Bei Mais ist normalerweise von einer Wuchshöhe zwischen einem und drei Metern auszugehen. Dieses Jahr ist er teilweise deutlich höher. © Carsten Fischer
Natur-Phänomen

Rekordverdächtiger Mais: Giganten auf den heimischen Feldern

Auf den Feldern zwischen Ruhr und Lippe stehen in diesem Jahr rekordverdächtige Riesen, wie Spaziergänger feststellen. Kreislandwirt Hans-Heinrich Wortmann erklärt, worauf es beim Mais jetzt ankommt.

Der Mais versetzt Wanderer und Spaziergänger ins Staunen. Die wichtige Futterpflanze für Rinder, Schweine und Hühner scheint in diesem Sommer in Rekordhöhen zu wachsen. Gegenüber den hohen Halmen kommen sich Menschen wie Zwerge vor.

Wo keine Schäden durch Starkregen zu verzeichnen sind, gedeiht der Mais prächtig. Doch wächst er auch in Rekordhöhe? Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Ruhr-Lippe, bestätigt den Eindruck: „Es ist faszinierend, wie der Mais gewachsen ist“, sagt der Landwirt aus Kamen. Erst am Vortag hat Wortmann auf einem Feld nördlich der A2 bei Kamen nachgemessen. Er kam auf 3,50 Meter – eine stattliche Wuchshöhe. Normalerweise ist bei Mais von einer Höhe von einem bis drei Metern auszugehen.

Hans-Heinrich Wortmann freut sich über das prächtiges Mais-Wachstum im Revier des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (u.a. Kreise Unna, Soest, Coesfeld, Recklinghausen sowie die Städte Bochum, Dortmund, Hamm und Herne).
Hans-Heinrich Wortmann freut sich über das prächtiges Mais-Wachstum im Revier des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (u.a. Kreise Unna, Soest, Coesfeld, Recklinghausen sowie die Städte Bochum, Dortmund, Hamm und Herne). © Stefan Milk/Archiv © Stefan Milk/Archiv

Viel Regen in Kombination mit sonnigen Phasen haben für den Wachstumsschub gesorgt. Ob die Ernte ertragreich wird, hängt jetzt vom Verlauf der entscheidenden Phase ab. „Mais ist eine wärmeliebende Pflanze. Sonne wäre jetzt genial. Die männlichen Pollen müssen auf die weiblichen Fäden drauf, damit der Mais befruchtet wird“, sagt Wortmann. „Erst dann entsteht im Kolben ein Korn.“ Und im Kolben stecke 50 Prozent der Energie.

Ein Spaziergänger zwischen einem Weizen- und einem Maisfeld in Südkamen.
Ein einsamer Spaziergänger vor einem Maisfeld in Südkamen. © Carsten Fischer © Carsten Fischer

Die Bauern verwenden den Mais unterschiedlich. Für die Ernte des Silomaises, der an Rinder verfüttert wird, können die Bauern voraussichtlich „Anfang, Mitte Oktober“ mit dem Feldhäcksler auf die Felder fahren. In den vergangenen Jahren fiel die Ernte auf Mitte September. Der Körnermais, den Hühner picken, bleibe voraussichtlich bis „Ende Oktober, Anfang November“ auf dem Acker. Dann kommt der Mähdrescher. Körner und Spindel („Corn-Cob-Mix“) dienen als Schweinefutter, und ganz fein gehäckselte Maispflanzen werden als Energiemais von den Bakterien in Biogasanlagen verdaut.

Feuchtes Wetter stört Getreideernte

Bereits erntereif ist das Getreide. Die Ernte gestaltet sich durch die derzeit relativ feuchte Witterung als Hängepartie. „Die Gerstenernte ist – bis auf nässebedingte nicht befahrbare Restflächen – abgeschlossen, der Raps ist zum größten Teil geerntet, nun steht in unserer Region in erster Linie die Weizenernte an“, sagt Wortmann. Aktuell gebe es zwar keine großen Mengen an Niederschlag, aber jeden Tag so viel, dass die Erntearbeiten nicht erfolgen könnten. Die Situation sei noch nicht dramatisch, aber etwas nervös würden die Bauern bei den weiteren Wetteraussichten schon.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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