Schlagloch sei Dank: Bürger beenden hartnäckigen Kampf um Tempo 30 zunächst erfolgreich

dzBrameyer Straße

Jetzt endlich Tempo 30 an der Brameyer Straße. Anwohner haben einen Erfolg im Kampf um reduziertes Tempo errungen. Doch die aufgestellten Schilder sind nur ein Provisorium.

Kamen

, 02.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Kampf um Tempo 30 auf der Brameyer Straße endet für die dortigen Anwohner erfolgreich. Allerdings nicht so, wie es eigentlich geplant war. Bei den Schildern, die nun in Werves ländlichem Wohngebiet postiert worden sind, handelt es sich um Provisorien und nicht um eine Dauerlösung. Das Tempo soll dort so lange gedrosselt bleiben, bis die Straße saniert wird. Nur kurzzeitig werden die Tempo-30-Schilder, die ein entsprechendes Zusatzschild mit Bezug auf die Straßenschäden haben, aber dennoch nicht dort stehen. Denn es kann noch Jahre dauern, bis die Bauarbeiten beginnen.

Keine Möglichkeit, Tempo 30 dauerhaft anzuordnen

Der Stadt lag die Forderung eines Anwohners, der nun eine mehrseitige Bürgerbeschwerde an das Rathaus sandte, schon seit geraumer Zeit vor. Sein Ziel: Eine dauerhafte Tempo-30-Regelung auf dem Teilstück zwischen Einmündung Schillerstraße und der Eisenbahnlinie, um mehr Lebensqualität durch weniger oder langsameren Verkehr zu erreichen. „Es gab aber keine verkehrsrechtliche Möglichkeit, dieses dort anzuordnen“, erläuterte Bürgermeisterin Elke Kappen jüngst in einem Haupt- und Finanzausschuss. „So greifen wir nun auf eine kreative Lösung zurück, um Tempo 30 doch zu ermöglichen.“

Die Schäden auf der Straße seien deutlich zu erkennen, sodass man vorerst Abhilfe schaffen könne. Ähnlich wie es die Stadt auf der Hammer Straße und auch auf dem Nordring bis zur Sanierung gehandhabt hat.

An der Werver Mark könnte ein Nachtfahrverbot für Lastwagen verhängt werden. Eine entsprechende Forderung von Bürgern und Politikern wird zurzeit geprüft.

An der Werver Mark könnte ein Nachtfahrverbot für Lastwagen verhängt werden. Eine entsprechende Forderung von Bürgern und Politikern wird zurzeit geprüft. © Stefan Milk

Harte Worte im Kampf um mehr Lebensqualität

Im Kampf ums reduzierte Tempo waren zuvor harte Worte gefallen. So warf Anwohner Werner Theymann der Stadtverwaltung „fast krankhaft zusammenhangsloses Denken und ein sich anmaßendes Handeln“ vor. Statt Bürgernähe gebe es vielmehr eine „Bürgerabwehr bis zur Aufforderung, Klage zu erheben.“ Hintergrund für den Verdruss: Die Ortspolitiker von SPD und CDU hatten bereits 2017 dazu angeregt, zu prüfen, ob eine Drosselung des Tempos in dem Bereich möglich ist. Lange Zeit tat sich indes nichts, jedenfalls nicht öffentlich sichtbar.

Die Stadtverwaltung bestreitet vehement, dass sie den Sachverhalt nicht ausreichend geprüft habe. „Die von dem Beschwerdeführer vorgelegten Bürgeranregungen wurden sachgerecht behandelt und bearbeitet“, heißt es in der Beschlussvorlage, die genau wie die Bürgerbeschwerde über das Ratsportal im Internet abrufbar ist.

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Seit 1989 Tempo von 100 auf 50 gedrosselt

Die Erklärung der Stadtverwaltung, warum dort Tempo 30 nicht dauerhaft eingerichtet werden kann, lautet folgendermaßen: „Das betreffende Teilstück (...) befindet sich teilweise innerhalb und außerhalb geschlossener Ortschaften. Die außerhalb geschlossener Ortschaften grundsätzlich geltende Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h wurde aufgrund der besonderen örtlichen Umstände bereits im Jahr 1989 für das Teilstück mit angrenzender Wohnbebauung auf 50 km/h begrenzt“ heißt es. Zusätzlich sei der Einmündungsbereich Brameyer Straße/Schillerstraße „baulich geschwindigkeitsmindernd angepasst“ worden. Für eine weitere Geschwindigkeitsbegrenzung müsste eine konkrete und besondere Gefahrenlage vorliegen. „Statistisch und auch in Abstimmung mit der Polizei ist dies an dem Standort nicht gegeben“, heißt es. Aus diesem Grund könne eine Tempobegrenzung auf diesem Teilstück der Brameyer Straße nicht erfolgen bzw. sei sie nicht zulässig.

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Auch eine Fahrradstraße ist dort nicht möglich

Auch der Forderung der Anwohner, dort eine Fahrradstraße einzurichten, könne nicht gefolgt werden, heißt es im Rathaus, „da in Fahrradstraßen grundsätzlich Tempo 30 gilt“. Zu beachten sei zudem, dass für die Einrichtung einer Fahrradstraße der Radverkehrsanteil auf der betreffenden Straße höher sein sollte, als der Anteil des Pkw-Verkehrs. „Dies ist hier nicht der Fall und es ist auch nicht absehbar, dass sich diese Anteile deutlich verändern oder sogar umkehren werden“, so die Einschätzung aus dem Rathaus.

Auch an der Schillerstraße, die in Nachbarschaft zur Brameyer Straße liegt, gibt es Klagen über den Straßenverkehr, vor allem über Lastwagen, die dort nicht fahren dürfen.

Auch an der Schillerstraße, die in Nachbarschaft zur Brameyer Straße liegt, gibt es Klagen über den Straßenverkehr, vor allem über Lastwagen, die dort nicht fahren dürfen. © Stefan Milk

Verkehr bringt Bürger in Fahrt - in sprichwörtlichem Sinne

Auch in der direkten Nachbarschaft gibt es Unmut über die Verkehrssituation. An der Schillerstraße, in die die Brameyer Straße in einer Kurve mündet, meldeten sich Anwohner zu Wort. Ursache für den Ärger ist vor allem jener Lkw-Verkehr, der dort eigentlich nicht fahren darf. Die Straße ist für bestimmte Lkw-Gespanne, länger als zehn Meter, eigentlich Tabu. Bereits ab vier Uhr morgens rollen die ersten Laster an den Häusern vorbei. „Wenn man gerade versucht, Schlaf zu bekommen, regt man sich nur noch auf“, schilderte Anwohner Philipp Daubert im Gespräch mit der Redaktion.

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Eine ähnlich unbürokratische Lösung wie jetzt an der Brameyer Straße ist dort allerdings nicht in Sicht. Möglicherweise helfen könnte ein Nachtfahrverbot für Lastwagen, das zurzeit für die Werver Mark geprüft wird – ebenso nach hartnäckig formulierten Forderungen des Anwohners Peter Streich.

Der Verkehr in Heeren-Werves Osten bringt die Bürger auch im sprichwörtlichen Sinne in Fahrt.

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