Schmutziges Wasser ist Geschichte: Lernen und Entdecken an der Mühlbachmündung

dzOrt des Lebens

Zu Orten des Lebens wurden Seseke und Mühlbach wieder entwickelt. Zu einem Ort des Lernens soll die Mühlbachmündung nun weiterentwickelt werden.

von Werner Wiggermann

Heeren-Werve

, 08.11.2019, 17:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor einigen Jahren noch war die Mündung des Mühlbachs in die Seseke ein lebensfeindlicher Ort, geprägt von rutschigen Betonschalen und schmutzigem Wasser.

Bekanntermaßen sind beide Gewässer nun längst umgestaltet; Besucher können den Eindruck gewinnen, sie befänden sich in einer ursprünglichen Auen-Landschaft. Dass dies nicht ganz stimmt, ist eine Erkenntnis, die Kinder demnächst hier gewinnen sollen. Lippeverband und Stadt Kamen planen an der Mündung des Mühlbachs einen „Lern- und Entdeckerort für Kinder.“

Quappen gedeihen

Und es gibt inzwischen wirklich schon einiges zu entdecken, betont Ilias Abawi, Pressesprecher des Lippeverbandes. In der Seseke leben tatsächlich wieder Fische. Die hier ausgesetzten Quappen gedeihen und vermehren sich. In den Mühlbach haben sie sich wohl noch nicht hinaufgewagt - aber das kann kommen. Schließlich sei das ganze Renaturierungsprojekt nur auf mittel- und langfristige Erfolge angelegt.

Deshalb besteht die Fauna im Bach vorerst „nur“ aus Arten wie Schnecken, Großmuscheln, Sohlentieren wie etwa Bachflohkrebsen, aus Köcherfliegen, Würmern und Egeln. Eine Auswahl, die womöglich nicht ganz so spannend klingt wie etwa „Bachforelle“, die bei näherem Hinsehen aber genauso spannend ist.

Schmutziges Wasser ist Geschichte: Lernen und Entdecken an der Mühlbachmündung

So soll der Entdeckerort am Mühlbach einmal aussehen. © Lippeverband

Forschermaterialien am Ufer

Und das nähere Hinsehen soll eben vor allem wissbegierigen Kindern nun leichter gemacht werden: In sicher verschlossenen Aufbewahrungsboxen finden sie bald Schalen, Kescher und Siebe vor. Instrumente, die sich zum genauen Betrachten der kleinen Lebewesen eignen. Zudem besteht schon jetzt die Möglichkeit, sich im Schatten hinzusetzen und auszutauschen. Womöglich auch über die Entdeckung eines prächtigen bunten Eisvogels, der hier inzwischen durchaus akzeptable Wohnverhältnisse vorzufinden scheint.

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Der Bereich mit einem uneingeschränkten Blick auf den Mühlbach bietet insgesamt viel Raum für kreative Ideen. Auf der höher gelegenen Fläche steht ein großer Baum, der im Sommer Schatten spendet, zwei Bänke, ein Mülleimer und Fahrradabstellbügel wurden bereits aufgestellt.

Lernort mit vielen Bezügen

Ein idealer Ort für Klassen- und Kursausflüge ist hier also teilweise bereits entstanden und wird nun noch weiterentwickelt. Und die Kinder und Jugendlichen müssen sich nicht auf die Erforschung der Kleinlebewesen beschränken. Der bunte Eisvogel ist nur ein Beispiel für die allmählich immer reichhaltiger werdende Gesellschaft gefiederter Lebewesen. Die Pflanzenvielfalt wächst von Jahr zu Jahr. Aus der von Biologen und Gärtnern geplanten Natur wird allmählich eine selbst entwickelte.

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Diese Abläufe selbst sind übrigens ein weiterer Lerngegenstand für junge Besucher. Ihnen kann hier klar werden, warum die Bäche früher begradigt werden mussten und zu Kloaken entstellt wurden. Die Folgen der Industrialisierung sind dann besonders gut zu vermitteln. Und auch die Möglichkeit, Lebensräume zurückzugewinnen. Indem man Barrieren überwindet. Sinnbildlich könnte das durch eine „Flüsterbrücke“ über den Fluss dargestellt werden: Zwei an den Ufern sich gegenüberstehende Betonschalen, die den Schall fokussieren – und so „Fern“-Kommunikation möglich machen.

Die Umsetzung des Lern- und Entdeckerortes soll übrigens bereits 2020 beginnen und zeitnah abgeschlossen werden.

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