Schwupp und weg: Was Bus- und Bahnbetreiber zur Airpodemie sagen

dzDrahtlose Kopfhörer

Drahtlose Kopfhörer fürs Smartphone sind ein Verkaufshit. Doch die Sound-Stöpsel haben ihre Tücken und gehen leicht verloren. Ist die Airpodemie schon in den Bussen und Bahnen angekommen?

Kamen, Dortmund

, 18.09.2019, 14:06 Uhr / Lesedauer: 3 min

Manchen Menschen wachsen scheinbar weiße Stummel aus den Ohren. Die kleinen drahtlosen Kopfhörer machen sich beim Telefonieren und Musikhören mit dem Smartphone nützlich. Airpods (vom Marktführer Apple), Galaxy Buds (Samsung) oder Freebuds (Huawei) verbreiten sich mit wachsenden Verkaufszahlen immer weiter.

Bei allem Spaß über den Musikgenuss ohne Kabelsalat nagt an den Besitzern die Sorge, dass die nur 4 Zentimeter langen Airpods früher oder später wegflutschen und verloren gehen. Sie sind eben doch nicht so im Ohr festgewachsen, wie sie aussehen. Marktführer Apple bewirbt die drahtlose Freiheit, die die kleinen Dinger versprechen, kennt aber auch die Verlustgefahr: Eine Suchfunktion ist in Airpods eingebaut. Verlorene Kopfhörer lassen sich auf einer Karte anzeigen und man kann sie einen Ton abspielen lassen.

Schwupp und weg: Was Bus- und Bahnbetreiber zur Airpodemie sagen

Apples Drahtlos-Kopfhörer AirPods gelten als zweiterfolgreichste Verkaufshit seit dem iPhone. Derzeit ist die zweite Generation auf dem Markt. © picture alliance / dpa-tmn

Trendige und teure Teile sind leicht zu verlieren

Nicht nur bei Twitter machen sich die #lostairpods bemerkbar. „Weiß, winzig – und weg“, schrieb kürzlich die Süddeutsche Zeitung über den Fluch und Segen der In-Ear-Phones. Zuvor widmete das Wall Street Journal dem Massenphänomen einen Artikel. „Love ’Em and Lose ’Em“, hieß es. Liebe oder verliere sie. Mitarbeiter der New Yorker U-Bahn müssen vermehrt Airpods aus dem Gleisbett holen. Offenbar ist die Gefahr, die trendigen und teuren Teile (ab 179 Euro pro Paar) beim Ein- und Aussteigen in den Zug zu verlieren, nicht zu unterschätzen.

Bus und Bahn

Hier bekommt man Fundsachen wieder

  • Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU):https://www.vku-online.de; Servicezentrale „Fahrtwind“, Kirchstraße 2b, Kamen, Tel. (01806) 504030, geöffnet montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr.
  • Stadt Kamen. Fundbüro, Rathaus, Tel. (02307) 148-0, geöffnet montags bis freitags ab 7.30 Uhr, montags bis 16.30 Uhr, dienstags, mittwochs und freitags bis 13 Uhr und donnerstags bis 17 Uhr, www.kamen.de
  • Abellio (z.B. RE11/RRX): „Insel“ Verkehr & Touristik (Fundbüro), Willy-Brandt-Platz, Hamm, Tel. (0800) 223 5546, geöffnet montags bis freitags, 8 bis 18.45 Uhr, samstags 9 bis 16.30 Uhr, www.abellio.de
  • Deutsche Bahn/National Express:www.fundservice-bahn.de, Tel. (0900) 1990599
  • DSW 21 (Dortmunder Stadtbahnen/Busse): Stadtbahnlinien U43 und U44, Tel. (0231) 955-4145; übrigen Stadtbahnlinien, Tel. (0231) 955-4744; Busse, Tel. (0231) 955-4468, www.dsw21.de
    Eurobahn:www.eurobahn.de, Tel. (0800) 38762246.

Die Frage, ob die Airpodemie auch schon im östlichen Ruhrgebiet mit auffälligen Verlusten einhergeht, führt zu den Nahverkehrsbetreibern und ihren Fundsachen. Im Kreis Unna sind die Busse der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) unterwegs. Dort bleiben überwiegend Geldbörsen, Tickets, Regenschirme, Sportbeutel, Mützen, Schals (sobald es kalt wird), Jacken und Handys liegen. „Kopfhörer kommen eher selten vor“, sagt Sprecherin Inga Fransson. „Anfragen zu In-Ear Kopfhörern gab es in letzter Zeit vielleicht dreimal, und einmal konnten auch welche bei Fahrtwind in Kamen abgeholt werden.“ Dort lagern derzeit 60 Teile.

