Jeden Morgen um Acht starten die auffällig gelb gekleideten Männer der Aktion „Sauberes Kamen“. Zwei Stunden lang war unser Reporter dabei und weiß nun besser, wie herausfordernd ihr Job ist.

von Werner Wiggermann

13.10.2019, 11:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine Frage, das E-Lastenfahrrad mit stets griffbereitem Werkzeug und aufgespannten Müllsäcken ist das ideale Dienstfahrzeug. Was aber nicht bedeutet, dass man sich gleich wohlfühlt darauf. „Wir fahren immer auf dem Gehweg“, hatte der Kollege beim Start in der Werkstraße gesagt und ist mir in Nullkommanix davon geradelt. Ich kann nun sehen, wie ich hinterher komme. Als Tagespraktikant in dem anspruchsvollen Projekt „Sauberes Kamen“. Wenigstens eine Stunde lang will ich zum Glanz des Projekts beitragen - und bin an der ersten Straßenecke schon beinahe gnadenlos überfordert.

Sauberes Kamen: Und täglich grüßen die neuen Kippen

Teamleiter Holger Locke birgt an einem Waldrand in Methler einen weggeworfenen Kühlschrank. Eine Stunde vorher war ein Hinweis darauf an die Truppe „Sauberes Kamen“ weitergegeben worden. © Werner Wiggermann

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Zweihundert Meter weiter habe ich die gröbsten Bedienungsfehler am Lenker abgestellt, habe kaum noch Angst vor dem nächsten Engpass und freue mich auf die echten Herausforderungen dieses Vormittags. Die kommen sehr schnell: Am Busbahnhof versuche ich mir klarzumachen, warum man an Schaufel, Besen und Greifer so viel schneller sein kann als ich blutiger Anfänger. Als hätte man noch niemals ein Gartengerät in der Hand gehabt. Die Bremse - so meine erste Erkenntnis - sitzt einfach in meinem Kopf. Wie sauber muss dieses Stück Kamen jetzt wirklich werden, damit sich die Menschen hier wohler fühlen? Muss ich diese Kippe auch noch aus der Pflasterritze klauben? Was ist mit dem Papierfetzen, der sich so schlecht greifen lässt - bevor ich zu vernünftigen Antworten mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit gelange, sind die Kollegen schon wieder 100 Meter weiter - und die Strecke zwischen ihnen mir sieht richtig sauber aus! Wie jeden Morgen, wenn sie hier durch sind; nicht wie jeden Morgen, bevor sie ihre Arbeit aufnehmen.

Fakten zum Projekt

Sauberes Kamen

  • „Wilde Müllkippen“ zu beseitigen gehört auch zu den Aufgaben der Männer in Gelb. Innerhalb von 48 Stunden nach einem Hinweis, so die Vereinbarung mit der Stadt, werden die Abfälle beseitigt - meistens aber deutlich schneller.
  • Besonders viel zu tun haben die Stadtsäuberer an einigen Orten im Stadtgebiet wie zum Beispiel an vielen Bushaltestellen. Weitere Einsatzschwerpunkte: Galgenberg (im Sommer), Wasserspielplatz in Methler oder die Containerstandorte „Schöner Fleck“ und an der Wideystraße.
  • Nach Veranstaltungen an Wochenenden wird besonders schnell und intensiv gereinigt. Deshalb ist der Sonntag praktisch auch inzwischen zu einem ganz normalen Arbeitstag geworden.

Heute Morgen ist der Sesekepark scheinbar schon in einem besseren Zustand, als wir hineinfahren. Kein Vergleich mit dem Gehweg der Bahnhofstraße, den wir in der verordneten Kürze der Zeit kaum sauber, ganz bestimmt nicht rein bekommen haben. Aber auch der schöne neue Sesekepark zeigt beim genaueren Hinsehen, warum er der täglichen Pflege bedarf. Um das zentrale Schmuckstück zu bleiben, auf das wir Kamener so stolz sind. Im Umfeld der gewiss nicht zu knapp bemessenen Abfallkörbe liegt beinahe alles am Boden, was in die Behälter gehört: rote Tüten für Hundekot, die wohl spielende Kinder aus den Abgabestellen gezerrt und locker im Gelände verteilt haben, Kronkorken, deren Vorbesitzern selbst die zwei Meter zum Eimer zu weit erschienen - oder die zahllosen Kippen, die aus dem gleichen Grund einfach zu Boden gefallen sind.

Das ist halt unser Job

Nach ein paar Minuten ist so gut wie alles aufgesammelt. Mit all der Routine, die die Kollegen so schnell und effektiv macht. Nur manchmal erlauben sie sich noch einen kleinen inneren Zornanfall. Friedhelm (seinen echten Namen möchte der 59-Jährige lieber nicht in der Zeitung lesen) kommt nach meinen Nachfragen tatsächlich etwas in Rage. Einmal hat er einen jungen Mann in Bahnhofsnähe auf die achtlos weggeworfene Zigarettenkippe angesprochen. Das Gespräch nahm keinen freundlichen Verlauf und am Ende musste Friedhelm sich sogar mit einer Anzeige gegen sich selbst auseinandersetzen.

Lieber ruhig bleiben also und sachlich und effektiv den täglichen Dienst am Stadtbild vollbringen. „Das ist halt unser Job“, betont Waldemar Schmidt, der jetzt schon 16 Jahre bei der Truppe ist. Und manchmal wird man auch freundlich von Passanten angesprochen. Darauf, dass Kamen wirklich eine saubere Stadt ist. Dank den Männern in Gelb.

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