Szene vom Kamener Friedhof: 15 Corona-Tote aus Kamen wurden 2020 statistisch erfasst, das entspricht 2,5 Prozent aller Sterbefälle. © Claudia Pott
Jahresbilanz

Rekord bei Todesfällen: Corona und die Sterblichkeit in Kamen

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf die Sterbefälle in Kamen aus. Der Höchstwert der vergangenen 20 Jahre wurde erreicht. Monatswerte erlauben auch einen Vergleich mit einer schweren Grippewelle.

Treibt Covid-19 die Zahl der Sterbefälle in die Höhe? Das ist eine Frage, die häufig im Zusammenhang mit der Pandemie auftaucht. Eine vorläufige Antwort lieferte das Statische Bundesamt vor einigen Tagen auf Basis eines Vergleichs der Jahre ab 2016.

Demnach stieg die Zahl der Sterbefälle in Deutschland seit der zweiten Oktoberhälfte immer weiter über den Durchschnitt an. Zuvor lagen sie nur im April sowie im August und September leicht über dem Durchschnitt der Vorjahre. Die Zahlen dienen als Beleg für eine Übersterblichkeit durch die Pandemie.

Wie viele Kamenerinnen und Kamener im Jahr 2020 gestorben sind, geht aus einer Auswertung der Stadtverwaltung hervor. Demnach sind 591 Bürger aus dem Leben geschieden. Diese Zahl bezieht sich auf Kamenerinnen und Kamener, die an ihrem Wohnort oder in einer anderen Stadt gestorben sind. Gegenüber dem Vorjahr 2019 stieg die Zahl der Sterbefälle gering. Sollte es einen Corona-Einfluss gegeben haben, hat dieser also nicht für einen sprunghaften Anstieg gesorgt.

Auffällig ist, dass mit 591 Sterbefällen der höchste Stand in den vergangenen 20 Jahren erreicht ist. Dies ergibt sich aus einem Vergleich mit der Entwicklung der Sterbefälle, so wie sie in der Landesdatenbank der Statistikbehörde IT NRW hinterlegt ist. Vor zwei Jahrzehnten gab es noch 150 Tote weniger in Kamen. Die steigende Tendenz über den langen Zeitraum lässt sich mit der demografischen Entwicklung erklären. Es lässt sich vermuten, dass das Erreichen des Rekordwerts 2020 durch die Pandemie beeinflusst wurde.

Wie viele Menschen sterben jeden Monat und gibt es hier Auffälligkeiten? In den vergangenen beiden Jahrzehnten starben jeden Monat in Kamen zwischen 20 und 67 Menschen – so nachzulesen in der Landesdatenbank, die alle monatlichen Sterbefälle seit dem Jahr 2000 bis einschließlich September 2020 erfasst. Der niedrigste Stand war im August 2005 erreicht; der höchste im März 2018 – auf dem Höhepunkt einer Grippewelle.

Die einzelnen Monatswerte für das Pandemiejahr 2020 liegen bislang nur für Januar bis September in der Landesdatenbank vor. Der höchste Wert lag im Januar bei 64 (da wirkte sich Corona noch nicht aus) und im März bei 60 Todesfällen. In den ersten neun Quartalen wurde also der bisherige Rekord-Monatswert von 67 Verstorbenen bei der Grippewelle im März 2018 nicht übertroffen.

Für einen vollständigen Überblick über die monatlichen Sterbezahlen fehlt noch das vierte Quartal mit den Monatswerten aus Oktober, November und Dezember. Diese gehen weder aus der Landesdatenbank noch aus den städtischen Angaben hervor. Zieht man alle in den ersten drei Quartalen erfassten Todesfälle von der städtischen Gesamtzahl des Jahres ab, bleiben 165 Menschen, die im letzten Quartal gestorben sind, also durchschnittlich 55 im Monat. Das ist ein Wert, der über dem Durchschnitt der Vorjahre liegt – ein Zeichen für eine Übersterblichkeit am Jahresende.

Mindestens 15 Corona-Tote in Kamen im Jahr 2020

Wie viele Kamenerinnen und Kamener insgesamt im Jahr 2020 mit oder an Corona gestorben sind, ist wegen des Dunkelfelds nicht bekannt. Nachweislich starben 15 Menschen nach einer Coronavirus-Infektion, das entspricht 2,5 Prozent aller Todesfälle. Die erste so erfasste Corona-Tote war am 29. Oktober eine 91-jährige Frau. Bis Mitte Januar 2021 sind bereits 19 Kamenerinnen und Kamener mit Sars-CoV-2-gestorben.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
Zur Autorenseite
Carsten Fischer
Lesen Sie jetzt