Der mobile Blitzer im Einsatz an der Autobahn A1 bei Kamen. © Archiv
Corona-Pandemie

R2D2 ist gefunden: Superblitzer steht jetzt außerhalb des Kreises Unna

Der Kreis Unna vermisst den Autobahn-Superblitzer mit dem Spitznamen R2D2. Bußgelder in Millionenhöhe fehlen. Autofahrer mit Hang zum Rasen sollten sich freilich nicht allzu sicher fühlen.

Der Kreis Unna rechnet für dieses Jahr mit Mindereinnahmen aus Bußgeldern in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Die Schwund bei der jahrelang verlässlich sprudelnden Geldquelle hat mehrere Gründe, zu denen in der Kreistagssitzung im November auch das Fehlen des mobilen Blitzgeräts an den Autobahnabschnitten im Kreis Unna gezählt wurde.

R2D2, wie der Blitzkasten in Bezug auf den gleichnamigen Roboter aus „Star Wars“ gerne genannt wird, sei zwischenzeitlich defekt gewesen und nun woanders im Einsatz, hieß es.

Beides ist richtig – und doch förderte eine Anfrage unserer Redaktion bei der Polizei in Dortmund Erstaunliches zutage. Denn die Behörde, die für den Einsatz des Blitzers zuständig ist, teilte mit, dass er in diesem Jahr sogar häufiger im Kreis Unna gestanden habe als 2019.

R2D2 patroullierte 2020 sogar häufiger, erwischte aber weniger Raser

Demnach war der offiziell als Enforcement Trailer bezeichnete Blitzer von Januar bis Ende November an insgesamt 87 Tagen in drei verschiedenen Baustellen an der A1 und A2 im Einsatz.

Zum Vergleich: 2019 patroullierte R2D2 nur an 53 Tagen entlang von vier Baustellen auf der A1 und A44. Und zwar von Januar bis Ende September. Dann wurde er bei einem Verkehrsunfall massiv beschädigt, sodass bis Jahresende kein Einsatz mehr möglich war, wie Polizeisprecherin Dana Seketa mitteilt.

Bemerkenswert und aufschlussreich sind auch weitere Zahlen, die die Polizei ermittelt hat. Die Zahl der Fahrzeuge, die bei den 87 Einsätzen im Jahr 2020 die Messstellen passierten, beziffert die Behörde auf 2.322.297. Davon waren 37.857 Fahrzeuge zu schnell unterwegs.

Demgegenüber wurden bei den Einsätzen im Jahr 2019 in nur 53 Tagen fast fünf Millionen Fahrzeuge gemessen, exakt waren es 4.969.836 Fahrzeuge. Von diesen waren wiederum 69.023 zu schnell.

„Der erhebliche Rückgang des Fahrzeugverkehrs könnte auf die Corona-Pandemie (Lockdown, Homeoffice, etc.) zurückzuführen sein“, sagt Polizeisprecherin Dana Seketa. © Peter Bandermann © Peter Bandermann

Zusammengefasst passierten den Blitzer im Jahr 2020 an deutlich mehr Einsatztagen weniger als die Hälfte der Fahrzeuge, die 2019 gemessen wurden. Die Zahl der Geschwindigkeitsüberschreitungen lag 2019 indes fast doppelt so hoch. Und das, obwohl der Blitzer wegen des erwähnten Unfalls ab Oktober gar nicht mehr zur Verfügung stand.

Die Ursachen liegen nicht nur für den Kreis Unna, sondern auch für die Polizei auf der Hand. „Der erhebliche Rückgang des Fahrzeugverkehrs könnte auf die Corona-Pandemie (Lockdown, Homeoffice, etc.) zurückzuführen sein“, sagt Polizeisprecherin Dana Seketa und lehnt sich damit wohl kaum zu weit aus dem Fenster.

Blitzer steht jetzt in Hagen, wird aber in den Kreis Unna zurückkehren

Und wo ist R2D2 jetzt? Aktuell (Stand 4. Dezember) sei der Enforcement Trailer im Baustellenbereich der A45 bei Hagen eingesetzt, so die Behördensprecherin. Überhaupt werde er hauptsächlich in Baustellen eingesetzt. Und da auch in den kommenden Jahren längerfristig eingerichtete Baustellen im Bereich der Autobahnen des Kreises Unna geplant seien, werde der mobile Blitzer auch wieder zur Verkehrsüberwachung im Kreis Unna eingesetzt werden.

Das dürfte sich wiederum positiv auf die Finanzlage des Kreises Unna auswirken, denn die Bußgelder kommen bekanntlich dem Haushalt zugute. Wenngleich die Polizei nicht müde wird zu betonen, dass es beim „Blitzen“ nicht um Geldeintreiberei geht.

Dana Seketa: „Unangepasste oder überhöhte Geschwindigkeit ist nach wie vor die häufigste Unfallursache bei tödlichen Verkehrsunfällen. Zudem beeinflusst sie nicht unerheblich die Folgen eines Verkehrsunfalls.“

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues
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