Schauspieler Timothy Peach in Bestform: Jubel für turbulentes Stück in der Konzertaula

dzTheater in Kamen

Aus der geplanten Stunde Ruhe mit dem Sensations-Fundstück aus Vinyl wird nichts. Rund um die Jazz-Scheibe, die Michel auflegen will, zerbricht in kürzester Zeit sein geordnetes Leben.

Kamen

, 06.12.2019, 10:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lautstark brandet Applaus auf, nachdem sich der Höhepunkt der erfrischenden Komödie „Eine Stunde Ruhe“ in Zeitlupe vor den Augen der etwa 700 Zuschauer zugetragen hat. Eine wilde Schlägerei.

Eine Stunde Ruhe? Davon kann Michel, Jazzliebhaber und Vinyl-Junky, der große Boxen und ein Schallplattenregal bis zur Zimmerdecke hat, nur träumen. Die temporeiche Komödie, in der Timothy Peach, Nicola Tiggeler und Saskia Valencia in den Hauptrollen glänzen, dreht sich vordergründig um eine besondere Jazz-Platte, jene vom Klarinettisten Niel Youart, New Orleans 1938, mit dem Album „Me, Myself And I“.

Die Diamantnadel der Dramaturgie läuft sauber

Doch kaum hat Michel die besondere Scheibe, die er seit 30 Jahren fieberhaft gesucht hat, auf dem Flohmarkt ergattert, da beginnt sich sein Leben zu drehen wie auf einem zu schnell gestellten Plattenteller. Diese Komödie, bei der die Besucher in Kamen oftmals lauthals lachen, läuft nicht auf der letzten Rille, hat keine Kratzer. Die Diamantnadel der Dramaturgie läuft sauber, luftig, leicht und ohne Sprünge.

„Ich hab sie! Mein Gott“, ruft Michel, als er durch die Zuschauerränge der Konzertaula stürmt und die besondere Platte den Besuchern vor die Nase hält. Doch der „schönste Tag seines Lebens“, wie er triumphierend ausruft, wird schnell zum Albtraum. Denn die eine Stunde, die ihm verbleiben, das kostbare Stück auf dem Musik-Podest im geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer zu hören, wird turbulent. Sehr turbulent...

Eine Stunde Ruhe? Nein, eine Stunde Turbulenzen

Da ist Ehefrau Nathalie, die plötzlich einen Seitensprung gestehen will - einen vor 30 Jahren mit seinem besten Freund. Da ist Sohn Sebastian, der in seiner rebellischen Phase seine Lebensenergie „der künstlerisch aktivistischen Lebenskritik“ widmet, Kakerlaken als Protein der Zukunft verschlingt und nur noch „Fucking Lion“ genannt werden will. Da ist Leo, der polnische Handwerker, der eigentlich Portugiese ist, der im Blaumann mit dem falsch geschriebenen Aufdruck „Schöner Wonen“ das Kinderzimmer mit dem Bohrhammer so verwüstet, dass die Sintflut aus allen Wasser- und Abwasserrohren hereinbricht. Und da ist auch noch Michels eigener Seitensprung, Freundin Elsa, die „wilde Raubkatze“, ausgerechnet beste Freundin seiner Frau. Und Prof. Dr. Dr. Pavel Dubrowski ist auch nicht begeistert, als ihm das brodelnde Abwasser in der Wohnung darunter von der Decke tropft.

Fetzige Platte aus dem Komödien-Regal

Eine Stunde Ruhe? Natürlich am Ende genau das Gegenteil, wer hätte das gedacht? Aber die vorhersehbare Geschichte wird wunderbar gespielt, mit agilen Darstellern und einem Timothy Peach, der schreiend, gestikulierend, auf Knien rutschend und manchmal dem Wahnsinn nah sein Publikum überzeugt. Diese Platte aus dem Komödien-Regal kann man wohl immer wieder auflegen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Gastronomie in Kamen
L’Osteria geht auf Personalsuche: Im neuen Mega-Restaurant jeden Tag Bella Italia erleben
Hellweger Anzeiger Sicherheit
Brücken-TÜV nimmt Bauwerke am Fluss ins Visier: Fünf Brücken auf Standsicherheit abgeklopft
Meistgelesen