Nachtruhe gestört

Schlaflos in Kamen: Kontroverse Diskussion über einen kranken Mann

Ein offenbar kranker Mann stört einige Kamener in ihrer Nachtruhe. Ein Facebook-Beitrag hat eine kontroverse Diskussion um den Umgang mit ihm ausgelöst.
Die Selbstgespräche und Schimpftiraden eines Mannes auf seinen nächtlichen Streifzügen stören einige Kamener in ihrer Nachtruhe (Symbolfoto). © picture-alliance / dpa/dpaweb

Seit langer Zeit schon, sagt Marcus Witt, ende die Nacht für ihn deutlich früher als gewünscht. Ein Mann fahre nachts auf dem Fahrrad durch die Bogenstraße und wecke ihn mit seinen Schimpftiraden regelmäßig zwischen 4 und 5 Uhr auf.

Witt schildert den Vorgang nicht nur gegenüber unserer Redaktion, sondern auch in der Facebook-Gruppe „Du bist ein Kamener wenn…“. Sein Beitrag zieht über 100 Kommentare nach sich und die Meinungen gehen weit auseinander.

Neben Zustimmung weisen manche Nutzer darauf hin, dass der Mann offenkundig krank sei, Selbstgespräche führe und niemanden etwas tue. „Sich hier das Maul zu zerreißen statt mal auf die Leute zuzugehen und zu fragen, ob sie Hilfe benötigen, find ich noch viel schlimmer“, kommentiert etwa Mirko Kunitz.

„Bis die Polizei kommt, ist der doch längst in Bergkamen“

„Ich will nur meinen Schlaf haben“, sagt hingegen Marcus Witt und deshalb habe er schon einmal die Polizei angerufen. Das habe aber nichts gebracht. „Die meinten, ich solle anrufen, wenn er gerade mal da ist. Aber bis die Polizei rauskommt, ist der doch längst in Bergkamen.“

Die Polizei sagt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass es seit Mai keinen Einsatz mehr an der Bogenstraße wegen Ruhestörung gegeben habe. Die originäre Verantwortung für derlei Einsätze liege ohnehin beim städtischen Ordnungsamt. Außerdem gibt Polizeisprecher Christian Stein zu bedenken: „Wenn die Person krank ist, handelt sie nicht schuldhaft. Wenn eine Krankheit vorliegt, kann derjenige nichts dafür, dass er für eine Ruhestörung sorgt.“

Stadt appelliert: „Nicht auf Facebook das Maul zerreißen“

Die Stadt betont auf Anfrage wiederum den Persönlichkeitsschutz, der es verbiete, zu einem konkreten Einzelfall öffentlich Stellung zu nehmen. Sprecher Rüdiger Büscher erklärt aber, dass der Ordnungsdienst solchen Fällen grundsätzlich nachgehe, wenn er von einer Ruhestörung erfahre. Diese gebe es gerade in der Innenstadt nachts regelmäßig, etwa auch durch alkoholisierte Kneipenbesucher.

„Die Anwohner haben ein Recht auf Nachtruhe, aber wenn der Ruhestörung ganz offensichtlich eine Krankheit zugrunde liegt, ist der Mann dafür nicht unbedingt verantwortlich zu machen“, so Büscher weiter.

Wenn der Stadt ein Verdacht einer Persönlichkeitsstörung nahegebracht werde, „dann prüfen wir zum Beispiel, ob es eine Betreuungsperson gibt oder ob eine Betreuung oder Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung notwendig ist.“ So etwas erfordere immer eine Einzelfallprüfung, betont der Stadtsprecher.

An die Öffentlichkeit richtet er diesen Appell: „Anstatt sich auf Facebook das Maul zu zerreißen, melden Sie einen solchen Fall, wenn jemand offenkundig Hilfe braucht, bitte beim Ordnungsdienst oder bei der Polizei.“

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