Riesen-Maschine macht aus Bodenaushub feinen „Hellwegsand“

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Ein Knopfdruck – und schon startet die neue Sandaufbereitungsanlage auf der GWA-Deponie. Das Ungetüm frisst grobes Material und spuckt es als feinen Baustoff wieder aus.

Kamen

, 02.10.2018, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Prinzip kennt jedes Sandkastenkind, nur die Siebe sind etwas größer: Auf dem Gelände der GWA-Deponie an der Mühlhauser Straße in Heeren-Werve wird neuerdings mit Bodenaushub aus dem Tiefbau ein großes Maschinen-Ungetüm gefüttert. Das Material durchläuft in der aus Sieben und Förderbändern bestehenden Sandaufbereitungsanlage mehrere Stationen, bis es am Ende dieses Recycling-Prozesses als Füllsand auf einen großen Haufen rieselt.

Für das äußerst feinkörnige Produkt, das als „Qualitätsbaustoff“ unter anderem beim Verlegen von Wasserrohren zum Einsatz kommt, haben Vertreter der kreiseigenen Entsorgungsfirma GWA und des Wasserversorgers Gelsenwassers einen wohlklingenden Namen erfunden: Hellwegsand.

Nach monatelangen Vorbereitungen – unter anderem gründeten die beiden Partner die gemeinsame „Gesellschaft zur Weiterverwendung von Mineralstoffen (GWM)“ – wurde die Anlage am Dienstag offiziell in Betrieb genommen. Die beiden GWM-Geschäftsführer Ulrich Drolshagen und Martin Döbber, Gelsenwasser-Prokurist Joachim Basler, Vize-Landrätin Elke Middendorf (CDU) und Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) scharten sich dazu um einen roten Startknopf.

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So entsteht in Kamen der "Hellwegsand"

Auf dem Werks- und Deponiegelände der kreiseigenen Abfall- und Recyclingfirma GWA ist eine neue Sandaufbereitungsanlage in Betrieb genommen worden.
02.10.2018
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Ein Radler kippt das Ausgangsmaterial in einen Trichter. Die Sandaufbereitungsanlage steht auf dem Gelände der Deponie-Betreiberfirma GWA in Heeren-Werve© Borys Sarad
Neue Sandaufbereitungsanlage: Das Material durchläuft mehrere Verarbeitungsstufen. Je nach Beschaffenheit wird der Stoff mit Kalk vermischt.© Borys Sarad
Durch ein System aus Förderbändern landet das Material in dieser Halle.© Borys Sarad
Der feine Stoff eignet sich zum Beispiel zum Verfüllen von Gräben, in denen Wasserleitungen verlegt werden. Er wird als "Hellwegsand" oder "GWM-Sand" verkauft. GWM steht für Gesellschaft zur Weiterverwendung von Mineralstoffen.© Borys Sarad
Dieses Schema verdeutlicht die einzelnen Stationen des Verarbeitungsprozesses.© awewering
Martin Döbber (2.v.l.) und Ulrich Drolshagen (M.), die Chefs der Gesellschaft zur Weiterverarbeitung von Mineralstoffen, Bürgermeisterin Elke Kappen (l.), Vize-Landrätin Elke Middendorf (vorne) und Gelsenwasser-Prokurist Joachim Basler (r.) geben das Startsignal für die neue Anlage.© Borys Sarad
Rund 50 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung lassen sich die neue Sandaufbereitungsanlage zeigen.© Borys Sarad

Middendorf bezeichnete die Produktionsanlage zuvor im Beisein von rund 50 Gästen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft als Beleg dafür, dass Ökologie und Ökonomie keine Gegensätze sein müssen. „Sie ist ein Beispiel dafür, dass mit Kreativität, Einsatzbereitschaft und kompetenten Mitarbeitern in sehr vielen Bereichen ökologische und ökonomische Ziele gleichermaßen erreicht werden können“, sagte sie. Neben der Annahme und Aufbereitung von Bauschutt zu Qualitätsbaustoffen werde nun auch Bodenaushub zu einem gütegeprüften Produkt verarbeitet und dem Stoff- und Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt – zum Vorteil von Umwelt und Unternehmen.

Gelsenwasser ist ein Hauptabnehmer für den Füllsand. Prokurist Basler vertrat die Sichtweise, dass Sand ein Rohstoff ist, der in seinen natürlichen Vorkommen geschont wird, wenn Bodenaushub aufbereitet wird. Zudem werde auch immer knapper und teurer werdender Deponieraum geschont.

Das neue Sandwerk ist Teil einer neuen Zukunftsstrategie der Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft Kreis Unna (GWA) für den früher oft von Bürgerprotesten begleiteten Deponie-Standort. Das heißt: mehr Recycling-Aktivitäten nach dem Volllaufen weiter Teile der Deponie-Flächen. Die Bezirksregierung Arnsberg genehmigte die Errichtung und den Betrieb einer Aufbereitungsanlage für Boden und Siebsand im Juli 2017 auf Basis des Bundes-Immissionsschutzgesetzes.

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