Corona-Dilemma: VKU-Kunde will nicht zum Ticketshop schwarzfahren

dzVKU

Bernd Skiba ist als Senior auf den Bus angewiesen. Weil Busfahrer wegen der Coronakrise keine Fahrkarten mehr verkaufen und in seinem Ort kein Ticketshop existiert, weiß der 83-Jährige nicht weiter.

Kamen

, 19.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das ist ein Unding, so etwas muss man doch vorbereiten“, ärgert sich Bernd Skiba. Der 83-jährige Methleraner steht vor einem Problem. In Methler kann er keine Bustickets kaufen und beim Busfahrer wegen der Coronakrise nun auch nicht. „Ich möchte aber auch nicht schwarzfahren“, sagt der Rentner.

Skiba muss nach Kamen-Mitte, wenn er zum Arzt möchte. Und das war jüngst der Fall. Aus Ratlosigkeit habe er die VKU angerufen. Dort habe man am Telefon zugegeben, dass Skibas Lage problematisch sei, er jedoch nur im Kamener Zentrum ein Ticket kaufen könne – oder über die VKU-App.

Jetzt lesen

Die hat Skiba jedoch nicht. Und ins Zentrum brauche er zu Fuß 50 Minuten – weshalb er ja mit dem Bus dorthin fahren wolle. „Ich bin ein alter Mensch, wie soll ich mir helfen? Soll ich jetzt mit dem Taxi nach Kamen fahren?“ fragt sich Skiba.

Viele ältere Menschen fahren offenbar ohne Ticket mit dem Bus

Und er sei nicht der einzige, der vor diesem Problem stehe. In der Nachbarschaft wohnten viele Senioren, die nicht mit dem Auto fahren können und ebenfalls keine VKU-App haben. „Von einigen weiß ich, dass sie schwarzfahren. Ich will das nicht“, sagt Skiba, der etliche Bustickets vorlegen kann, die einerseits beweisen, dass er oft mit dem Bus fährt und andererseits, dass er immer ein Ticket kauft.

Der Methleraner Bernd Skiba ist auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen und kauft für jede Fahrt ein Ticket. Dass das nun einfach nicht mehr geht, stimmt ihn ratlos.

Der Methleraner Bernd Skiba ist auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen und kauft für jede Fahrt ein Ticket. Dass das nun einfach nicht mehr geht, stimmt ihn ratlos. © Marcel Drawe

Eine klare Antwort hat die VKU auf das Problem nicht. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die Verkehrsgesellschaft schnell handeln musste, um gegen die Verbreitung des Coronavirus anzugehen. Die Bereiche, in denen die Fahrer sitzen, sind mit Flatterband abgesperrt, Fahrgäste dürfen nur noch hinten einsteigen, die Fahrer verkaufen keine Tickets mehr und kontrollieren auch nicht.

Jetzt lesen

Das motiviert den ein oder anderen ganz offensichtlich dazu, ohne Ticket zu fahren – so wie Skiba es auch von anderen gehört hat. Doch die VKU sagt deutlich, dass das nicht erlaubt ist: „Der Busverkehr ist auch unter den aktuellen Umständen nicht kostenfrei. Daher verweisen wir nach Möglichkeit auf die App“, so die offizielle Stellungnahme zu den vermehrt aufkommenden Nachfragen zu den Ticketkontrollen in Zeiten des Coronavirus.

Die VKU zeigt sich kulant, wenn jemand kein Ticket kaufen kann

Was genau ältere Menschen wie Bernd Skiba aber tun sollen, wenn sie kein Ticket erwerben können, weiß die VKU offenbar auch nicht so genau. „Wenn Fahrgäste nicht über die fahrtwind-App verfügen oder ihnen der Ticketerwerb über eine Vorverkaufsstelle nicht möglich ist, wird sich die VKU kulant zeigen und die Fahrt dennoch ermöglichen“, heißt es weiter in der Stellungnahme.

Welche Vorverkaufsstellen es gibt, steht auf der Internetseite der VKU. In Methler gibt es Tickets in der Lottoannahmestelle von Thomas Gatter an der Germaniastraße 55. Das allerdings erst seit rund zwei Monaten, weshalb manche Methleraner das vielleicht noch gar nicht wissen. Gatter bietet Einzeltickets, aber auch Tagestickets etc. an. In den ersten zwei Monaten habe kaum jemand ein Ticket gekauft, sagt Gatter. „Jetzt steigt die Nachfrage“.

Jetzt lesen

Doch auch wenn Skiba dort kein Ticket kaufen kann, muss er nicht mit dem Taxi fahren oder eine Wanderung nach Kamen antreten. Er wird in jedem Fall mitgenommen. Wie der Rentner für die Fahrt bezahlen kann, das weiß sonst sicherlich auch der Busfahrer.

VKU

Tickets per App

  • Zur Eindämmung des Coronavirus werden in VKU-Bussen nur noch die hinteren Türen der Busse zum Ein- und Ausstieg genutzt. Vorläufig wird es auch keinen Ticketverkauf mehr beim Fahrpersonal geben.
  • Fahrgäste mit Beeinträchtigungen können weiterhin auf die Hilfe und Unterstützung seitens des Fahrpersonals zählen.
  • Die Busse fahren vorläufig nach dem „Ferienfahrplan, es entfallen Fahrten, die im Plan mit einem „S“ gekennzeichnet sind.
  • Weitere Auskunft zum Thema gibt es bei der kreisweiten Servicezentrale „fahrtwind“ unter Tel. (0800) 3 50 40 30 (elektronische Fahrplanauskunft, kostenlos) oder (0180) 6 50 40 30 (personenbediente Fahrplanauskunft) oder im Internet unter www.fahrtwind-online.de oder über die fahrtwind-App.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Hellmig-Krankenhaus Kamen
Tödliche Behandlungsfehler? Wernerin (71) glaubt, dass ihr Partner noch leben könnte
Hellweger Anzeiger Volker Rost
Humor tut jetzt gut: Gedichte eines Kamener Feuerwehrmannes laden zum Schmunzeln ein