10 bis 20 Fundsachen täglich bei DSW21

Aus den Bussen und Bahnen der Dortmunder Stadtwerke (DSW21) werden täglich rund zehn bis 20 Gegenstände abgegeben. „Darunter befinden sich unter anderem auch Kopfhörer. Dass diese vermehrt vergessen werden, können wir allerdings nicht beobachten“, erklärt DSW21-Sprecher Marc Wiegand. Die Spanne der Fundsachen variere je nach Jahreszeit ein wenig. Zusätzlich zu den von der VKU genannten Dingen zählt er noch Handtaschen, Rucksäcke, Schlüssel auf und „mitunter“ auch Fahrräder und Gehhilfen.

Schwupp und weg: Was Bus- und Bahnbetreiber zur Airpodemie sagen

Sarah Paul (l.) und Dilan Karacelik hüten Fundsachen in der Servicezentrale der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) in Kamen. © VKU

Keine Fundsachen-Versteigerung mehr bei Abellio

Vorsicht mit den Airpods an der Bahnsteigkante: Am Kamener Bahnhof halten unter anderem die neuen RRX-Züge der Linie RE11. Julia Limia y Campos vom Betreiber Abellio hat in den Kundencentern in Hagen (mehr als 450 Fundsachen vorrätig) und Remscheid (10 Fundstücke) erfragt, dass derzeit keine Airpods vorhanden sind. Kopfhörer seien nur ab und zu da. Die Chance, die schicken Sound-Stöpsel bei einer Fundsachen-Versteigerung zu ergattern, besteht allerdings nicht mehr. „Diese Versteigerung verfolgen wir unter anderem aufgrund der DSGVO nicht weiter.“

„Kopfhörer mit und ohne Kabel wurden auch schon in unseren Bahnen vergessen.“
Nicole Pizzuti, Eurobahn

In den Eurobahn-Züge (RB59/RE13, u.a. Unna und Holzwickede; RE3, u.a. Kamen) bleiben auch schon mal Notebooks am Sitzplatz zurück, wie Nicole Pizzuti vom Betreiber Keolis weiß. „Kopfhörer mit und ohne Kabel wurden auch schon in unseren Bahnen vergessen. Einen Anstieg diesbezüglich können wir zurzeit nicht feststellen“, erklärt sie.

Weniger Kopfhörer bei der Deutschen Bahn erfasst

Handys werden nach eigenen Angaben bei der Deutschen Bahn (u.a. RE1 mit Halt in Kamen und Dortmund) am häufigsten als Fundsachen erfasst. Insgesamt registriert die DB bundesweit jährlich 250.000 Gegenstände – regional könne man das nicht aufschüsseln, heißt es in der Düsseldorfer Pressestelle. „Wir verzeichnen bei Kopfhörern jedoch eine rückläufige Erfassung. Im Zeitraum Januar bis September 2019 wurden ca. 350 Kopfhörer in den DB-Fundstellen registriert. 2018 wurden im gleichen Zeitraum ca. 450 Kopfhörer erfasst“, so Sprecherin Désirée Reifschneider. Die DB verwaltet auch die Fundsachen aus National-Express-Zügen (u.a. RE7 mit Halt in Unna und Holzwickede).

In den Ohren unehrlicher Finder?

Das Fazit der Stichprobe: Falls überhaupt vermehrt Airpods und Artgenossen in den Bahnen und Bussen liegen blieben, spiegelt sich das nicht in den Zahlen der Fundbüros wieder. Auch im Fundbüro der Stadt Kamen sind derzeit keine Kopfhörer vorhanden. Was wiederum zu Spekulationen führt, ob eine wachsende Zahl verlorener Airpods vielleicht jetzt in den Ohren unehrlicher Finder steckt. Bernd Pentrop von der Kreispolizei in Unna hat noch nicht gehört, dass jemand Airpods oder andere Kopfhörer als unterschlagene Fundsachen anzeigte. Pentrop besitzt selbst Airpods und weiß, wie man sie garantiert nicht verliert. „Ich benutze sie nicht“, sagt er.

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