Schüler nehmen Nazi-Zeit in den Blick: Wenn aus Stolpersteinen Stolperstimmen werden

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Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig sind bekannt. Jetzt kommen auch noch Stolperstimmen dazu. Diese haben Gesamtschüler gesammelt, die sich mit der Nazi-Zeit beschäftigten.

von Jonas Dresemann

Kamen

, 29.01.2020, 11:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stolpersteine, die in Kamen an die Opfer des Holocausts errinnern. Eine Initiative des Künstlers Gunter Demnig, die nun an der Kamener Gesamtschule eine Variation erhält – mit dem Projekt ,,Stolperstimmen“.

,,Der Name Stolperstimmen ist von den in Kamen verlegten Stolpersteinen abgeleitet, die Geschichten über die jüdischen Opfer erzählen“, berichtet Religionslehrerin Rita Lischewski, die das Projekt zusammen mit Geschichtslehrer Daniel Füller betreut und mit dem Projektkurs und dem Geschichts-Leistungskurs des Abiturjahrgangs in die Tat umsetzt - im Rahmen des neuen Projekts „Freiheit und Demokratie“.

Schüler nehmen Nazi-Zeit in den Blick: Wenn aus Stolpersteinen Stolperstimmen werden

Berührende Momente, als die Schüler Texte vorlesen, die von den Schrecken der NS-Zeit berichten. © Marcel Drawe

Schüler berichten über ihren Besuch in Auschwitz

Zu besichtigen sind die Resultate des Projekts am Montag in der Pausenhalle der Gesamtschule. An einem Stand berichten die Schüler und Schülerinnen von ihrer Schulfahrt zur KZ-Gedenkstätte Auschwitz, die jedes Jahr stattfindet. Die Schüler, die freiwillig teilnahmen, zeigen jetzt an dem Stand Bilder von ihrem bewegenden Erlebnis und reflektieren, was sie von dort mitgenommen haben.

Nachgeblättert werden kann in dem Buch ,,Der Holocaust als Comic“, in dem Geschichten des Holocausts in ungewohnter Form dargestellt sind. Zu sehen sind auch Bilder, auf denen Kamener Stolpersteine zu sehen sind. Auf Plakaten werden Einzelschicksale von Juden dargestellt, die in Kamen lebten und Opfer des Holocausts waren.

Schüler nehmen Nazi-Zeit in den Blick: Wenn aus Stolpersteinen Stolperstimmen werden

Geschichtslehrer Daniel Füller stellt das Projekt „Stolperstimmen“ vor. Zahlreiche Schüler sammelten sich in der Pausenhalle, um sich mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. © Marcel Drawe

Enkel eines Opfers zu Besuch in der Ausstellung

Eines dieser Einzelschicksale ist der Kamener Walter Joseph. Er wurde durch die Nationalsozialisten ermordet und ist auf einem Stolperstein in Kamen verewigt. Zu Gast ist an dem Tag sein Enkel Dietmar Joseph. Wie am Tag zuvor im Haus der Stadtgeschichte, spielt er vor den Schülern Musikstücke, die einst im Konzentrationslager Theresienstadt gespielt wurden. Danach wird er von den Schülern interviewt.

Der freiberufliche Pianist, so sagt er, hat sich sehr über die Einladung gefreut. Er berichtet, dass er schon vorher in einer sechsten Klasse zu Besuch war und nicht damit gerechnet hatte, auf solch informierte Schüler zu treffen. ,,Das fand ich richtig toll“. Sein wichtigster Appell: ,,Mir ist es wichtig, dass diese Geschichte nicht vergessen wird und so etwas auch nicht noch einmal passiert.“ Und er fügte an: ,,Es darf nie wieder so eine Fremdenfeindlichkeit geben“.

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„Wichtig, dass über konkrete Schicksale gesprochen wird“

Pfarrer Meinolf Wacker von der Kath. Gemeinde, der sich ebenfalls das Projekt angeschaut hat, ist begeistert vom Werk der Schüler. Laut eigenen Aussagen fährt er jedes Jahr zusammen mit Hauptschülern nach Auschwitz, und es berühre ihn jedes Mal erneut.

Er findet es richtig, dass auch mal über ,,konkrete Schicksale“ gesprochen wird, statt nur abstrakt zu bleiben. Das berühre ihn und auch die Schüler. Er erhofft sich, Kontakt zwischen Kamener Gesamtschule und Kamener Hauptschule herzustellen, damit die Schüler gemeinsam darüber sprechen.

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Rassismus auch heute noch ein weit verbreitetes Problem

Auf die Frage, was man mit dem Projekt Stolperstimmen erreichen will, antwortet Leiterin Rita Lischewski: ,,Wir wollen natürlich darauf aufmerksam machen. Anlässlich des 75. Gedenktags war dies auch ein guter Zeitpunkt. Das Motto der Schule lautet ja auch: Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“.

Tatsächlich kam der Gedanke des Projekts eher spontan, vor allem durch Gespräche und durch den Unterricht sei man auf die Idee gekommen. Auch Schülerinnen sagten, dass die Hoffnung darin bestehe, Menschen aufmerksam zu machen und an die Opfer zu denken, sodass diese nicht vergessen werden. Denn Rassismus sei auch heute noch ein weit verbreitetes Problem.

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