stadt sieht sich selbst „relativ gut aufgestellt“

Die Stadt habe im Vergleich zu anderen Kommunen relativ früh mit dem Einbau taktiler Bodenplatten begonnen und sehe sich selbst deshalb als „relativ gut aufgestellt“, wie Büscher sagt.

„Allerdings muss auch kritisch festgehalten werden, dass es sicherlich noch weiteren Ausbaubedarf gibt“, so der Stadtsprecher. Beispielsweise ist das Rathaus noch nicht mit einem taktilen Leitsystem ausgestattet worden. Mit Blick auf die Haushaltskonsolidierung können solche Vorhaben laut Büscher aber auch nur dann umgesetzt werden, wenn generelle Baumaßnahmen durchgeführt werden.

Mit dem Blinden-Langstock durch Kamen: Diese Hindernisse stehen blinden Menschen im Weg

Die Enden der Blinden-Langstöcke kommen in verschiedenen Formen und Größen daher. Die Betroffenen können das Modell aussuchen, mit dem sie am besten zurechtkommen. © Stefan Milk

Probleme beim barrierefreien Busverkehr

Probleme bahnen sich beim barrierefreien Busverkehr an. Bis 2022 soll der Busverkehr barrierefrei sein, so sieht es das Personenbeförderungsgesetz vor. Doch ob dieses Vorhaben zeitgerecht umgesetzt werden kann, bleibt fragwürdig, „da die Stadt Kamen, wie alle Kommunen im Kreis, weder die dazu notwendigen finanziellen sowie personellen Ressourcen aufbringen kann“, so Büscher. Gutachter teilten die Haltestellen im Stadtgebiet deshalb in zwei Kategorien ein, die je nach Dringlichkeit angegangen werden sollen. Bis Ende 2020 sollen die dringlichsten Fällen abgearbeitet sein, für die bereits Fördergelder beantragt wurden.

Für Menschen mit Sehbehinderungen wäre hingegen schon ein großer Schritt getan, wenn die sehende Bevölkerung mehr Rücksicht nimmt. Das Minimium sollte jedenfalls sein, dass taktile Bodenplatten nicht einfach zugestellt oder zugeparkt werden.

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