Schulhausmeister verfolgt Schläger durch die Kamener City

dzErneute Gewalttat

Ein Schulhausmeister bekommt nach Feierabend mit, wie ein Junge auf offener Straße um Hilfe ruft. Großer Schreck: Es ist der eigene Sohn, der gerade verprügelt wird. Der Vater nimmt die Verfolgung des Täters auf.

Kamen

, 15.01.2020, 15:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schulhausmeister Gerd B.* spricht ruhig und sachlich über das, was er am Dienstag mit eigenen Augen gesehen hat. „Mein Sohn ist verprügelt worden“, sagt der 60-Jährige. Die Öffentlichkeit solle erfahren, unter welchen erschreckenden Umständen das passiert ist.

Der Mitarbeiter der Stadtverwaltung hat am Dienstag um kurz nach 17 Uhr Feierabend gemacht, als er den Schulhof der Josefschule am Schwesterngang in Kamen verlässt. Er hört einen Jungen rufen, so schildert er es, dann sieht er, dass der Ruf von seinem 13-Jährigen Sohn kommt. Der Junge ist in Höhe des Parkstreifens vor der Schule von fünf Jugendlichen umringt.

„Was ist los?“, ruft B. nach eigenen Worten. Er sieht, so schildert er es, wie einer der Jugendlichen – schwarze Jogginghose, schwarzes Oberteil, dunkle Jacke – seinen Sohn ins Gesicht schlägt. B. zückt zum Beweis für die entstandene Verletzung sein Handy und zeigt ein Foto. Darauf ist sein Sohn, 13 Jahre alt, mit geschwollener linker Gesichtshälfte zu sehen.

Auf dem Rückweg vom Konfirmandenunterricht

Der Gesamtschüler ist gerade auf dem Nachhauseweg vom Konfirmandenunterricht im evangelischen Gemeindehaus. Die Begegnung mit dem Vater ist ein Zufall, wie aus Bs Schilderung hervorgeht. Als die fünf Jugendlichen den Zeugen sehen, lassen sie von dem Opfer ab und gehen weg in Richtung Pauluskirche.

Aber B. will die Gruppe nicht davonkommen lassen. Er setzt den nicht schwer verletzten Sohn in sein Auto, das neben der Schule parkt, und fährt in die Richtung, in die die Gruppe geflüchtet ist. Als er die Jugendlichen wieder sehen kann, stoppt er den Wagen, bittet seinen Sohn zu warten, steigt aus und nimmt die Verfolgung auf.

Schulhausmeister verfolgt Schläger durch die Kamener City

Der mutmaßliche Angriff auf den 13-jährigen Schüler geschah am Dienstagnachmittag. © Marcel Drawe

Verfolgung führt bis zum Weststraße

Über Kirchplatz, Kirchstraße und Marktplatz geht es bis zur Weststraße. Zwischenzeitlich bemerken die Jugendlichen den Verfolger, denn sie verschwinden im Geschäft „Ernsting‘s Family“. Es sind jetzt nur noch vier Jugendliche, einer habe sich abgesetzt, so B..

Der Zeuge stellt die Jugendlichen im Laden zur Rede und gibt ihnen zu verstehen, dass die Polizei kommt. Der mutmaßliche Schläger drückt sich an B. vorbei, sodass noch drei Jugendliche übrig bleiben. Sie sagen dem Vater, dass sie nicht zugeschlagen hätten. Die Polizisten erscheinen und nehmen eine Strafanzeige wegen Körperverletzung auf.

Tatverdächtiger ist 13 Jahre alt

Der mutmaßliche Schläger verschwand zwar, ist aber inzwischen von der Polizei identifiziert worden. Das sagt Polizeisprecherin Vera Howanietz. Der Verdächtige ist ein 13-jähriger Kamener mit ägyptischer Nationalität. Seine Begleiter, die von der Polizei als Zeugen geführt werden, sind ebenfalls Kamener. Alle sollen weiterführende Schulen in Kamen besuchen – die Haupt- und die Realschule.

B. sagt, dass sein Sohn die anderen Jugendlichen nicht gekannt habe. Sein Sohn habe ihm erzählt, dass er der Gruppe begegnet sei und unvermittelt geschlagen worden sei. „Ich habe dann wohl den zweiten Schlag gesehen“, vermutet B., der keinen Grund hat, an den Schilderungen seinen Sohns zu zweifeln. Bei der Verfolgung der Jugendlichen will der Vater gehört haben, wie der mutmaßliche Schläger regelrecht mit dem Schlag geprahlt habe. B. erschreckt die offenbar grundlose Gewalt. Die Polizei hat Ermittlungen wegen Körperverletzung eingeleitet.

Vierte Gewalttat seit Sonntagabend

Der mutmaßliche Angriff auf den 13-Jährigen durch Gleichaltrige ist der vierte Fall von Straßenkriminalität, der seit dem Wochenende bekannt wurde. Zunächst war am Sonntagabend ein 62-Jähriger auf einem Fußweg zwischen Goldbach und Ostring beraubt worden. Am Montagabend wurden zwei Frauen überfallen – eine 32-Jährige in der Straße „Im Grund“ und eine 54-Jährige auf der Weststraße. Zeugen sollen sich unter Tel. (02307) 921-3220 melden.

*vollständiger Name der Redaktion bekannt
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