Samuel Koch: „Der Glaube wurde für mich zu einer lebenserhaltenden Maßnahme“

dzVerunglückt bei „Wetten, dass?“

Durch einen Sturz verlor Samuel Koch 2010 bei „Wetten, dass?“ von einem auf den anderen Moment sein altes Leben. Diagnose: Querschnittslähmung. Beim Besuch in der Pauluskirche in Kamen beeindruckt er nun Hunderte Zuhörer.

von Katja Wiemers

Kamen

, 04.10.2019, 14:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Samuel Koch sich nach seinem tragischen Unfall zum ersten Mal im Spiegel sah, konnte er seinen Anblick kaum ertragen: „Ich sah meinen Körper, ich spürte ihn aber nicht. Ab dem Moment an war mein Selbstbewusstsein zerstört“, erinnert er sich zurück an den traurigen Moment in seinem Leben.

Heute sitzt er im Rollstuhl, ist verheiratet, hat ein festes Engagement als Schauspieler am Schauspielhaus Mannheim. In der Pauluskirche in Kamen machte Koch am Donnerstagabend für einen Vortrag der Reihe „Kamener Kanzel“ Station. Er ist dieser Stehaufmensch, der sich und seine Lähmung vom Hals abwärts akzeptiert hat. „Zu verdanken habe ich das meinen Eltern, die mir von klein auf vermittelt haben, dass ich gut bin, so wie ich eben bin. Selbst wenn ich von der Schule keine herausragenden Noten mit nach Hause brachte, war ich doch für meinen Vater immer eine eins mit Sternchen.“ Er weiß: „Das Leben ist eine Achterbahn, nach einigen Loopings und dem freien Fall geht es bergauf.“

Der Glaube verhalf zu neuer Lebenskraft

Mit seiner Tour, auf der er seine Bücher „Stehaufmensch“ und „Rolle aufwärts“ vorstellt, vermittelt Koch dem Publikum Anekdoten über den Sinn des Lebens, über den Glauben und die Hoffnung. Denn gerade der Glaube war es, der nach dem Unfall stark erschüttert war, und der Glaube war es auch, der Koch zur neuen Lebenskraft verhalf. Eines Tages wurde er in der Rehabilitationsklinik für wenige Minuten in den Rollstuhl gesetzt und auf den Balkon geschoben. „Ich verspürte einen inneren Frieden, als ich die frische Luft einatmete, Berge und eine grüne Wiese erblickte und die Sonne auf mich einstrahlte. Der Glaube wurde für mich zu einer lebenserhaltenden Maßnahme.“

Samuel Koch: „Der Glaube wurde für mich zu einer lebenserhaltenden Maßnahme“

Hunderte Zuhörer verfolgten den Auftritt des früheren Athleten, der 2010 in der TV-Sendung „Wetten, dass?“ schwer gestürzt war. © Borys Sarad

Die Musiker Mirjam Thöne und Dirk Menger, die Koch für gewöhnlich bei seinen Lesungen begleiten, sind beim Auftritt in Kamen verhindert. Koch wird von seiner Ehefrau Sarah Elena sowie seinem Schauspielkollege Sebastian Kempf zur Lesung begleitet. Kochs Kollege unterstützt ihn mit Gesang und Gitarre: „Ich bin nervös, heute ist das erste Mal seit langem, dass ich meine selbstgeschriebenen Lieder spiele“, gesteht Kempf. Koch schwärmt in den höchsten Tönen von seinem Kollegen: „Ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass wir denselben Charakter haben. Ich verbringe mit ihm beinahe mehr Zeit als mit meiner eigenen Frau“, lacht Koch.

Der erste Wunsch wäre: Rausgehen

Könnte Koch jemals wieder gehen, dann wäre sein erster Wunsch, einen Spaziergang zu machen. „Rausgehen, einfach so, weil ich es kann. Spätestens im Himmel werde ich irgendwann wieder laufen können.“

Nach der Lesung gibt Koch seinem Publikum die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Hunderte Besucher sind gekommen, die Pauluskirche ist voll. Ein Zuhörer verspürt den Drang, Koch zu danken: „Herr Koch, ich bin von Beruf aus Künstler. Durch Ihre Youtube-Videos nach dem Unfall habe ich mich dazu entschlossen, mein Künstlerdasein aus einer anderen Perspektive zu sehen, ich entschied mich dazu, als Künstler für Menschen mit Behinderungen zu arbeiten. Sie haben mich auf dem richtigen Weg gebracht, ich danke Ihnen.“

Eine andere Besucherin fragt: „Was macht Sie aus?“ Koch antwortet: „Ich tue mich schwer, mich selbst zu beschreiben. Ich sehe mich einfach als Ehemann, als Kind meiner Eltern, und früher sah ich mich als Athlet. Vielleicht können Sie mir ja sagen, was mich ausmacht.“ Die Besucherin entgegnet: „Inspirierend, das trifft es, glaube ich.“

Kochs abschließende Worte sind Worte hoffnungsvoll: „Mein letztes Kapitel habe ich noch nicht zu Ende geschrieben.“

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