Am Bahnhof Kamen und auch an anderen Orten in der Stadt kann man keine E-Scooter leihen. Daran wird sich wohl so bald auch nichts ändern. Wir haben einen Mobilitätsexperten nach dem Trend gefragt.

Kamen

, 28.08.2019, 05:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Kamener Bahnhof mit dem Zug ankommen, einen E-Scooter leihen und damit zum Marktplatz düsen: Dieses Szenario bleibt wohl Zukunftsmusik. Die Awo-Radstation am Bahnhof, die Fahrräder verleiht, hat Elektrostehroller bislang nicht im Programm. „Das ist für uns bislang kein Thema“, sagt Awo-Sprecher Sebastian Laaser. Die Alternative heißt also: zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad oder Bus fahren.

Für die Radstationen im Kreis Unna, unter anderem in Kamen und Unna angesiedelt, wäre die Vermietung von E-Scootern wohl allenfalls ein Werbegag. Für die Verleihfirmen, die derzeit deutsche Großstädte mit den kleinen Flitzern überschwemmen, ist es ein erhofftes großes Geschäft in den Metropolen.

Elf Zugminuten trennen Kamen von den E-Scootern

Der US-Anbieter Lime hat kürzlich den Verleih-Start seiner grün-weißen E-Tretroller in Dortmund angekündigt. Dort hat bereits Circ seine E-Scooter für die Laufkundschaft hingestellt. In anderen deutschen Großstädten zählen die E-Scooter längst zum Stadtbild.

Doch auch die Tatsache, dass zwischen dem Dortmunder Hauptbahnhof und dem Kamener Bahnhof nur elf Fahrminuten per Zug liegen, veranlasst die Scooter-Firmen nicht, Kamen ins Fahrgebiet einzugemeinden. Im Rathaus der Stadt hat bislang keine Verleihfirma angeklopft, um Bedingungen für einen Betrieb des angesagten Fortbewegungsmittels in der Sesekestadt auszuhandeln.

Fahrradbeauftragter Matthias Breuer hat bislang keine entsprechende Anfrage erhalten. „Kamen ist nicht von besonders prioritärem Interesse, weil wir einen kleine Stadt sind ohne großen touristischen Hintergrund“, meint der Mobilitätsexperte der Stadtverwaltung. „Wir haben bislang keine Hinweise, dass sich eine Verleihfirma für Kamen interessiert.“

Wer in einer Großstadt einen E-Scooter leihen will, muss sich bei dem Anbieter online registrieren, Zahlungsinformationen hinterlegen und eine App auf sein Smartphone laden. Wo gerade ein Tretroller steht, zeigt die Kartenfunktion der App an. Per Smartphone kann man den E-Scooter entriegeln und losfahren. Nicht ratsam ist es, den geliehenen Scooter aus Dortmund im Zug mit nach Kamen zu nehmen. Zum einen laufen die Kosten weiter, und außerdem erkennt die App, dass Kamen nicht zur Fahrzone gehört – und der Nutzer riskiert eine Sperrung.

Radstation am Kamener Bahnhof will keine E-Scooter zum Verleih anbieten

Fahrradbeauftragter Matthias Breuer: „Die Muskeln zu aktivieren, hat seine Vorteile.“ © N.N.

Stadt offen für neue Entwicklungen in der Mobilität

Der Kamener Fahrradbeauftragte Breuer ist inoffiziell so etwas wie ein E-Scooter-Beauftragter. Als sich kürzlich eine Gelegenheit ergab, machte er eine Probefahrt mit einem Metz Mover, das ist ein frei verkäuflicher E-Scooter der Oberklasse. „Ich habe eine Runde um den Parkplatz gedreht. Unter dem Strich fahre ich lieber Fahrrad“, sagt Breuer. „Die Muskeln zu aktivieren, hat seine Vorteile.“

Die Freude am Tretroller-Fahren kam bei ihm nicht auf, das heißt aber nicht, dass sich die Stadt Kamen dem Trend versperren würde. „Ich halte mich bei der Entwicklung auf dem Laufenden. Wir sind ja auch Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte“, sagt er. „Grundsätzlich beobachten wir das und sind offen für neue Entwicklungen in der Mobilität.“ Derzeit wird die Rad-Infrastruktur ausgebaut, dazu zählt das neue Fahrradparkhaus auf dem Willy-Brandt-Platz.

Breuer vermag schwer einzuschätzen, ob sich E-Scooter auf anderem Wege als durch die Verleihfirmen in Kamen ausbreiten werden. Schwer vorstellbar ist für ihn, dass sich viele Privatleute so ein Teil anschaffen werden. „Die sind nicht sehr günstig“, so Breuer. Anschaffungspläne bei der Stadtverwaltung gibt es bislang nicht.

2000 Euro für ein robustes Straßenmodell

Rund 2000 Euro muss man für ein Modell wie den Metz Mover hinblättern. Fahrradhändler Stefan Hübner vom Geschäft „Rad & Tat“ will schon einige wenige Modelle verkauft haben an Kunden, die damit „die letzte Meile“ überbrücken, also zum Beispiel vom Bahnhof zum Büro, wie er sagt. Der Bergkamener Fahrradhändler Ferdinand Wilmes sieht keine nennenswerte Nachfrage auf dem Massenmarkt – und hat bis jetzt keine E-Scooter-Modelle in sein Angebot aufgenommen.

Radstation am Kamener Bahnhof will keine E-Scooter zum Verleih anbieten

Dieser zusammengeklappte E-Scooter wiegt mit 16 Kilo mehr als manches Klappfahrrad. © Marcel Drawe

Wer einen guten E-Scooter mit ausreichenden Bremsen, breitem Trittbrett und akzeptabler Reichweite haben will, landet nach Ansicht von Experten automatisch in der höheren Preisklasse. „Je kleiner die Räder, desto schlechter sind die zu lenken“, warnt Hübner. Es kämen Modelle auf den Markt, die nur schwierig zu händeln seien. Ein vernünftiger E-Scooter habe seinen Preis, und deshalb habe er nur ein Modell im Sortiment. „Viele haben die Vorstellung, nachdem die ersten noch nicht straßenzugelassenen Dinger in Baumärkten für 300 Euro zu haben waren, dass die zugelassenen E-Scooter jetzt auch in diesem Preisbereich liegen.“

Bergauf über Kopfsteinpflaster – kein Fahrvergnügen

Hübner glaubt nach den ersten Erfahrungen in den Großstädten nicht mehr, dass die Elektrostehroller ein ernsthafter Wettbewerber fürs Fahrrad werden. „Das ist hauptsächlich was für Touristen.“ Und dann komme die Ernüchterung, „wenn es in der Altstadt bergauf über Kopfsteinpflaster geht“.

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