Corona-Krise: Diese Kamener Restaurants bieten einen Lieferservice

dzGastronomie

Gaststätten müssen wegen des Coronavirus geschlossen bleiben. Deshalb liefern nun einige ihr Essen aus. Michael Wilde geht sogar noch weiter. Ihm geht es nicht um Profit, sondern Solidarität.

Kamen

, 23.03.2020, 16:38 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Es ist unglaublich gut angelaufen. Ich bin überrascht und auch ein wenig überfordert. Für morgen sind wir gewappnet.“ Für den Kamener Wirt Michael Wilde war es ein stressiger Wochenanfang – und das obwohl Restaurants vorerst ob der Coronakrise geschlossen bleiben müssen.

Doch statt Trübsal zu blasen, hat der Besitzer des „Kümpers“ eine Aktion ins Leben gerufen, mit der er Solidarität nach außen zeigen will. „Jetzt ist das Wichtigste, das wir zusammenhalten“, so der Wirt. Wilde bietet künftig von Montag bis Samstag ein Mittagsgericht an, das die Menschen sich abholen oder liefern lassen können. Das Besondere: Die Kunden bestimmen den Preis selbst. Und: Für Krankenpfleger, Feuerwehrleute, Polizeibeamte und Altenpfleger bietet er das Gericht kostenlos an.

45 Vorbestellungen am ersten Tag

Zwischen 10 und 12 Uhr nimmt Wilde Vorbestellungen an, ab 12 kann das Essen abgeholt werden. Montag, am ersten Tag der Aktion, gibt es 45 Vorbestellungen, einige holen sich das Gericht direkt mittags, andere kommen nach Feierabend vorbei. Und jeder zahlt, was er in dieser Zeit zahlen kann.

Jeden Tag wird ein anderes Gericht im Kümpers angeboten.

Jeden Tag wird ein anderes Gericht im Kümpers angeboten. Im kleinen Team geben die Helfer das Essen aus. © Stefan Milk

Wilde hat alle Hände voll zu tun, nicht nur die vielen Bestellungen, sondern auch das andere Arbeiten müssen sich erst einmal einspielen. Auch ist sein Team nicht so groß wie sonst. Hilfe bekommt er von einer Aushilfskraft, die wie die anderen auch freigestellt wurde, aber freiwillig mithilft. Mit im Boot ist außerdem der Koch, für den Wilde Kurzarbeit beantragen musste, und ein junger Mann, der ebenfalls von seiner Arbeit freigestellt ist und das Essen an ältere oder kranke Menschen ausliefert.

Profit schlägt Wilde aus der Aktion nach eigenen Worten nicht. Ihm gehe es darum, Solidarität zu zeigen und Benachteiligten unter die Arme zu greifen. Unterstützung bekommt Wilde auch von der Fleischerei Flechsig, die ihn kostenlos mit Fleisch beliefert. „Das zeigt mir, dass Kamen zusammenhält“, sagt Wilde.

Viele Gastronomien in Kamen bleiben geschlossen, manche liefern

Während viele Restaurants, wie zum Beispiel das La Tapa Guapa am Alten Markt, das Alte Gasthaus Schulze Beckinghausen in Methler und auch das Bürgerhaus Heeren geschlossen bleiben, sind ein paar Kamener Gastronomen wie Wilde dabei, ihr Angebot auf die schwierigen Umstände anzupassen. Auch das En Place am Alten Markt bietet mittlerweile einen Lieferservice, genau wie das italienische Restaurant „Bei Tino“ in Methler.

Den Kunden wird das verpackte Essen durchs Fenster an der Bahnhofstraße angereicht.

Den Kunden wird das verpackte Essen durchs Fenster an der Bahnhofstraße angereicht. © Stefan Milk

Zwischen Mittwoch und Sonntag von 17.30 bis 21 Uhr bringen Claudia und Enrico Mazzoletti und ihr Team Pizza, Pasta und Salate zu ihren Kunden. Und die nehmen das Angebot auch wahr. „Wir sind unseren Stammkunden dankbar“, sagt Claudia Mazzoletti. Für sie und ihr Team ist es eine Umstellung, auf diese Art zu arbeiten: „Die Bestellungen kommen geballt. Und wenn um 18 Uhr der Fahrer nach Südkamen rausfährt und um 18.02 Uhr eine neue Bestellung aus Südkamen kommt, dann ist er schon mal eine Stunde unterwegs.“ Gleichzeitig will das Restaurant sein Bestes geben und den Ruf wahren, den es sich in 43 Jahren erarbeitet hat.

Nicht für alle Restaurants bietet sich ein Lieferservice an

Mit dem normalen Betrieb könne man die Einnahmen durch die Lieferungen zwar nicht vergleichen. „Aber wir sind froh, dass wir diese Möglichkeit überhaupt haben“, sagt Claudia Mazzoletti. Friseure oder manche anderen Restaurants könnten nicht so einfach einen Lieferdienst einrichten.

Jetzt lesen

Dazu gehört auch das Haus Düfelshöft in Südkamen. „Wir sind auf das Abendgeschäft angewiesen, die Menschen kommen, um gemütlich im Restaurant zu essen“, sagt Inhaber Dzunejd Melkic. Einen Lieferdienst einzurichten, würde sich für ihn nicht lohnen.

Melkic will trotzdem nicht untätig bleiben. Mit seinen Mitarbeitern wechselt er Lampen aus, streicht Wände. Es sind Arbeiten, die nicht viel kosten und mit denen er sich und seine Mannschaft für eine Weile beschäftigen kann. Lange kann er sich so aber nicht über Wasser halten: „So überleben wir vielleicht einen Monat. Dann wird es kritischer.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Bezahlen ohne Bargeld
Coronavirus: Wer häufig kontaktlos mit der Karte zahlt, braucht seine PIN